Montag, 24. Juli 2017

»336« Wunder

Manchmal kommt es mir so vor als würde mein Leben seine Tage rückwärts zählen.
Als wäre mein erster Versuch zu laufen gerade einmal ein paar Monate entfernt von meinem aktuellen Lebensabschnitt. Oft musste ich mir infolge dieser Aussage sagen lassen, das dieses Gefühl bei vielen Menschen herrscht. Es liegt wohl daran das wir viel häufiger zurückblicken als in Fahrtrichtung zu sehen. Die Zukunft macht mir persönlich jedoch um Welten mehr Angst als die Vergangenheit. Oftmals werde ich dann mit einem schiefen, leicht verzogenen Lächeln und doch eher fragwürdigem Gesicht angeblickt. Daraufhin versuche ich das ständig anstehende Gefecht in meinem Inneren näher zu beschreiben. Einerseits war meine Vergangenheit ein Begleiter der mich an meine ganz persönlichen Grenzen brachte. Und diese Grenzen wurden meist von außenstehenden Personen überschritten, was mich dazu brachte es ihnen Gleich zu tun. Eine Grenzen - für mich - zu erschaffen. Ein Punkt an dem Ich sagte: "Bis hierher! Und keinen schritt weiter!!" den gab es für mich nur in ganz seltenen Fällen. Es war schwer genug zu atmen. Jeden Morgen wieder und wieder aufzustehen und mir selbst den Kampf anzusagen, das war die Hölle, ist die Hölle und wird vielleicht auch bis an mein Lebensende die Hölle sein. Ich meine wir alle, wir stecken in diesem Teufelskreis fest. Es fängt morgens beim Aufstehen auf und endet mit der Sekunde in der man die Augen für ein paar Stunden schließt und (nicht) schläft. Doch der Grund wieso mir die Zukunft mehr angst bereitet als die Vergangenheit, ist schlichtweg der, dass ich die Vergangenheit schon kenne. Ich weiß was passiert ist. Aber wer kann schon in die Zukunft sehen. Wer weiß was Morgen geschehen wird. Oder Übermorgen. Oder in drei Jahren, an irgendeinem Dienstag. Wer weiß ob dieses Wort das ich oftmals mit meiner Vergangenheit verbinde, die Hölle, nicht vielleicht erst dann eintreffen wird. Vielleicht habe ich all die Jahre Dinge als fürchterlich eingestuft, die mit all den schlimmen Dingen, diese mir in der Zukunft passieren könnten um Welten an Gewichtung verlieren können. 

Um ehrlich zu sein habe ich keine Angst vor der Zukunft, ich habe Angst vor meinem Schicksal.
Angst davor Hürden meistern zu müssen, die nicht in meinem Maße liegen. Ich habe Angst, das alles nicht zu schaffen. Wahrscheinlich sitzt ihr gerade alle da und schüttelt einfach den Kopf. Dabei denkt ihr nur ganz kurz diesen kleinen aber doch so bedeutenden Satz: "Mensch Lee, warte erstmal ab vielleicht wird dein Zukunft ja blendend und alles läuft wie in einem dieser schlechten Teenie - Lovestory - Filme, bei diesen man schon zu beginn des Films weiß, dieses eine Mädchen verliebt sich unsterblich und am Ende wird alles gut. Aber hat sich jemals von euch jemand gefragt was passiert wäre wenn der Schuh nicht an den Fuß des Dorfmädchens gepasst hätte. Wie wäre die ganze, verdammte Geschichte dann für die ausgegangen? Das weiß keiner, weil sich niemand die Mühe macht etwas zu hinterfragen was scheinbar nicht zum Sachverhalt passt. Aber was wen genau wir dieses Arme Dorfmädchen sind? Wenn wir Tage, Wochen, Monate, Jahre und vielleicht auch unser ganzes Leben immer und immer wieder so Naiv sind und darauf warten das uns irgendein dummer, war los daher gelaufener Königssohn aus unserem Elend befreit und uns ein Leben wie im Bilderbuch offenbart. So und wenn dieser Prinz nicht kommt, dann warten wir bis wir alt sind und irgendwann an diesem Elend einfach drauf gehen. Wir arbeiten Täglich auf etwas hin. Jeden Tag wieder ein neues Ziel. Die Aubildung schaffen, das Studium schaffen, den Schulabschluss schaffen, Geld verdienen, Häuser bauen, Kinder kriegen, Enkelklinder bespaßen und irgendwann einfach seelenruhig einschlafen. Wir wollen immer irgendein Ziel erreichen. Aber was zur Hölle, sollen wir tun wenn irgendwas nicht nach plan läuft? Wenn wir nicht die große Liebe finden und mit diesem Menschen 168693638273920 Milliarden Kinder und Glückshormone produzieren? Dann verfällt diese ganze Kette an wohl logischen und gut aneinander gereihten Zielen zu einem Hauch aus...

NICHTS. 

Richtig da sind wir wieder bei meinem Lieblingswort. Dem guten alten Nichts. In meinem Leben habe ich dieses Wort schon für so viele Dinge, Situationen, Umschreibungen, Gefühle und sonnstige Wortgebräuche benutzt und trotz allem werde ich einfach nicht müde es zu benutzen. Dabei ist dieses Wort so surreal. Man kann nicht nichts tun. Oder nichts fühlen. Oder ein Nichts sein. 
Wen wir sagen, das wir nichts tun - dann meinen wir doch eigentlich nur das wir etwas tun was für jemand anderen belanglos erscheint. Wenn wir sagen das wir nichts fühlen - dann meinen wir doch eigentlich nur das wir uns in einer solchen Gefühlslage befinden das es kaum noch möglich ist all diese Gefühle und Basisemotionen auseinander zu sortieren um sie daraufhin fein säuberlich, sortiert und geordnet, erklären zu können. Aber wenn es etwas gibt was mich gerade sehr wütend auf mich selbst mancht, dann die Tatsache das ich in meinem Leben schon viel zu häufig dachte:

ICH WÄRE EIN NICHTS. 

Oftmals fühle ich mich so klein und bedeutungslos in dieser Welt das ich mir denke ich wäre ein Nichts aber was ich damit wirklich meine ist, das ich kleiner bin als diese Welt. Kleiner als irgendein Politiker oder der Bänker in seinem schicken Anzug. Kleiner als die Ärzte in der Notaufnahme die an diesem Tag schon mehrfach bewiesen haben, was es bedeutet ein Held zu sein. Ich fühle mich kleiner als ein dreihjähriges Kind das mich fragt ob Sterne eigentlich auch verreisen können, und ich fühle mich kleiner als meine Lehrerin, die jeden Tag aufs neue unter Beweis stellt, das Lehrer nicht nur irgendwelche Menschen sind die versuchen uns wissen in unseren halbzermalmten Schädel zu prügeln. Sie ist der Beweis das Lehrer noch Menschen sind (wenn sie auch eine der wenigen Ausnahmen ist). Aber nur weil ich mich kleiner fühle, bedeutet das nicht das Ich nichts bin. 
Hierzu mal eine kleine Überlegung. Ich bin vor ein paar Tagen über eine Frage gestolpert die mich sehr zum nachdenken brachte, sie lautet: 

"Würdest du für Millionen von Euro deine Arme und Beine verkaufen?"

Nein! Niemals. Denn was ist ein freier Mensch, ohne die Freiheit dorthin zu gehen, wohin ihn sein Weg trägt. (Auch wenn es da natürlich auch Maßnahmen gibt) Jedoch bin ich mir dafür einfach zu viel Wert. Und ich weiß nicht genau, was da in diesem Moment, in meinem Kopf einen KLICK Ton von sich gab, aber ich habe etwas Verstanden. Wenn wir uns selbst noch so viel Wert sind das wir nichts von uns her geben würden, wieso tun wir dann tagtäglich alles dafür um genau so zu enden. Wir verkaufen unser Leben und unsere Lebenszeit tagein und tagaus, jeden Morgen wieder, an etwas das sich diesen Preis garnicht verdient. An eine Krankheit die uns keine Lebensqualität schenkt, sondern uns jegliche Chance auf ein gutes Leben raubt. Wir sind nicht Nichts - wir sind sehr viel mehr als wir manchmal denken. Und wir sind größer als wir denken. Alles beginnt mit einem Herzen in unserer Brust das jeden Tag über 100.000 mal schlägt. Wir halten uns, wie selbstverständlich, ganz unbewusst am Leben. Es fließt Blut durch unsere Adern. Wir können Denken. Uns Dinge merken. Sachen dazu lernen. Erinnerungen abspeichern. Telefonnummern Auswendig lernen und eine unglaublich große Zahl an Worten benutzen und noch etliche mehr in unseren Wortschatz aufnehmen. Wir können eine Vielzahl an sprachen sprechen und die kompliziertesten Gleichungen lösen. Wir schaffen es mit dem was wir tun, das Leben eines anderen Menschen zu beeinflussen. Jede unserer Entscheidungen hat Gewicht. Also warum geben wir uns so viel Mühe unser Gewicht zu verlieren. Anstelle dem Leben mehr Gewichtung zu zusprechen. 

Ja, Ich fühle mich manchmal klein wenn ich sehe was andere Leisten und welche Wunder jeder Mensch den ich kenne, Tagtäglich aufs neue vollbringt. Aber machen wir uns nicht kleiner als wir sind. Ich bringe jeden Tag Kindern bei wie man lebt. Versuche sie bestmöglich auf das große Leben vorzubereiten. Bringe sie zum lachen, trockne Tränen, Unterstütze und Staune immer wieder aufs neue. Ich beantworte fragen und stelle genau so häufig welche. Ich bin kreativ, tanze im Regen, Baue Schlösser aus Sand, muss gute und schlechte Nachrichten übermitteln. Ich rette jeden Tag aufs neue ein Kind, indem ich ihm Aufmerksamkeit schenke und zuhöre, wenn Worte gesprochen werden. Manchmal bin ich nur eine kleine Erzieherin, aber meistens bin ich jeden Tag aufs neue ein Wunder für die Kleinen Menschen unserer Zukunft. Und genau diese Tatsache, nimmt mir meine Angst vor allem was kommen Mag, weil ich weiß, jeden Morgen wenn ich zur Arbeit gehe, habe ich die Chance etwas zu verändern. Und dazu muss ich nicht einmal einen Appell an irgendwelche Bankmenschen in ihren schicken Anzügen halten. Wir fangen da an, wo die Zukunft entsteht. Wir lenken unsere Bankmenschen, Bauarbeiter, Kauffrauen, Künstler, Ärzte, Fahrlehrer und so viele mehr in eine Richtung die von unseren Werten abhängt. Jeder von uns vollbringt sein kleines Wunder, und es fängt damit an das wir etwas tun. Und solange wir etwas tun, egal was es auch sein mag, sind wir nicht nur ein Wunder, wir verbringen auch wahre Wunder. 















Kommentare:

  1. Wunderwundervoll wahre Worte, meine kleine große Lee. ❤

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  2. Unglaublich schön geschrieben.
    Und ich kann nur einmal mehr anmerken, wie sehr ich mich in deinen Worten wiederfinde.

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  3. Hey Lee,
    vielen Dank für deine Worte <3 Es hat mich so gefreut sie zu lesen.
    Ich finde deinen Text wunderschön und so wahr. Du kannst wirklich schön schreiben ♥

    Ich umarme dich zurück <3

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  4. ,,the princess saves herself in this one '' ist sowohl ein gutes Buch, als auch ein guter Spruch. Ich hoffe du kannst an jedem schlechten tag genug kraft aufbringen, um dir selbst einbisschen liebe zu geben. und ich hoffe du weißt, das obwohl wir uns nicht wirklich kennen, ich mich immer freue von dir zu hören. deine schönen Worte zu lesen. Dieser Text hier auf deinem Blog, das was ich nie in Worte fassen konnte, hast du unglaublich gut gemacht. Danke <3

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  5. Ich kenne die Angst vor der Zukunft sehr gut! Und ich glaube, vielen anderen geht es ähnlich. Und ich habe mich auch immer gefragt, was nach dem "Happy End" passiert... Da ist ja dann noch so viel Leben übrig! hm. Weißt Du was? Du bist so groß in Deinen Texten. ♥

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