Sonntag, 21. Mai 2017

»330«

Wiedersehen. Wiedergeben. Wieder gehen. Es ist Samstag, nach einem langen Tag mit meinem Ehrenamt war ich sehr müde und fertig. Das Auto fahren war anstrengend und ich konnte mich kaum konzentrieren. Immer wieder heulte mein Motor laut auf weil ich einen Fehler machte. Mein Weg brachte mich zu einem Ort an dem ich seit Jahren nicht mehr war. Zu ihren Zuhause. Ein paar knappe Worte in eine sprachnachricht klärten ob ich richtig war oder nicht. Dann lief sie um die Ecke. Die Haare schulterlang und hellblond. Wieder so wie früher. So wie ich sie geliebt habe. Ich winke ihr durch die geschlossene Fensterscheibe hindurch und sie lächelt mich an. Alles kribbelt. Ich fühlte mich wie ein Junkie der seine Lieblingsdroge nach Jahren des Entzuges wieder einnahm. Sie öffnete langsam die Tür und stieg ein. "Ja du bist richtig." sagte sie mit einem Lächeln im Gesicht. Auch ich begann zu lächeln. Dann startete ich den Motor und drehte die Musik leiser. Auf dem Weg zum Parkplatz haben wir viel geredet. Über das jetzt und hier. Über die Gegenwart. Nicht die Vergangenheit. Und irgendwie war das, das beste was passieren konnte. Mein Herz wollte keine Gespräche über früher sprechen. Nicht über schmerzen nachdenken. Nur einen Moment nicht. Ich wollte einfach nur genossen das es sich anfühlt als wäre sie wieder mir. Als hätte ich sie nie verloren. Parkplatz gefunden. Eingeparkt. Ausgestiegen. 

Wir schlendern durch die Gassen der Kleinstadt und ich bewundere das sich manche Dinge doch niemals verändern. Die Bars, Cafés, Restaurants, Einkaufsläden.. alles ist gleich. Noch genau so wie früher. Schon seit ich ein Kind bin, gehe ich durch diese Straßen auf der Suche nach kleinen und großen wundern. Aber erst heute schien ich mein Wunder zum aller ersten Mal gefunden zu haben. Sie redet sehr viel und ich liebe es noch immer ihr beim Reden zu zuhören. Der Klang ihrer Stimme zu lauschen. Ganz und gar in ihrer eigenen, kleinen Melidie zu versinken. Ich habe es immer schon geliebt. Der Abend verlief gut. Zwei Kaffes tranken wir und aßen eine Kleinigkeit gemeinsam. "Ich hab dich so lange nichts mehr essen sehen. Kurze Zeit dachte ich du würdest garnichts mehr essen." entflohen die Worte ihrem Mund. Ich musste schlucken.. 
Das war unmöglich. Sie konnte das nicht wissen. Sie konnte das nicht all die Zeit über geahnt haben und mich trotzdem so schlecht behandelt haben. Das war nicht möglich. Das könnte nicht sein. Ihre Worte schnitten mein Herz entzwei. Ich glaubte an das Gute im Menschen und das die Welt ein grausamer Ort mit vielen solcher guten Menschen ist. Doch jeder trägt eine Maske und ein Gesicht darunter das Lebensspuren auf sich trägt. Jeder von uns. 

Meine Lebensspuren sind nicht unbedingt schwer zu erkennen. Ich trage sie nicht nur im Gesicht sondern auf meinem gesamten Körper. Er ist verziert mit kleinen und großen Narben. Eine kleine an der Hand, vom vielen übergeben beispielsweise. Oder die an meinem Finger als ich ihn mir brach. Die an meinen Armen und Beinen sind großer und wohlmöglivh mein schlimmster Fehler. Doch mittlerweile habe ich sie mit meinem schönsten Geschenk, drei whnderbaren Tattoo, etwas verändert. 
Ich habe Narben auf den Beinen. Aber wisst ihr was die schlimmsten Narben sind? 

Die Narben die auf meinem Herzen und auf meiner Seele ruhen. Die niemals ganz verheilt sind und immer noch immer wieder aufplatzen und vereitern. Es bildet sich Kruste und gerade dann wenn ich denke es ist alles ganz okay verheilt dann platzt die Narbe wieder auf und das Blut schießt hervor. Kein Organ dieser Welt scheint mehr auszuhalten als unser Herz und trotzdem fühlt sich meines so an als würde es jeden Tag aufs neue brechen. 
Genau so wie sie mir mein Herz brach. 

Wisst ihr was das Problem an Drogen ist? Sie lassen dich die Realtität verdrängen. Aber am nächsten morgen werden die Narben noch immer da sein, sie werden weiterhin weh tun, sie werden nicht verheilen. Genau so wie, die Erinnerungen an Cii niemals verheilen wird. Der Tag mit ihr war schön aber die Wunden die sie wieder aufgerissen hat nur mit der Art wie sie sich bewegt und wie sie riecht, reichen aus um mich zum verbluten zu bringen. Die Herznarben sie bluten und sie hören nicht mehr auf. Sie eigentlich nicht. Sie sind frisch, wie an jedem Tag an diesem sie mir das Messer in die Brust stieß und mich zerstörte. 
Das Problem an Drogen ist, du liebst sie obwohl sie dich zerstören. Und SIE scheint bislang einer meiner stärksten Droge zu sein. 




Kommentare:

  1. Liebe Lee,

    einmal mehr sagen deine Worte so viel mehr als es auf den ersten Blick scheint und dieser unfassbare Trauer und der Schmerz, die dahinter liegen, lassen mich diese Welt als so viel ungerechter erscheinen als normalerweise.

    Dass ein einziger Mensch so viel Macht über einen hat, ist schrecklich. Ganz besonders dann, wenn man sich dadurch noch schlechter fühlt. Das Schlimme mit der Abhängigkeit ist, dass wir irgendwann an einen Punkt gelangen, an dem wir wissen, es ist nicht gut für uns und dass wir uns von dem, was uns schadet, trennen müssen. Dieser Schritt ist oft schwer zu gehen.
    Aber:
    Sind kleine Momente des Glücks es wert, wenn wir doch wissen, dass wir noch tiefer fallen werden? Sollten wir nicht lieber darauf hin arbeiten, immer das zu tun, was gut für uns ist? Manchmal ist es klüger, das Band durchzuschneiden, statt zögerlich daran zu ziehen und drauf zu warten, dass es reißt. Manchmal muss man fallen, bevor man fliegen kann.

    Du bist es wert, dich mit Menschen zu umgeben, die dir gut tun. Und zwar immer und nicht nur für einen Moment. Du bist es wert, geliebt zu werden und aufgebaut zu werden, denn du bist ein ganz wundervoller Mensch, der schon viel zu viele Kriege kämpfen musste. Kriege, die nicht durch deine Hand entstanden sind.

    Ich schicke dir ganz viel Kraft und Liebe,
    deine Alice ♥

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  2. Wie habe ich es in irgendeinem Song gehört? "Love is violent". In gewisser Weise stimmt das wohl. Ich habe dasselbe gemacht: Mich nach Jahren wieder mit "ihr" getroffen. Und jetzt ist seit Monaten schon wieder alles kompliziert. Es ist so schwer, sich von jemandem zu lösen, die zugleich liebevoll und grausam zu einem ist. Ich würde Dir sagen: Verabschiede Dich so schnell Du kannst von ihr!, wenn ich nicht selber wüsste, dass das so einfach nicht funktioniert. :( Ich wünschte, ich würde selbst schon nicht mehr in meiner Situation stecken und könnte Dir einen besseren Rat geben. Ich wünsche Dir nur viel viel Kraft, da durch zu kommen. Und wenn Du es geschafft hast, sag mir gerne wie. ;) Oder umgekehrt.
    Glitzer ♥
    Lucia

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