Donnerstag, 1. September 2016

»320«

Ich kann es fühlen. Mit jeder Sekunde bröckelt ein Stück von dem ab was sie vor zwei Jahren gerettet hat. Das Mädchen, das ich geworden war. Ist in den letzten Wochen gestorben. Innerlich Tod. Sie weiß nicht mehr wem sie noch glauben kann. Die welt hat sie verunsichert. Sie weiß nicht wem sie noch vertrauen kann. Sie stirbt. Tag für Tag. Sekunde um Sekunde. Es geht zuende. Der einzige Mensch von dem sie gehofft hatte das er sie niemals verletzen würde, rammte ihr ein Messer in den Rücken. Vorsichtig. Behutsam. Aus dem Schatten heraus. Und es hat sie überfallen. In der ersten Sekunde und in jeder folgenden. Sie verlor ihr Vertrauen. In jeden Menschen auf diesem Planeten. Und dann verlor sie sich selbst. Zwischen all den Dingen die sie zerstören könnte und sie zeitgleich wiederbelebten. 

»Losing you was my biggest fear.«

Du sagst Sachen über Loyalität und kannst das Wort selbst noch nicht einmal buchstabieren. Geschweige denn beschreiben was es bedeutet.

Und was am aller meisten schmerzt es zu wissen das du genau wie Sie gehandelt hast. Das du mich verlassen würdest wenn es kompliziert wird. Und dabei hatte ich, naiv wie ich bin, geglaubt das du der einzige Mensch bist der bis an mein Lebensende an meiner Seite stehen würde. Du sagst das du mich nicht aus diesem Loch holen kannst sondern mir nur die Hand reichen kannst. 

Und ich habe die letzten zwei Jahre damit verbracht mir tagtäglich Sorgen um dich zu machen. Bei jeder Kleinigkeit habe ich dich mit Samthandschuhen angefasst und mit dir zusammen einen Weg aus dem Labyrinth gesucht. Ich bin für dich in dein kleines Loch gesprungen und habe dich raus geholt. Habe eine Leiter gebaut und dich hinauf getragen. Bin Stück für Stück jeden Tag meine Kraft los geworden. Habe mich nur auf dich fixiert. 

Doch war das ein Fehler? 

Ich bereue die letzten Jahre nicht. Keine Sekunde mit dir. Außer vereinzelt ein paar Momente in denen du mich enttäuscht  hast. Mittlerweile allerdings spielt mein Kopf Memory. Ich deke immer wieder eine weitere Karte auf und begreife das sie zu einer vorhergehenden passt. 
Doch will es nicht wahrhaben, weil ich an das Gute im Menschen glaube. 

Und es macht mich traurig. Es treibt mir tagtäglich seit Wochen Tränen in die Augen und Schmerz in mein Herz. Da wo ich dich hinein gelassen habe. 

Ich hatte mir geschworen niemals wieder jemanden an mich ran zu lassen. Und trotzdem habe ich meine oberste Regel für dich gebrochen. Das ist das was mich verletzt. Ich habe dir vertraut. Habe gehofft das du mich nicht kaputt machst. Habe gehofft wir beide, wir wären unkaputtbar. Doch ich weiß nicht mehr was ich glaube soll. Ob ich dir glauben soll. Oder dem Rest der Welt. Stelle alle deine Worte infrage. Stelle alles was du tust infrage. Stelle mich selbst und das Leben und die Welt infrage. 

Und ich weiß nicht ob ich will das alles so wird wie früher oder ob ich stark genug bin um weiter zu gehen. 

»Blebe ich stehen oder springe ich? Das was du denkst bin ich nicht.«

Aber was bist du. Wer bist du? Was bist du für mich? Du warst mein alles. Mein Kryptonit. Der Mensch über den ich neben M. noch in 50 Jahren reden werde. Aber was wenn alles nicht das war, was du gebrauchen konntest. 
Was wenn alles nicht das ist, was ich für dich bin. 

Was bin ich überhaupt für dich? 
Und was bist du noch für mich? 

01.09.2016 
Mein Dad - "Über meine Funktionstüchtigkeit"