Sonntag, 17. Januar 2016

»300«

Über Alkohol, Sex, Probleme und die erloschene Angst vor dem Tod.

Samstag Nacht. Nachdem ich zuerst mit T. rumgeknutscht habe.. (Schon wieder!) 

Ging so einiges schief..

Alkohol betäubt und vernebelt und hebt meine Prinzipien auf. Zu viel Tequila fließt durch meinen Körper. Mir ist schlecht. Also Stolpere ich die Treppe herunter, dicht gefolgt von T. und ihrem Freund.
Ich setze mich auf den Boden und T. sucht verzweifelt irgendwo einen Haargummi während ich in die Kloschüssel starre. Ihr Freund entschuldigt sich dafür das ich zu viel Getrunken habe, das ist irgendwie voll lieb aber gibt keinen Sinn. Irgendwann knotet sie mir die Haare zusammen und Fragt mich ob mir schlecht sei. Ich nicke. 
"Lasst ihr mich bitte kurz alleine?" sage ich unbestimmt in irgendeine Richtung.
"Nein." sagt T.'s Freund. Sie nimmt ihn an der Hand. "Wenn sie kurz alleine sein will ist das okay." sagt sie und brennt mir mit ihren Augen ein Loch in den Rücken. 
"wir warten vor der Tür, wenn was ist dann sind wir da!" Danke sage ich noch bevor ich hören kann, wie die Tür ins Schloss klickt. Ich stehe auf und schließe ab. Übergebe mich und alles ist wieder gut. Hände waschen. Zähne putzen. Tür wieder auf. "Ihr habt ja echt gewartet." sage ich mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. 

Auch du bist dazu gestoßen und hast auf der Treppe gewartet. Also gehen wir zu viert wieder hoch. 

Ein paar Stunden später. In der wieder neuer Tequila in unseren Köpern gelandet ist liege ich in deinem Arm und weine. Wegen M. und L. und meiner Mom und all den ganzen Dingen. Irgendwann schweigen wir und ich liege einfach so da. T. kommt rüber "Oh Scheisse" höre ich sie noch sagen und dann sitzt sie schon auf meinem Schoß und redet warme, liebe Worte vor sich hin. 
Sie treffen mein kaltes Herz und streichen die Pläne, die mein Kopf in den letzten Wochen geschmiedet hat wieder etwas aus dem Vordergrund. Immer wieder nimmt sie mich in den Arm und einmal höre ich wie sie dich leise fragt was los ist. Du sagst es ihr. Daraufhin reißt sie sich aus meiner Umarmung raus und sagt "schau mich an." Ich schüttelte mit dem Kopf. "Was hast du vor?" und dann kriegt sie zum ersten Mal mit wie verzweifelt ich bin. "ich kann nicht mehr und ich hab keine Kraft mehr und eigentlich will ich auch garnicht mehr." 

Noch immer sehe ich auf ihre Oberschenkel die meine eigenen etwas verdecken. Sie trägt eine hellblaue Jeans mit Löchern an den Knien. 
"Schau mich an. Lena! Schau mich an!" 
Ich sehe weg. Sie hält mein Gesicht vorsichtig zwischen ihren Händen. Irgendwann drückt sie mein Kinn nach oben, sodass ich sie ansehen muss. 

"Ich brauche dich Lena! Ich brauche dich wirklich, du bist meine kleine Schwester, wir sind eine Familie. Du darfst mich nicht alleine lassen. Du bist mir wichtig und ich kann nicht leben ohne dich! Wirklich nicht. Das wär kein Leben." 
Diese und noch so viele andere Worte fließen aus ihrem Mund heraus.

Irgendwann komme ich zu dem Entschluss einfach das Wort Tequila in den Raum zu werfen und siehe da, funktioniert. 

Irgendwann geht T. zu ihrem Freund rüber und legt sich schlafen. 
Da waren es Nurnoch wir zwei. 
Plötzlich geht alles ganz schnell. Ich sitze auf deinem Schoß und du küsst mich. Immer wieder. Irgendwie fordernd. 
"Wir können das nicht tun! Du hast eine Freundin." sage ich zwischen einigen Atemzügen. "Sie wird es nie erfahren." sagst du bestimmt und blickst mir in die Augen. Ich schüttele den Kopf. Du legst deine Lippen erneut auf meine und ziehst mich näher an dich. Und dann gebe ich nach. Und wir schlafen miteinander. 
Und das obwohl ich dich nicht einmal liebe. 



Am nächsten Morgen ist alles komisch. 
Ich will dich nicht mehr berühren oder von dir berührt werden. Es fühlt sich falsch an. Das alles ist so falsch. Das hätte nie passieren dürfen. 

Nach einem Kaffee gehe ich auf den Geburtstag meiner Cousine und Sitze bis Mittags dort. Während mein Kopf hohl dreht. Ich rechne und rechne und rechne. 
Scheisse. Also sitze ich da und warte bis mein Dad mich abholt. 

Eine halbe Stunde später irre ich durch die Stadt mit Tränen in den Augen und auf der Suche nach einer Apotheke die auch Sonntags geöffnet hat. Nach langem Suchen, finde ich eine und betrete den Laden. Der Apotheker schaut mich verwirrt an. Ich stehe da mit komplett verlaufener Schminke und Tränen im Gesicht. 
"Ich bräuchte die Pille danach." sage ich leise, fast flüsternd. 

Der Apotheker sieht mich forschend an und dreht sich dann von mir weg, um in den Schränken herum zu kramen. 
Er kommt mit einer Lilanen Packung wieder und scannt sie in die Kasse ein. 
"32€ macht das dann." sagt er mit dunkler stimme. 
"Okay" sage ich und öffne meinen Geldbeutel um ihm das Geld zu geben. Noch immer laufen Tränen über meine Wangen. Ich reiche ihm das Geld und er sieht mich wieder an. "Geht es Ihnen gut?" fragt er mich.

Mein ganzer Körper zittert. Ich habe einfach nur Angst. Fürchterliche Angst. 
"Ja. Muss ich noch irgendwas beachten?" Frage ich und zeige auf die Tablettenschachtel. 
"Am besten jetzt mit einem Schluck Wasser einnehmen." sagt er.
Ich bedanke mich und verlasse die Apotheke.

Ein paar Meter weiter bleibe ich stehen und Sacke auf dem Bordstein zusammen. Gehirn ausschalten. Schachtel öffnen. Wasser aus der Tasche nehmen. Tablette in den Mund. Schlucken. Vorbei. 

Meine Kopfhörer sind lauter als die Realtität. Sie spülen das letze bisschen Angst für einen Augenblick davon. 
Bis sie wieder zurückkehrt und sich durch meine Knochen und meinen gesamten Körper frisst. Sie lähmt. 
Macht taub. 

Etwas später holt F. mich am Bahnhof ab und wir fahren zum Konzert. Die Laute Musik, die Leute, all das lenkt ab und macht für ein paar Stunden vergessen.
Es war ein schöner Abend.

In den Tagen nach diesem Wochenende geht es mir schlecht. Wirklich schlecht. Seit langem einmal wieder. Ich liege in meinem Bett. Sehe keinen Sinn mehr. Weine den ganzen Tag. Habe keine Kraft für irgendetwas. Und zu allem übel kommt auch noch L.'s Todestag dazu. Der mir ohnehin seit Wochen Angst macht. 

Alles in allem waren die letzten Wochen nicht wirklich das was ich mir von meinem "Happy New Year" gewünscht habe. Ich habe sie überlebt, all diese Tage. Aber nur schleppend. Mit viel Mühe. So langsam geht mir die Kraft aus. 

Ich kann nicht mehr essen. Weine mich jeden Abend in den Schlaf, wenn ich denn überhaupt schlafen kann ohne Tabletten. In der Schule rede ich fast nicht mehr und wenn dann nur unnützes Zeug. Je leiser ich werde, desto mehr geht in meinem Kopf vor. 



Der einzige Mensch der im Moment Priorität hat ist T. Denn sie geht ab dem 10.02 in eine Klinik. Ich freue mich so für sie aber ich habe auch panische Angst. Angst das sie mich vergisst. Angst davor diesen Feburar 'alleine' zu sein. Angst davor die Zeit ohne sie nicht zu überleben. Denn um ehrlich zu sein, ist T. der einzige Grund wieso ich noch hier sitze und mir nicht schon die Pulsadern aufgeschnitten habe oder mich vor den nächstbesten Zug geworfen habe. 
Sie ist und bleibt mein Lebensrettermensch. 
Aber ich habe Angst, das sie es eines Tages satt haben wird mich zu retten.





Kommentare:

  1. Oh Liebes..... :(
    Ich bin für dich da, wenn du jemanden brauchst!
    Fühl dich ganz ganz lieb umarmt und geknuddelt <3

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  2. Das klingt voll krass aber mir passiert oft zur gleichen Zeit das gleiche wie dir.. Du schaffst das. Stay strong<3

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    1. Darf ich fragen wie du heißt?
      Ich Rätsel schon so lange wer du bist :(
      Ich hoffe dir geht es mit dem erlebten besser als mir..
      Geht es dir soweit gut?
      Was macht dein Leben?
      Ich drücke dich!
      Alles liebe,
      Deine Lee

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    2. Oh man ich bin nicht die anonyme die du mal erwähnt hast ich hab heute zum ersten mal was kommentiert obwohl ich deinen Blog schon ewig verfolge. Ich heisse Kim falls dich das interessiert.
      Mir gehts nicht wirklich gut bin kurz davor mich einweisen zu lassen aber naja wird schon.
      Xoxo

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    3. Oh, dann entschuldige ich mich dafür liebe Kim!
      Darf ich fragen warum es dir so schlecht geht?
      Ich schicke dir ganz viel Kraft und Stärke!
      Alles Liebe,
      Lee

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  3. ach du scheiße :( ich drücke dir die daumen, dass es einigermaßen alles klappt.

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