Dienstag, 10. November 2015

»295« [Ein Jahr später!]

Heute vor genau 365 Tagen habe ich dich verlassen. Habe dich mit deinem Schicksal und deiner Einsamkeit alleine gelassen. Vielleicht war es die beste Entscheidung die ich je getroffen habe, vielleicht auch nicht. Aber, ich hab sie getroffen. Als ich am 10.11.2014 in einer Nacht und Nebel Aktion beschloss meine Sachen für immer zu packen, hast du mir ein paar letzte Worte mit auf den Weg gegeben die mich noch heute das ein oder andere mal zerstören. So wie jetzt beispielsweise. Worte, noch viel schwärzer als deine Seele. Manchmal ist es schwer die Vergangenheit hinter sich zurück zu lassen und nach vorne zu Blicken. Vor allem dann wenn alles was du siehst aus tiefschwarzer Angst besteht. Und diese Angst die lähmt dich. Sie nagelt dich fest. Genau an dem Punkt, an diesem du stehst. Wenn du beschließt stehen zu bleiben. Es ist so als würde jemand Treibsand unter deinen Füßen aufgießen um dich gnadenlos darin versickern zu lassen. 
Oft habe ich mir gewünscht ich könnte einfach stehen bleiben. Einfach warten. Solange bis alles an mir vorbei gezogen ist und all das verblasst. Zu einer grauen, klaren Masse aus nichts. Damit all deine grausamen Worte und Taten zu dem werden was sie sind. Ein schwarz - grauer Sumpf aus Verachtung. Ein ekelhaftes Meer aus Hass, Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung und jede Menge Gewalt. 

Doch dann kam dieser eine Tag in meinem Leben. Der Tag an dem ich zum ersten Mal ein paar Tropfen Lösungsmittel in eben dieses Meer gab. 
Zu Beginn sah man nicht viel von den Auswirkungen meiner Entscheidungen. Aber mit der Zeit wurde die Oberfläche immer mehr durchbrochen. Lücken entstanden. Lücken durch die viele Teile meiner selbst etwas entfliehen konnte um zu mir zurück zu finden. Noch heute gibt es stellenweise schwarze Stellen in den Tiefen meines eigenen kleinen Ozeans aber es wird überschaubarer. 
Manche Dinge kann man nicht vergessen. Deine Worte. Deine Taten. Deine Verachtung, deinem eigenen Kind gegenüber. Dein Hass. Das was du in mir zerstört hast. Das sind Dinge die Zeit brauchen um erneut zusammen zu wachsen. Manche Lücken werden sich wohl oder übel auch niemals mehr füllen lassen. Aber ich versuche die Anzahl der Schwarzanteile in mir so klein wie möglich zu halten. Oft fällt es mir schwer. Gerade in Momenten wie jetzt. Wenn ich mich mit dir und deinem Wesen auseinandersetzen muss. Wenn ich dein Name, mehrfach dunkel und kühl in meinem Ohr erklingt. Oder wenn ich Bilder von mir sehe, die du in mich und meine Seele hinein gebrannt hast.
 Manchmal ist es so als würde ich bestimmte Situationen noch einmal durchleben und mir immer wieder dabei zusehen wie mehr und mehr, Stück für Stück ein kleines Bisschen von mir stirbt. 
Aber dann wird mir bewusst das der Anteil, der überlebt hat viel größer ist als all die Teile die du zertrümmert hast. Sie sind zwar ein Teil von mir aber sie machen mich nicht mehr aus. Du bist nicht mehr der Mensch, der bestimmt wie und was ich bin. Welche Dinge ich mag und was ich hasse. Ich kann meine eigene Meinung vertreten (auch wenn mir das noch viel zu oft schwer fällt)! Ich kann selbst entscheiden mit wem ich befreundet bin und wer Teil meines Lebens ist und nicht wen du für gut empfindest. Ich kann endlich selbst über mich entscheiden. 

Ich glaube nur wenige Menschen verstehen wie es ist Jahrelang mit einem Menschen zusammen zu leben und seelisch und körperlich von einem Menschen abhängig zu sein der einen im Prinzip Tag für Tag tötet. Jeden Tag ein Stückchen mehr. Wer weiß wie es ist von seiner eigenen Mutter Seelisch erpresst zu werden? Wer weiß wie es ist wenn man sich überall sicherer fühl als in den eigenen vier Wänden. Wer weiß wie es ist wenn man nachts Angst hat zu schlafen weil man nicht weiß wie die Person mit der man zusammen lebt in dieser Nacht ihre Wut und ihren Hass auf das einzige lebendige und somit auch zerstörbare “Utensil” kompensieren wird. Wer weiß wie es ist wenn man gezwungen ist die Meinung eines anderen Mensch zu übernehmen, aus Angst das man besagten Menschen sonnst zu einem weiteren Wutausbruch geleiten könnte. Wer weiß wie es ist wenn die eigene Mutter einen Tag für Tag, Jahr für Jahr terrorisiert. Wenn sie einem einredet man sein nichts wert und unwichtig und nutzlos und einfach nur eine elendige Last? Wer weiß wie es ist gnadenlos in’s Gesicht gespukt zu bekommen? Oder so lange Fäusteregen zu ertragen bis man sich so unfassbar klein fühlt? Kleiner als ein Buchtabe auf einer Weltkarte? Wer weiß wie es ist schon als Kind immer wieder in der Notaufnahme zu sitzen weil unzählige Körperteile in Mitleidenschaft gezogen wurden? Wer weiß wie so ein Leben ist? Ich hoffe niemand, aber ich glaube dieses denken wäre egoistisch. Und das war ich noch nie.. 

Es ist unglaublich das ein einfacher Umzug so viel in meinem Leben verändert hat. Zum ersten Mal seit Jahren habe ich so etwas wie ein wirkliches Zuhause. Da wo man sich willkommen fühlen kann und gelegentlich abschalten kann. Seit Jahren kann ich einigermaßen gut schlafen auch wenn meine Mutter mich noch viel zu oft in meinen Träumen besucht um mir still und leise verstehen zu geben, das sie mich niemals ganz gehen lassen wird. Seit Jahren habe ich in einem Schuljahr weniger als 10 Tage im Unterricht gefehlt weil es keinen Grund gab 3,4,5 Tage nicht zum Unterricht gehen zu können weil der eigene Körper nicht fähig war das Haus zu verlassen. Seit Jahren gibt es niemanden der einen nachts in irgendeinem Raum einsperrt oder Dinge Nach einem wirft. Seit Jahren habe ich zum ersten Mal das Recht darauf ich selbst zu sein und das auch sein zu dürfen. 

Der Tag heute ist nicht einfach. Er ist geprägt von vielen Dingen die mich tief im Inneren zum erfrieren bringen aber es ist auch einer der schönsten Tage in meinem Leben. Mein Persönlicher Tag der selbsterkämpften Freiheit. 
Und für nichts auf dieser Welt werde ich diese Freiheit jemals wieder hergeben.

Kommentare:

  1. Ich verstehe so gut, wie du dich damals gefühlt haben muss... Und das sage ich auch nur aus einem Grund, nämlich; du bist nicht alleine damit!
    Du hast schon so viel durchgemacht, aber du bist so ein starker Mensch. Du bist stark und du kannst das überstehen, vergiss das bitte nicht.
    Ich hab dich lieb! ♥

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  2. Kann man dir eine Mail schreiben ?
    Lg
    Unbekannte Person wo du am 6.11 ein Kommentar hinterlassen hast

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    1. Klar, meine Mail ist: Littlebrokengirl2@gmail.com
      Melde dich bitte süße! ❤️
      Du fehlst mir :(

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