Montag, 16. November 2015

»296«

Verdammt, Ich hab noch so viel vor.

Ich will leben. 
Ich will Dinge erleben. 
Ich will frei sein. 
Ich will mich betrinken, gnadenlos.
Ich will Drogen nehmen.
Ich will verreisen.
Ich will rumknutschen.
Ich will laut und von Herzen lachen.
Ich will tun was ich will.
Ich will Auto fahren und zur Musik mitgröhlen.
Ich will Fallschirmspringen.
Ich will in ein Schwimmbad einbrechen und vom 5er Springen.
Ich will mit dem Motorrad über die Autobahn rasen.
Ich will nur mit einem Rucksack durch ein komplettes Land wandern.
Ich will fremde Sprachen und Kulturen kennen lernen.
Ich will mit dir um die Wette rennen.
Ich will Polarid - Foto's machen.
Ich will Erinnerungen sammeln.
Ich will jung sein.
Jung und dumm und leichtsinnig und losgelöst.
Ich will niemals aufgeben.
Ich will träumen und träume verwirklichen.
Ich will durch die Nacht schreien.
Ich will in Clubs gehen und abspasten.
Ich will loslegen. 
Loslegen mit dem großen Leben.
Ich will mich verlieben und geliebt werden.
Ich will die dunklen Jahre vergessen.
Ich will Spaß haben.
Ich will Achterbahn fahren.
Ich will Menschen kennen lernen.
Ich will erzählen. Von vergangenen Zeiten.
Ich will vergessen was alles passiert.

Ich will endlich Leben.
Ganz egal wie, Hauptsache leben.

Undzwar genau so;
WIE ICH WILL.





Dienstag, 10. November 2015

»295« [Ein Jahr später!]

Heute vor genau 365 Tagen habe ich dich verlassen. Habe dich mit deinem Schicksal und deiner Einsamkeit alleine gelassen. Vielleicht war es die beste Entscheidung die ich je getroffen habe, vielleicht auch nicht. Aber, ich hab sie getroffen. Als ich am 10.11.2014 in einer Nacht und Nebel Aktion beschloss meine Sachen für immer zu packen, hast du mir ein paar letzte Worte mit auf den Weg gegeben die mich noch heute das ein oder andere mal zerstören. So wie jetzt beispielsweise. Worte, noch viel schwärzer als deine Seele. Manchmal ist es schwer die Vergangenheit hinter sich zurück zu lassen und nach vorne zu Blicken. Vor allem dann wenn alles was du siehst aus tiefschwarzer Angst besteht. Und diese Angst die lähmt dich. Sie nagelt dich fest. Genau an dem Punkt, an diesem du stehst. Wenn du beschließt stehen zu bleiben. Es ist so als würde jemand Treibsand unter deinen Füßen aufgießen um dich gnadenlos darin versickern zu lassen. 
Oft habe ich mir gewünscht ich könnte einfach stehen bleiben. Einfach warten. Solange bis alles an mir vorbei gezogen ist und all das verblasst. Zu einer grauen, klaren Masse aus nichts. Damit all deine grausamen Worte und Taten zu dem werden was sie sind. Ein schwarz - grauer Sumpf aus Verachtung. Ein ekelhaftes Meer aus Hass, Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung und jede Menge Gewalt. 

Doch dann kam dieser eine Tag in meinem Leben. Der Tag an dem ich zum ersten Mal ein paar Tropfen Lösungsmittel in eben dieses Meer gab. 
Zu Beginn sah man nicht viel von den Auswirkungen meiner Entscheidungen. Aber mit der Zeit wurde die Oberfläche immer mehr durchbrochen. Lücken entstanden. Lücken durch die viele Teile meiner selbst etwas entfliehen konnte um zu mir zurück zu finden. Noch heute gibt es stellenweise schwarze Stellen in den Tiefen meines eigenen kleinen Ozeans aber es wird überschaubarer. 
Manche Dinge kann man nicht vergessen. Deine Worte. Deine Taten. Deine Verachtung, deinem eigenen Kind gegenüber. Dein Hass. Das was du in mir zerstört hast. Das sind Dinge die Zeit brauchen um erneut zusammen zu wachsen. Manche Lücken werden sich wohl oder übel auch niemals mehr füllen lassen. Aber ich versuche die Anzahl der Schwarzanteile in mir so klein wie möglich zu halten. Oft fällt es mir schwer. Gerade in Momenten wie jetzt. Wenn ich mich mit dir und deinem Wesen auseinandersetzen muss. Wenn ich dein Name, mehrfach dunkel und kühl in meinem Ohr erklingt. Oder wenn ich Bilder von mir sehe, die du in mich und meine Seele hinein gebrannt hast.
 Manchmal ist es so als würde ich bestimmte Situationen noch einmal durchleben und mir immer wieder dabei zusehen wie mehr und mehr, Stück für Stück ein kleines Bisschen von mir stirbt. 
Aber dann wird mir bewusst das der Anteil, der überlebt hat viel größer ist als all die Teile die du zertrümmert hast. Sie sind zwar ein Teil von mir aber sie machen mich nicht mehr aus. Du bist nicht mehr der Mensch, der bestimmt wie und was ich bin. Welche Dinge ich mag und was ich hasse. Ich kann meine eigene Meinung vertreten (auch wenn mir das noch viel zu oft schwer fällt)! Ich kann selbst entscheiden mit wem ich befreundet bin und wer Teil meines Lebens ist und nicht wen du für gut empfindest. Ich kann endlich selbst über mich entscheiden. 

Ich glaube nur wenige Menschen verstehen wie es ist Jahrelang mit einem Menschen zusammen zu leben und seelisch und körperlich von einem Menschen abhängig zu sein der einen im Prinzip Tag für Tag tötet. Jeden Tag ein Stückchen mehr. Wer weiß wie es ist von seiner eigenen Mutter Seelisch erpresst zu werden? Wer weiß wie es ist wenn man sich überall sicherer fühl als in den eigenen vier Wänden. Wer weiß wie es ist wenn man nachts Angst hat zu schlafen weil man nicht weiß wie die Person mit der man zusammen lebt in dieser Nacht ihre Wut und ihren Hass auf das einzige lebendige und somit auch zerstörbare “Utensil” kompensieren wird. Wer weiß wie es ist wenn man gezwungen ist die Meinung eines anderen Mensch zu übernehmen, aus Angst das man besagten Menschen sonnst zu einem weiteren Wutausbruch geleiten könnte. Wer weiß wie es ist wenn die eigene Mutter einen Tag für Tag, Jahr für Jahr terrorisiert. Wenn sie einem einredet man sein nichts wert und unwichtig und nutzlos und einfach nur eine elendige Last? Wer weiß wie es ist gnadenlos in’s Gesicht gespukt zu bekommen? Oder so lange Fäusteregen zu ertragen bis man sich so unfassbar klein fühlt? Kleiner als ein Buchtabe auf einer Weltkarte? Wer weiß wie es ist schon als Kind immer wieder in der Notaufnahme zu sitzen weil unzählige Körperteile in Mitleidenschaft gezogen wurden? Wer weiß wie so ein Leben ist? Ich hoffe niemand, aber ich glaube dieses denken wäre egoistisch. Und das war ich noch nie.. 

Es ist unglaublich das ein einfacher Umzug so viel in meinem Leben verändert hat. Zum ersten Mal seit Jahren habe ich so etwas wie ein wirkliches Zuhause. Da wo man sich willkommen fühlen kann und gelegentlich abschalten kann. Seit Jahren kann ich einigermaßen gut schlafen auch wenn meine Mutter mich noch viel zu oft in meinen Träumen besucht um mir still und leise verstehen zu geben, das sie mich niemals ganz gehen lassen wird. Seit Jahren habe ich in einem Schuljahr weniger als 10 Tage im Unterricht gefehlt weil es keinen Grund gab 3,4,5 Tage nicht zum Unterricht gehen zu können weil der eigene Körper nicht fähig war das Haus zu verlassen. Seit Jahren gibt es niemanden der einen nachts in irgendeinem Raum einsperrt oder Dinge Nach einem wirft. Seit Jahren habe ich zum ersten Mal das Recht darauf ich selbst zu sein und das auch sein zu dürfen. 

Der Tag heute ist nicht einfach. Er ist geprägt von vielen Dingen die mich tief im Inneren zum erfrieren bringen aber es ist auch einer der schönsten Tage in meinem Leben. Mein Persönlicher Tag der selbsterkämpften Freiheit. 
Und für nichts auf dieser Welt werde ich diese Freiheit jemals wieder hergeben.

Freitag, 6. November 2015

»294«

Mein Blick geht starr gerade aus.
Ich schaue durch das Fenster in den Wald hinein. Die Blätter färben sich von Gelb zu Rot und von Rot zu Braun.
Ein kleines Mädchen stellt sich vor mich.

"Lena ich muss dich was fragen." sagt sie in einer leisen, irgendwie forschenden frage!
»Was gibt es denn?« sage ich freundlich und sehe ihr in die Augen. Sie sind dunkelbraun und tief. So ehrlich. So lebendig. So voller leben. 
"Bist du traurig?" sagt sie und schaut mir in's Gesicht.
»Weißt du, ich glaube jeder ist mal traurig. Du bist bestimmt auch manchmal traurig oder?« frage ich sie..
"Ja aber du bist oft traurig oder?"

'Oh Scheiße' denke ich. 
Merkt Mann mir das so sehr an? 
Dabei lache ich im Kindergarten immer so viel und bin so glücklich.

»Naja man hat mir sehr weh getan. Aber das ist okay. Aber weißt du was?«
"Was denn?" fragt sie.
»Ich bin froh das ich hier bei euch sein darf.« sage ich und lächele.
Das Mädchen lächelt auch!
"Warum?" 
»weil ihr mich immer wieder sehr glücklich macht und es schafft das ich garnicht mehr traurig bin.«

Und dann beginnt sie zu strahlen. 
So als hätte die Sonne am Nachmittag ihren Höhepunkt erreicht.
"Dann bin ich froh das du da bist!" 
»Ich auch!« sage ich und habe fast Tränen in den Augen.
Dann klettert sie auf meine Beine und schlingt ihre Arme um mich. 
"Du darfst nie wieder gehen!" sagt sie.
Und ich strahle auch.
»Ich bin noch eine ganze Weile bei euch!«

Es ist so unglaublich was Kinder aus ihrer Umwelt mitbekommen! Es ist so unglaublich wie viel Mitgefühl und Anteilnahme diese kleinen Menschen aufbringen können und noch unglaublicher ist es wie schnell es Kinder schaffen einen zum Lächeln zu bringen.

Dieses Gespräch ist mitunter wieder einmal der Beweis für mich das ich mir den richtigen Beruf ausgesucht habe und alles dafür tun werde meine Ausbildung zu bestehen.