Freitag, 4. September 2015

»290«

Ein ganz normaler Tag!


Gegen neun Uhr in der Früh wache ich auf. Drehe mich auf die Seite und schleudere meine Beine auf den kalten, harten Boden der Tatsachen. Meine Zehen berühren das Laminat. Eine Welle aus Kälte wandert langsam durch meinen Körper und bringt mich zum zittern. 
Die übliche Ration Pillen landen in meinem Mund. Zwei kleine weiße, eine längliche und zwei blaue und werden von einem Schluck Wasser herunter gespült. 
Mein Kopf ist noch nicht ganz bei Verstand. Ich laufe durch den Flur und mein zweites Zimmer und öffne die Balkontür. Ein kalter Windstoß bläst mir die Haare aus dem Gesicht. Meine Hände greifen nach der blauen Zigarettenschachtel und erklimmen die Leiter zum Dach. Oben angekommen setze ich mich auf die Dachziegel und betrachte meine "Heimat." Am Morgen wirkt alles noch so lebendig. So lebhaft. So.. Scheisskaff. Der Zigarettenstummel purzelt die Dachschräge hinunter, direkt in die Regenrinne hinein. Dort warten schon unzählige Brüder und Schwestern auf ihn, die fröhlich "Willkommen - Willkommen" rufen und wild applaudieren. Ich begebe mich in die Küche. Öffne den Kühlschrank der nach Käse und Buttermilch riecht und pansche in meinem Chiapudding (99) herum. Schnell noch 60g Mango (39) abwiegen, zerschneiden und obendrüber kippen. 
Langsam kann man zusehen wie die Stücke nach mehreren Minuten versinken. Wie kleine Schiffe, diesen man ein Loch ins Holz schoss. Sie gehen unter. Ich rühre um. Vermansche alles und beginne zu essen. 


Tür auf. Den Rest zurück in den Kühlschrank stellen. Tür zu. Kriechende Schritte nach oben. Kleidung aus den Wäschekörben ziehen, die seit Wochen an ein und derselben Stelle stehen. Die Treppe gibt leises  Poltern zu hören, während ich sie wieder herunter flitze. 
Badezimmertür auf. Badezimmer Tür zu. Lautsprecher anschließen und bis zum Anschlag aufdrehen. Ein paar Lieder später bin ich frisch geduscht und angezogen. Tür auf. Tür zu. Oma sagt die neue Hose steht mir. Doch sie ist nicht neu. Sie ist schon zwei Monate alt. Müll rausbringen. Geschirr schnell spülen. 
Wieder hoch. 

Vorsichtig nehme ich meine Tasche und Kippe ihren Inhalt auf meinem Bett aus. 
Geldbeutel, Schlüssel, Notizbuch, IPad, Handy, Köpfhörer und Ladekabel fliegen in eine neue Tasche diese ich mir schnappe und die Treppe runter renne. 
"Fall nicht Lee, mach langsam!" Ruft mir meine Oma entgegen. »Ich komm zu spät, ich komm zu spät! ICH KOMM ZU SPÄT« schreie ich ihr entgegen. "Aber wozu?" wirft sie mir fragend entgegen. »Zum Leben!« und naja in dem Moment bestand mein Leben aus dem Bus der in den kommenden 4 Minuten abfahren sollte. Tür auf. Tür zu. Tür abschließen. Tasche auf. Zigarette raus. Feuer an. Feuer aus. Rauch rein. Rauch raus. 
Und los. 

Meine Füße Rennen gleichmäßig im Takt den Berg hinab und die Hauptstraße entlang. Über den Zebrastreifen. Die Treppe hoch und zur Bushaltestelle. Dort angekommen warte ich noch kurz bevor der Bus um die Ecke biegt. Bustür auf. Einsteigen. Bustür zu. So geht das eine ganz Weile weiter. Bis ich mit dem Zug in meiner Lieblingsstadt angekommen bin. Dort angekommen vertreibe ich mir meine Zeit mit etwas Bummeln. Einkaufskassen klimpern auf und zu. Menschen stöbern in Läden. Musik aller Art ist zu hören. Stände sind aufgebaut. Sie verkaufen vor allem Wein und Traubensaft. Aber auch Flammkuchen und anderen Quatsch. Mehr Menschen als sonnst sind auf den Wegen zu sehen. Geldbeutel auf. Zwei Hosen und zwei Pullis gekaut. Geldbeutel zu. 90€ weniger, sagt die Kreditkarte. 

Eine Weile warte ich noch. Bis mich eine Nachricht von T. erreicht. Sie kommt nicht. Also tragen mich meine Füße zu Starbucks. Meine Zunge bestellt nach ausgiebigem rechnen und überlegen einen Pumpkin spice Latte (367) und einen Himbeer - Cheescake - Muffin (476)! Mittagessen: Check. 

Mal wieder sitze ich am Brunnen, beobachte die Menschen. Esse. Schreibe auf. Trinke Kaffee. Schaue umher. Schreibe weiter. Trinke noch mehr Kaffee und begebe mich letzten Endes zur Bahn. 

Während meiner Reise in den Öffentlichen Verkehrsmitteln, schaue ich mir eine Folge "Heroes" an und versuche zu schlafen. 

Zuhause angekommen Rede ich ein bisschen mit meinem Dad und mache Faxen mit ihm. Dann fahren wir einkaufen. Meine Hände halten einen Strauß Blumen in der Hand. Er ist bunt. Mit vielen Farben. Gelb. Pink. Grün. Weiß. Lila. Wir nehmen ihn mit. Nur für den Fall das ich morgen doch zu ihr fahre. An unseren Ort. Da wo alles begann. Zuhause angekommen. Packe ich ein paar sachen zusammen und begebe mich in die Küche. Zerschneide etwas Gurke (18) und Paprika (41). Danach bestreiche ich zwei Knäckebrote (51) mit Frischkäse (39). Die genau abgewogene grammzahl landet in meinem Magen. 

Total: 1130 kcal 


Danach schnappe ich mir meine Tasche und mache mich auf den Weg zu Mom. 

Ich bin gleich da..



 

Mittwoch, 2. September 2015

»289«

Um mich herum, wirbeln Menschen hektisch umher. Manche Tragen einen Anzug. Andere sind schlicht gekleidet. Ein kleiner Junge läuft mit knallig, Grünen Kopfhörern direkt an mir vorbei. Manchmal frage ich mich was die einzelnen Menschen wohl für ein Leben haben? Das kleine Mädchen, das Hand und Hand mit ihrem Vater und ihrer Mutter durch die Stadt läuft. Was hat sie wohl für ein Leben? Wie sieht es aus? Ist sie wohl glücklich? Streiten sich ihre Eltern oft oder nie? Liest ihr jemand Gute - Nacht - Geschichten vor bevor, man sie behutsam zu Bett bringt und ihr liebevoll einen Kuss auf die Stirn drückt? Oder wird sie einfach eine Stunde vor den Fernseher, auf dem gerade ein Krimi läuft, gesetzt um dann in's Bett geschickt zu werden? Oder der Mann im Anzug? Hat er eine eigene Firma? Oder ist er ein kleines Teil, eines größeren Teils? Vielleicht eine Bank oder doch eine Anwaltskanzlei? 

Oder das Mädchen, das auf dem Rand des großen Brunnens sitzt? Mit den Kopfhörern im Ohr, durch die man leise noch die viel zu laute Musik von außen hören kann, wenn man den hinhört? Immer wieder blickt sie umher und beobachtet die Menschen der Stadt. Dann sieht sie auf ihren Notizblock und beginnt etwas zu notieren bevor sie sich vorsichtig durch die langen, dunkelblonden, ja fast Haselnussbraunen Haare fährt? Was hat sie für ein Leben? 

Ich kann euch sagen was sie für ein Leben hat. Meins! 

Gerne sitze ich da und beobachte die Leute aber dann frage ich mich auch, ob sie mich wohl bemerken? Ob sich auch jemand fragt was ich für ein Leben habe? Ob jemand denkt das alles Perfekt gelaufen ist für mich weil ich immer so viel lache? 

Einmal sollten wir im Unterricht im Laufe des letzten Jahres herausfinden was unser Name für ein Bedeutung hat. 

»Ich bin der Sonnenschein.« - waren meine Worte damals. 

A. meinte zu mir das würde passen, weil ich sehr oft lache. Zumindest seit ich sie kenne. Über ganz unbedeutende Sachen. Und wenn es nur über unsere Blödheit war!

Sieht die Frau mit dem Kinderwagen das Mädchen auch als einen Sonnenschein an? Vielleicht auf die Entfernung betrachtet? Aber tritt man näher verändert sich das Bild. Dann sieht man was für Worte sie in ihr kleines, braunes Büchlein schreibt. Es sind dunkle Worte. Worte die man von einem so jungen Menschen, nicht erwarten würde. Man sieht den gespielten Ausdruck in ihrem Gesicht und die leicht glasigen, hellblauen Augen.

Doch dann blickt sie in die Augen des kleinen Mädchens, das im Kinderwagen liegt und mit ihrer Rassel leise musiziert. Link diesem Moment verändert sich irgendetwas und sie beginnt zu strahlen. Dann sieht auch die Frau das, das Mädchen ein Sonnenschein ist. Trotz den alten, verblassten Narben auf ihrer Haut und den Tränen in ihren Augen. Denn sie hat trotz allem nie verlernt, was echtes und unverfälschtes Lachen ist.