Samstag, 29. August 2015

»288«

Kleine Rauchwölkchen fliegen tief in meine Lunge hinein und bringen Sie zum flattern. Die Welt um mich herum ist dunkel und mitternachtsschwarz. 
Die Lichter meiner "Heimat" sind schon lange aus gegangen und nur vereinzelt brennt noch Licht in den Häusern. Von hier oben habe ich einen guten Blick über alles. Sehe den Wald. Wiesen. Häuser. Gehwege. Straßen, die sich in ein unendliches Labyrinth verästeln. Kleine Feldwege. Vereinzelt ein paar Tiere. Aber vor allem, sehe ich den Himmel.


Die letzten Wochen waren sehr schön und auch sehr anstrengend. Mein Dad ist die meiste Zeit sehr gestresst von der Arbeit und auch von daheim. Meine Oma vergisst immer mehr, was im hier und jetzt geschieht und klammert sich an die alten Geschehnisse aus ihrer Vergangenheit. Um ehrlich zu sein beneide ich sie einwenig. 

Vergessen ist das einzige, was ich mir seit Jahren wünsche. 

Vor einiger Zeit habe ich mich mit A. über meine Vergangeheit unterhalten. 
Und damals hat sie zu mir gesagt: 
"Lena ich glaube, wenn du all diese schrecklichen Dinge nicht erlebt hättest wärst du nicht du selbst. Diese Erlebnisse haben dich zu dem gemacht was du heute bist. Sie haben dich zu dem Menschen gemacht der von so vielen Menschen wertgeschätzt und geliebt wird. Klar, würde ich dir wünschen du hättest das alles nicht erlebt aber am Ende bist du genau an diesen Dingen gewachsen. Die Vergangenheit ist ein Teil von uns, den wir nicht einfach ausradieren können. Er gehört zu uns wie unsere Handschrift oder unsere Augenfarbe. Du kannst sie nicht ändern. Du kannst sie nur hinnehmen und das beste draus machen." 

Und sie hat so recht. Wie immer! 
Wahrscheinlich wäre ich nicht der Mensch der ich heute bin. Wenn meine Mom mich nicht Jahrelang zerstört hätte, wenn Cii und Julii mir nicht so weh getan hätten und wenn Marie nie gestorben wäre. Aber das alles ist nunmal passiert. 
Und hat mich verändert. Hat mich besser oder schlechter gemacht. Ich weiß es nicht aber wenn ich eins weiß, dann das sie meinen Charakter geprägt haben. 


Vielleicht würde ich nicht immer jeden retten wollen. Würde nicht jedem zuhören und versuchen Lösungen zu finden. Würde den Menschen die mir etwas bedeuten nicht so viel Liebe und Zuwendung schenken. Aber vor allem
Hätte ich nicht so viel Ahnung vom Leben. 

Ja und vielleicht klingt es verrückt wenn man mit 17, fast 18 Jahren sagt man habe viel Ahnung vom Leben. Weil das komplette leben ja eigentlich noch vor einem liegt. Aber ich habe in diesen Jahren so viel erlebt und gesehen. Habe so viel gelesen und gehört. So viel gelöst und bin so oft gescheitert. Habe so viel geträumt und träume zerschlagen. Habe so viel verloren und doch so viel dazu gewonnen. Das ich doch sagen kann ich weiß einiges. Ich hab zwar keine Ahnung von Mathematik und Physik. Und auch nicht von Kommasetzung (wie ihr schon gemerkt habt) und wann man das mit einem s oder zwei s schreibt. Ich weiß nicht wo Städte liegen, die ich nicht bereisen will und ich kapiert auch nicht wie ein Samsung Handy funktioniert. 

Aber ich weiß wie Menschen funktionieren. 

Und bisher bin ich mit dieser Art von Wissen relativ weit gekommen! 
Klingt komisch aber ich verstehe jeden. Ich verstehe warum Menschen so sind wie sie sind. Selbst jene, die ich nicht so sehr mag. Ich glaube, selbst wenn mich mein größter Feind anrufen würde, selbst ihm würde ich zuhören würde er am Telefon darum bitten. 

Vielleicht bin ich Loyal. Vielleicht einfach zu freundlich. Oder vielleicht bin ich auch einfach ich. Denn genau das macht mich aus. Vergeben. Aufrichtig sein. Zuhören. Da sein. Festhalten. Durchdenken. Helfen. Lösungen suchen. Jeden Retten. Mut machen. Lieben. Umarmen. Verschenken. Kleine Dinge Wertschätzen. Aufmuntern. Meinung äußern. Acht geben. Behutsamkeit. Neugierde. 

Das alles, das bin ich. Und das sind die Dinge für die ich dankbar bin. Jahrelang habe ich all diese Dinge nie bekommen oder durfte so nicht sein und vielleicht machen mich deshalb all diese kleinen Dinge so sehr aus? Weil ich nicht will das sich jemals jemand so fühlen muss, wie ich mich einst fühlte. Das hat mich die Vergangeheit, am aller meisten gelehrt.





Kommentare:

  1. Deine Worte treiben mir Tränen in die Augen...
    Es ist egal, dass du keine Ahnung von Physik oder Grammatik hast, denn wie du sagst, du hast Ahnung von Menschen. Du hast emotionale Intelligenz und das macht für mich einen Menschen viel mehr aus, als irgendwelche Fakten über irgendwas, was niemanden interessiert. Du bist emphatisch und das macht dich so sympathisch und liebenswert!
    Als ich deinen ersten Absatz gelesen habe, musste ich dran denken, wie ich bei dir war und wir Nachts draußen gesessen haben, geraucht und in den wunderschönen Himmel gesehen haben. Und wenn ich könnte, dann würde ich auch jetzt bei dir sein, einfach, damit du nicht ganz so alleine bist. Ich bin in Gedanken bei dir; hab' dich sehr lieb! ♥

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  2. Ich besuche gerade eine Freundin und glaube, ich bin in deiner Stadt.

    Liebe Grüße,
    Die Anonyme

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    1. Ich war in Darmstadt, von deinem Blog her hatte ich dich immer dort oder zumindest in der Nähe vermutet.

      Liebe Grüße,
      Die Anonyme

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    2. Schade :( Dann hätte man sich vielleicht mal treffen können oder so!
      In Anbetracht der Tatsache das deine Vermutung richtigen ist. :D

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    3. Vielleicht haben wir uns ja gesehen und wussten es nicht :)
      Wie geht es dir zur Zeit?

      Liebe Grüße,
      Die Anonyme

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