Freitag, 24. Juli 2015

»286«

Jetzt ist es soweit. 319 Tage. Unzählige Präsentationen und Klausuren. Praktische Vorträge und eine Milliarden Wörter wurden uns in den letzten 319 Tagen in unseren Kopf hinein gequetscht. Nur für diesen Moment, das wir jetzt unser Zeugnis in den Händen halten. Erstes Ausbildungsjahr: Check! 

Doch mit genau diesem Moment geht auch etwas zu Ende. T! 

Nach dem Abschluss Gottesdienst, haben wir hab draußen mit der gesamten Klasse noch einmal verabschiedet. 

Unsere Lehrerin nahm erst D. und dann T. in ihre Arme. Und genau in dem Moment ist es mir bewusst geworden. Sie kommt nicht wieder. Nicht dieses Jahr. Sie ist weg. Einfach weg. Es wird keine Disskusionen mehr geben. Keiner wird dumme Grimmassen schneiden, wenn ich kurz vorm heulen bin. Niemand wird mir unzählige Worte um die Ohren hauen weil er weiß das ich das so gerne mag. Zuhören. Es wird still. 
Obwohl T. noch da ist, 
fehlt sie mir schon jetzt. 

Die erste die weint ist S. Und nachdem A. und ich den beiden ihre Zeugnisse gegeben haben die wir Ihnen gestern noch geschriebene haben, weil sie keins bekommen. Nimmt T. mich in den Arm. Und dann brechen auch bei mir so langsam die Dämme. Die Wände der Beherrschung brechen ein und ich weine. 

"Du wirst mich nicht los."
"Ich hab dir den kleinen Finger Schwur gegeben."
Und unzählige andere Sätze fließen aus ihr heraus während sie mich noch immer im Arm hält.

Die Große Traurigkeit ist noch nicht einmal bei mir angekommen. Ich glaube dieser Moment wird erst kommen wenn ich nach den Ferien in unserem Klassenraum sitze. Wenn ein Platz neben mir leer sein wird. Wenn es so still sein wird. Wenn T. nicht durch den Eingang kommt und mich mit ihrem schiefen Grinsen anschaut oder irgendwelche Faxen macht. Wenn kein Mensch da ist den ich Anrufen kann. Oder mit dem ich Nachtschichten schieben kann. 

Ich meine wer spielt denn jetzt mit mir digital Uhr oder gibt Motten nachts einen Namen. Wer verprügelt Cii wenn sie wieder irgendeine scheisse mit mir abzieht. Wer sagt den Barbies das sie ihre Klappe halten sollen? Wer ist da? 

Es ist so komisch. Und ich habe solche Angst. 

Am meisten habe ich Angst davor das du mich vergisst T. Das du vergisst was wir alles erlebt haben weil du bessere Menschen findest..


Sonntag, 12. Juli 2015

»285«

Angst. 

Angst ist ein ziemlich großes Wort. Es ist unendlich definierbar. Es ist so weit gefächert. Mann kann vor so vielen Dingen angst haben. 

Ich für meinen Teil habe Angst davor verlassen zu werden. Und genau jetzt gehen zwei Menschen aus meinem Leben, die ich am wenigsten verlieren kann.

Nach den Ferien wird T. nicht mehr jeden Tag im Unterricht neben mir sitzen. Sie wird nicht morgens um 5 vor 8 durch den kleinen Eingang kommen und mich anlächeln und mir dadurch einen Grund geben, auch zu lächeln. Sie wird nicht mehr Stundenlang mit mir reden und mich ablenken, egal von was. Sie wird nicht mehr im Unterricht bösen von den Lehrern angeschaut werden weil wir geredet haben. Sie wird nicht mehr mit mir Disskutieren. Wird mir nichts mehr erklärten. Sie wird fehlen.

Nach den Ferien wird T. eine Stationäre Therapie beginnen. Zumindest ist das der Plan. Ich bin froh das sie diesen Schritt wagt, aber trotz allem habe ich auch angst. Riesengroße Angst. Das ich diesen "Verlust" nicht verkrafte und das wir uns aus den Augen verlieren werden.

Nach den Ferien werde ich auch A. nur noch Montags und Dienstags in der Schule sehen. Denn den Rest der Woche sind wir im Betrieb arbeiten. 

Auch S. werde ich nicht mehr in der Achule sehen. Denn sie hat Donnerstags und Freitags Unterricht. 

Ich habe so Angst davor. 

Noch nie in meinem ganzen Leben war mir ein Mensch so wichtig wie T. 
Sie ist unglaublich. Und ich wüsste echt nicht was ich ohne diesen Menschen wäre. Sie hat so viel für mich getan. So viel und noch viel mehr. Und die Hälfte davon hat sie nicht einmal registiert. Es sind die kleinen Dinge, die für mich so groß sind. Es sind kleine Nachrichten. Kleine Gesten. Kleine, bedeutsame Worte. Eine Umarmung. Ein Lächeln. Ein Augenblick Musik. Ein Moment Ruhe. Ein forschender Blick. Ein Bild. Ein aufmunterndes Wort. Eine Sekunde mit diesem Menschen um mich herum. Das sind die Dinge die mich glücklich machen. Und das weiß T. ganz genau. 

Ich hatte in meinem Leben noch nie solche Freunde. Freunde die immer hinter einem stehen. Die einem Rückendeckung geben. Freunde die sich vor jede Kugel stellen würden und für dich durch's Feuer gehen würden. Freunde die alles aufgeben würden nur um dich zu retten. Freunde die dich besser kennen, als du dich selbst kennst. Freunde die wissen wie dein Saz endet, bevor du ihn zuende gesprochen hast. Freunde die das selbe denken wie du und genau so handeln. Freunde die wissen wann dein Lächeln echt ist und wann nicht. Freunde die sich komplett zum Affen machen nur um deine Tränen zu trocknen und dich wieder zum Lächeln zu bringen. Freunde mit denen man Stundenlang irgendwo sitzen kann ohne sich zu langweilen. Freunde bei diesen man, man selbst sein kann. Freunde die einen mit allen Ecken und Kanten akzeptieren. Freunden diesen man alles anvertrauen kann. Freunden mit diesen man die Zukunft planen kann.

Aber vor allem hatte ich noch nie Freunde die sagten »Wir bleiben für immer.«

Und genau das haben T., A. und S. zu mir gesagt. Wir sind nicht einfach nur beste Freunde, nein! Wir sind eine Familie. 

Und ich bin so unendlich dankbar dafür das ich diese drei Menschen kennen gelernt habe. Und das sie immer da sind und auch immer da sein werden wenn es drauf ankommt. Ich bin so dankbar das ich den ganzen Tag Freudentränen weinen könnte - wäre da nicht diese Angst. Diese Gottverdammte Angst. 

Ich habe nur noch zwei Wochen. 
Die Zeit rennt mir davon. 
Brauche mehr von ihr.
Muss sie anhalten.
Sofort.