Dienstag, 30. Dezember 2014

»270«

17. Diese fürchterliche Zahl schlägt mir bereits am Morgen direkt ins Gesicht als Dad mich aufweckt. Er reicht mir eine Tasse Kaffee und drückt mir einen Kuss auf die Wange. "Happy Birthday Geburtstagskind!" sagt er und verzieht seinen Mund dabei zu einem Lächeln. 
Ich stelle den Kaffee vorsichtig auf meiner Matratze ab und lasse mich zurück in meinen Kissenberg fallen. Wieder ein Jahr älter. Ein weiteres Jahr auf dieser Welt und trotz allem nichts erreicht. Versagerin. 

Erneut Schlinge ich meine Eiskalten Hände um die wärmende Kaffeetasse und schnappe mir eine Decke mit der ich auf dem Balkon verschwinde. Vergraben in meiner Decke, sitze ich da und puste kleine Rauchwolken in die Luft. Sie sind deutlich zu sehen in der Eiseskälte. Sie nehmen gestalt an und ich bilde mir ein Dinge darin zu sehen, die eigentlich nicht zu sehen sind. 

"Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht irgendwas zu tun." - Nichts (Janne Teller) 

Dieser Satz schleicht durch meinen Kopf während ich die Treppe herunter Laufe um zu Frühstücken. Wahrscheinlich nicht der schönste Satz für den letzten Tag des Jahres. Wahrscheinlich kein schöner Gedanke aber wahrlich der beste und wahrste der mir seit geraumer Zeit in den Kopf gekommen ist. 

Aber es stimmt nicht, das es sich nicht lohnt irgendwas zu tun! 


Denn wenn ich auf das Jahr 2014 zurück Blicke, dann sehe ich mehr als nur ein weiteres Jahr. 

Angefangen mit einem Januar voller Depression, Magersucht, Bulimie, Suizidgedanken, Selbstzerstörerischem Verhalten und dem hoffen auf ein Ende, ging es weiter.. 

Der Februar war schlimm in vielerlei Hinsicht. Die Verjährung von M.'s Tod und die damit verbunden Schuldgefühle und das unendliche vermissen zerstörten mich fast gänzlich und doch habe ich diesen grauenhaften Monat überlebt wenn auch nur durch die Hilfe und das erste Treffen mit der lieben Lia die mir an diesem besagten Tag zur Seite Stand und einfach da war als es sonnst niemand war. Und dafür bin ich ihr noch immer unendlich dankbar, denn ich wüsste nicht wirklich ob ich diesen Tag sonnst überlebt hätte..

Der März, war die erste große Etappe im Thema Prüfungen - ich hielt meine Präsentationsprüfung über Margarete Steiff und bekam 10 Punkte. Nicht das was ich erwartet hatte aber am Ende doch vollkommen okay. 

Der April war verschwommen zwischen Wiedersehen und den vielleicht schlimmsten Momenten meiner ES. 
Über viele -0 Tage und Kreislaufzusammenbrüche bis hin zu Panischer Angst vor den Schriftlichen Prüfungen, war alles dabei. 

Mai - der Monat des pausenlosen Lernens. Schriftliche Prüfungen liefen zufriedenstellend. Deutsch (2), Englisch (3) und Mathe (4)! Damit konnte ich leben. Ich began wieder mehr Sport zu machen und versuchte dadurch mehr zu essen. Was mir nicht wirklich gelang. Mir fehlte die Kraft um weiterhin auf Dauer Sport zu treiben. Ich verkroch mich zurück in mein Zimmer und schloss mich mit meinen Depressionen ein. Das vermissen von meinen damaligen Freunden (Julii, Cii..) wurde Schlimmer. Ich fühlte mich einsam und alleine.

Der Juni war voller aufschlussreicher und furchtbarer Momente. Über den schlimmsten Streit meines Lebens mit Julii der mich zum ersten Mal wieder daran erinnerte wie schnell man sein Leben wegwerfen kann und über die Erkenntnis das ich in Frii einer der wichtigsten Menschen meines Lebens gefunden haben. Darüber hinaus began die Thera bei Frau S. endlich irgendwie zu helfen, zumindest fühlte ich mich verstanden von ihr. Vielleicht auch einfach weil ich begann das zu sagen was ich dachte. 

Der Juli war voller schöner Ereignisse. Angefangen mit der dreitägigen (zweiten) Abschlussfahrt nach Berlin in der ich mich unglaublich gut mit Cii verstand und viele schöne Momente erleben durfte, hinüber zu unserem Abschluss. Der voller Freude und auch voller Trauer endete. 
Damit begann der Urlaub mit Frii in unserer Sonnenstadt. In dieser ich auch die liebe Lia wieder traf und mich unheimlich darüber freute.
Langsam aber sicher bin ich wieder zum Leben erwacht.

August einer meiner Lieblingsmonate, würde ich sagen! Ich ging in's Fitnesstudio und schaffte es durch den ganzen Sport wieder ein Gefühl dafür zu bekommen was es bedeutet "richtig" zu essen. Auch wenn es traurig war das ich anfangs 4 Stunden trainieren musste um irgendwas essen zu können, habe ich es am Ende doch nur durch den August geschafft mich ein Stück aus der Essstörung zu boxen. Denn ich fing an meinen Körper zumindest etwas zu akzeptieren. Auch wenn ich noch immer täglich 2-3 mal auf die Waage stieg. 

Dann kam der September. Der Goldene September! ❤️ Meine Ausbildung fing an. Ich fand die tollsten Freunde die ich mir nur hätte wünschen können und ich begann wieder zu leben. Ich bekam ein Gefühl dafür was richtig und was falsch ist. Ich merkte wie man lebt und was ich brauche um zu leben auch wenn ich mich noch immer nicht vollkommen gesund ernährte, war ich zumindest im Kopf meilenweit voran gekommen.

Oktober war ein schöner Monat. Mein Alltag bestand aus Schule, KAFFE trinken und mit Freunden zusammen sitzen. Es war wundervoll.

November sah eigentlich fast genau so aus. Die ersten Klausuren wurden geschrieben und es lief eigentlich okay. Auch ein paar Hausarbeiten musste ich schreiben aber auch das schaffte ich dank einiger Nachtschichten zusammen mit T., während wir Digitaluhr spielten und uns immer wieder die Uhrzeit per Whatsappnachrichten sendeten :) 
Im Nobember began auch mein Praktikum und es war einfach unglaublich schön. Ich habe die Zeit in der Kita sehr genossen auch wenn es unheimlich anstrengend war. Aber die kleinen Knirpse haben es wie immer geschafft mich unendlich oft zum
Lächeln zu bringen. Und der November war auch der Monat in diesem ich es schaffte mich von meiner Mom los zu reißen. Ich zog zu meinem Dad und war seit Jahren zum ersten Mal entflohen aus der Hölle. 

So und nun zu guter letzt der DezemberZwischen unendlich viel Kaffee und vielen Zigarettenpausen und unzähligen Gesprächen wurde mir bewusst wie wichtig mir meine besten Freundinnen T. und A. sind. Und das nach gerade einmal +100 Tagen. Ein Leben ohne sie möchte und kann ich mir niemals vorstellen und ich hoffe das unsere Freundschaft noch eine ganze unendliche Weile andauern wird. Am besten Ja für immer! Ich bin so dankbar dafür die beiden kennen gelernt zu haben. So dankbar, ich kann es nicht in Worte fassen. Der Dezember endet mit dem letzten Tag eines weiteren Jahres das ich doch irgendwie in guter Erinnerung behalten werde. Denn am Ende zählenden nicht die Monate in denen man Glücklich war, sondern am enden zählt ob man noch immer glücklich ist. Und ich bin Glücklich. 
Wirklich Glücklich das ich Lebe und dieses Jahr erleben durfte. Denn es hat mich verändert. Hat mich stärker gemacht. Und hat mir zu guter letzt auch gezeigt das man alles schaffen kann, wenn man nur an sich glaubt. 


Ich wünsche euch allen, von tiefstem Herzen einen unglaublichen Start ins neue Jahr auch wenn ich keiner dieser Menschen bin die glauben das nur weil eine andere Zahl hinter den anderen Zahlen steht, das sich dann gleich alles drastisch ändern wird. Aber ich glaube daran das es für jeden vielleicht ein kleine Art Neubeginn sein kann. Ich drücke euch unendlich doll und sende euch ganz viele Umarmungen da raus in die Welt. 

Setzt euch Ziele! Gesunde Ziele! Begreift was im Leben wirklich zählt und versucht zu Leben. Einfach für den Moment und nicht für ein paar Zahlen auf Waagen oder Maßbändern. Denn wenn ich euch eins sagen kann dann ist es das euch ein Kilo, weniger wert sein sollte als das Leben. Es lohnt sich nicht täglich von nichts zu leben, weil man dann auch nichts erlebt. Und darum geht es doch einzig und alleine beim Leben. Wir erleben etwas und dann sterben wir und dann ist es zu spät. Was ich damit sagen will ist das wir kämpfen müssen! Und das wir gewinnen werden! Ich glaube an euch! An jeden einzelnen! Und auch an mich! 



Danke für dieses Jahr! Danke fürs zuhören und danke dafür das ihr mir immer wieder Mut gemacht habt und mich verstanden habt! Ich bin immer für euch da! 

Es Liebt und feuert unzählige
Feuerwerke für euch ab, 
xoxo eure Lee ❤️


Kommentare:

  1. Was für ein unglaublich berührender Text; Gänsehaut pur... *-*
    Du hast so viel geschafft, in diesem Jahr und es wird sicherlich so weiter gehen. Rückschläge gibt es immer, aber davon darf man sich nicht entmutigen lassen! Ich drücke dich ganz ganz fest! ♥

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  2. mit dem "janne teller"-zitat kann ich gar nix anfangen. er könnte auch sagen, der apfel ist rund, ergo sollte man mit einem apfel fußballspielen. also erkennbarer quak und unzulässiger zirkelschluss m.E. ;) umso besser das wir einer meinung sind.

    ich aknn und möchte dir nur ein zitat mit auf den weg geben: „sometimes you need luck, the rest of the time you just need coffee.“
    aber ja, schönes lehrstück dass es sich immer lohnt weiterzumachen und zwar mit herz und kraft, so viel wie einem möglich ist - iwann wirds belohnt, as you saw. ein krieger sein, ist gut und an sich selbst glauben ist noch besser, so wirds am besten, ja :p lg

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  3. Schöne Worte. Dir aucj nen guten Start im 2015 :)
    Abrazos
    María

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  4. Hey.
    Ich habe soeben erst deinen Blog entdeckt und dann gleich so ein Post. Am Anfang habe ich irgendwie nur negatives in deinen Worten gesehen aber es ist sehr schön zu lesen, das sich das ganze dann zum positiven gewendet hat - ja gerade zu in Euphorie. Es ist schön so etwas zu lesen und auch wenn dies der erste Text ist den ich von dir sehe, so wünsche ich dir trotzdem dass es dir in 2015 mindestens genauso ergeht.

    Ich muss jetzt noch ein bisschen in deinem Blog Rum stöbern und wünsche dir alles liebe :)

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  5. danke, ich hoffe du bist auch gut ins neue Jahr gekommen. Es ist so schön deine worte zu lesen und zu wissen das es dir schon besser geht.Du bist so tapfer und liebenswert. Ich hoffe es wird für dich ein erfolgreiches Jahr.
    Wünsch dir auch alles liebe
    und fühl dich auch umarmt
    und nochmal danke für dein text auf meinem blog
    ❤️
    yasmin

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