Mittwoch, 17. Dezember 2014

»267«

Das Wir sitzen im Klassenraum. Unterhalten uns mit den anderen. Irgendwie kommen wir auf das Thema essen zu sprechen. T. sitzt neben mir. Ich schaue sie an und kombiniere die Aussagen die ich von ihr bisher aus ihrem Leben bekommen habe und die Tatsache das sie schon zwei Tage nichts gegessen hat. Sorge. Ein paar Minuten später stehe ich auf und verlasse den Raum. Kann das alles nicht mehr. In meinem Kopf toben die Worte. Eigentlich nur zwei Worte. Nein und M. Und es zerreißt mich schon wieder. Stehe  im Schulklo vor dem Spiegel und wünschte ich könnte etwas tun. Könnte machen das sie wieder da wäre. Das ich ihren Atem wieder auf meiner Haut spüren und ihre Umarmungen um mich herum spüren könnte. Zittere. Will nicht weinen. Nicht jetzt schon. Will mir diesen unerträglichen Schmerz noch aufheben. Will ihn aufsparen bis ihr Todestag wieder unvermeidlich vor mir steht und mich auffrisst. Mich auseinanderlegt und mir alles nimmt was ich mir in der letzten Zeit aufgebaut habe. Doch am meisten habe ich Angst schon wieder einen Menschen zu verlieren der mir alles bedeutet. 

Nach ein paar Sekunden geht die Tür auf und A. kommt herein. Sie weiß was ich denke und fühle und legt ihre Arme um mich. Zittere noch immer. Versuche die Tränen zurück zu halten. Es geht nicht. Zwei Sekunden später steht T. vor mir und schlingt ihre Arme um mich. 
"T. was blödes gesagt haben?" 
Ich schüttele nur den Kopf. 
Nein. Nein. Nein. Nein. 
"Du bist perfekt so wie du bist!" 
Dieser Satz kommt wieder von T. 
»Nicht wegen mir..« bringe ich gebrochen von meinem Gezitter und Geschluchzte hervor. A. hinter mir schüttelt ihren Kopf. Wünschte ich würde diese Worte aus mir heraus bekommen aber es geht nicht. Also beginnt sie zu erzählen. Versuche so gut es geht weg zu hören. Ich vermisse dich. Vermisse dich so sehr M. Wünschte du wärst hier. Wünschte ich könnte dich warnen. Könnte dir sagen das dieses etwas, das wir da beide geliebt haben. Dieser verfickte Krankheit. Das sie nicht schön oder gut oder sonnst was ist. Das sie gefährlich ist. Das sie Menschen umbringt. Täglich. Stündlich. Vielleicht sogar jetzt in dieser Sekunde. 
"Du bist nicht schuld." sind ihre nächsten Worte. Aber das ändert trotz allem nichts daran das es sich so anfühlt. Ein paar Fragen. Ein paar gebrochene Antworten. 
»Wenn dir jemals irgendwas passiert dann.. Das geht nicht.« gebe ich von mir. 

Denn nach all der Zeit und all den Menschen, die ich in meinem Leben schon verloren habe ist meine größte Angst das ich meine zwei Kippenschwestern jetzt auch noch verlieren könnte. 

Irgendwann fängt T. einfach an zu reden. Über ihre Boxershorts und alles andere. Und allein dafür liebe ich sie unendlich sehr. Warum ich Menschen mag die viel reden? Weil reden ablenkt, wenn man nichts anderes als schweigen will. Für immer. Kann die Kälte spüren. Sauge sie auf. Hellgraue Rauchwolken ziehen in den Himmel. Kann spüren wie sich der Rauch um meine Lunge legt und langsam aber sicher vergessen macht.

Ich habe mal geschrieben das vermissen das einzige ist was bleibt. Und ich bin noch immer der Meinung. Aber vielleicht ist vergessen der einzige Weg um weiter leben zu können. Vielleicht werde ich irgendwann vergessen. Nicht vollkommen aber ein Stückweit vielleicht.
Nur wann dieses irgendwann sein wird.. Ist und bleibt die Preisfrage.

Vielleicht verpufft all der Schmerz den M. in mir zurück gelassen hat eines Tages. Aber ich will nicht mehr warten. Will das es aufhört so zu schmerzen. Will einfach nur überleben. Will das alles irgendwie überleben und weiß doch nicht wie ich es schaffen soll. 








1 Kommentar:

  1. schön von dir zu lesen :)
    fühl dich auch gedrückt ❤️

    das mit dem '' vermissen ist das was bleibt'' und alles,
    einfach so gut geschrieben. Und ich weiß auch nicht
    was ich sonst zu deinem Post sagen soll ,
    fühle dich einfach umarmt. Ich hoffe du findest
    einen guten weg um weiter machen zu können.

    herz an dich
    und alles liebe
    mina

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