Mittwoch, 1. Oktober 2014

»258«

Kaputte Hoffnung. Kaputtes Leben. 
Am Mittag sitzen wir in der Stadt an einem großen Brunnen und unterhalten uns mit ein paar Leuten aus der Nachbar - Klasse. Bereits am Morgen hatte ein Junge, mit ziemlich kurz rasierten Haaren und einer Weinroten Jacke von einem Wohnheim erzählt. Also Frage ich ihn ein bisschen aus. Er gibt mir die Nummer von der Frau dort und ich soll mein Glück mal versuchen, vielleicht kriege ich ja einen Platz. Noch auf dem Weg zum Bahnhof, rufe ich das erste Mal dort an. Im Zug erneut. Und da wird mir etwas bewusst. Nachdem ich seit knapp 11 Jahren von meiner Mom schlecht behandelt werde, wird mir klar das ich das nicht mehr kann. Das es nicht mehr tragbar ist. Zu viel. Zu schwer. Zu schwere Last auf meinen Schultern, die ich seit dem Kindergarten mit mir herum trage. Last, von vergangenen Zeiten. Vergangenen Taten. Von Abwertung, über Blaue Flecken, bis hin zu Polizeibesuchen. Das ist mir alles zu viel. Tausend kleine Erinnerungen flackern auf. Mein Kopf dreht durch. Ist verwirrt von all den Dingen und Wörtern und Zeiten. Neben "du hast das verdient, du bist ein schlechter Mensch" und "du musst da weg", bekomme ich fast einen Hörschaden. Fragen und Aussagen durchschmettern, meine Träume. 

Sie sagt mir das ich kein Recht darauf haben auszuziehen. Das ich gefälligst bei ihr bleiben solle. Das ich noch nicht alleine Wohnen kann. Das sie mir mein Geld (das mir zusteht!) nicht geben wird. Dann wieder das übliche. "Wenn du gehst dann muss ich aus der Wohnung raus. Dann habe ich kein Zuhause mehr, willst DU daran schuld sein? Wenn du gehst, dann habe ich kein Geld mehr! Da kann ich mich ja gleich umbringen. Kannst du das dann verantworten? Willst du daran schuld sein?" 

Mir wird schlecht. Ihre Druckmittel machen mir wie immer zu schaffen, auch wenn es jedes Mal die gleichen sind. Muss etwas essen. Fressen. Gefühle müssen weg. Bin alleine. Gehe in die Küche. Mache mir ein Brötchen mit Marmelade und beherrsche mich. 
Kauen. Denke zu viel über das Essen nach, das sich in meinem Mund befindet.
Warm oder Kalt? Groß oder klein? Flüssig oder fest? Hart oder weich? Süß oder Sauer? Scharf oder Salzig? Wie viel kaue ich? Mag ich das, was in meinen Mund ist? Ja order nein? Wenn ja, was mag ich? Wenn nein, was stört mich? Warum stört es mich/woran liegt das? Gibt es eine Verknüpfung die ich mit diesem essen verbinde/herstelle? 

Atmen. Wenn ich so weiter mache, brauche ich noch zwei Stunden für mein Brötchen. Also esse ich schneller. Immer mit dem Hintergedanken, das ich keinen Fressanfall schieben und auch nicht kotzen werde. Diesen Tryumph gönne ich meiner Mutter nicht. Also Musik an. Hingelegt. Nachgedacht. Musik wieder ausgemacht. Höre im Schatten der Vergangenheit noch immer ihre stechenden Worte. Wie kleine Nadeln, drücken Sie sich durch meinen Schuh und erinnern mich bei jedem verdammten Schritt wieder erneut daran. 

»Und wenn sie meinen du stehst nie wieder auf, dann lass sie reden! junge, zeig Ihnen das ist dein Traum, du wirst ihn Leben und Beweis diesen Leuten, die niemals an dich geglaubt haben, das was sie haben kannst du auch haben. Denn wenn sie meinen du hast hier nix verloren, dann zeig es Ihnen. Zeig es allen. Keiner hält dich mehr auf, komm lass dich fallen. Heb den Kopf und blick einfach nach vorn und jetzt Versuchs, ich sag versuchs! Alles wird gut!" - Bushido


Kommentare:

  1. Liebe Lee,
    nein du hast es nicht verdient! Keiner hat das verdient. Und am allerwenigsten ein Kind! Ein hilfloses, kleines Kind so zu behandeln ist nicht nur strafbar sondern auch menschlich gesehen einfach grauenhaft!
    Bitte versuch das mit dem Wohnheim weiterhin. Du musst von deiner Mutter weg. Und du bist NICHT VERANTWORTLICH dafür wie es ihr geht oder was sie dann macht. Denn es ist ihre Aufgabe für DICH verantwortlich zu sein und nicht umgekehrt.
    Vielleicht kannst du noch etwas Kraft schöpfen, wenn du dir vorstellst, das was dir angetan wird, wird einem anderen Kind angetan. Du würdest dem Kind raten alles zu versuchen um dort wegzukommen, ohne Rücksicht auf die Mutter.
    Bitte kämpfe für dich und dein Leben, denn du bist es WERT!!!
    Alles Liebe und viel Kraft
    <3 Steppenwölfin

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  2. Liebste Lee,
    Du hast das so was von nicht verdient wie deine Mutter dich behandelt. Ich hoffe so sehr, dass du das tust, was dir gut tut! <3 das heißt wohl: von deiner Mutter weg und wie Steppenwölfin sagt: es ist nicht deine Aufgabe für deine Mutter zu sorgen sondern umgekehrt! Kümmere dich um dich.
    Ich habe so was mit meinem Papa erlebt und ich hatte eine Zeit lang keinen Kontakt zu ihm, was geholfen hat. Ich denke "etwas" Abstand zu ihr wären mehr als gut!
    Bitte kämpfe für dich und dein Leben, du bist so wundervoll und verdienst einfach ein wunderschönes Leben <3
    Süße - danke für dein liebes Kommentar! Ich glaube auch, dass ich es schaffe und ich weiß, dass du das auch kannst! Danke für dein Angebot, ich bin immer für dich da - auch wenn dir danach ist zu telefonieren (du kannst mir deine Nummer schreiben wenn du willst, ich veröffentliche das dann nicht, aber nur wenn du willst :* ). Egal über was und wenn's "nur" Alltag und Mädchenkram ist.
    Ich hab dich liebe,
    deine Fee

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  3. DU hast nichts davon verdient. Im Grunde genommen weißt du, dass du im Recht bist - aber Recht haben und Recht durchsetzen sind vollkommen verschiedene Dinge, es ist natürlich verdammt schwer in deiner Lage...

    Lass dich bitte nicht fertig machen. Es ist toll, wie du dich auf das Essen konzentrierst um das Fressen zu verhindern. Du hast gut reagiert.

    Niemand kann dir verbieten, dein Leben zu führen. Du hast erstmal Verantwortung für dich sebst und dein eigene Wohbefinden (von dem du momentan meilenweit entfernt zu sein scheinst), bevor jemand auch nur daran denken kann, dir auch noch die Verantwortung für irgendetwas anderes unterzuschieben. Was andere Menschen tun oder nicht tun ist nicht deine Verantwortung. Sie muss lernen, die Verantwortung selbst zu übernehmen statt sie auf dich abzuwälzen.

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  4. Das Lied habe ich früher immer mit meinen besten Kumpel gehört wo er im Krankenhaus auf der intensiv lag..ich weiß nicht irgendwie ist das Lied so emotional :/
    Das mit deiner Mum tut mir leid aber ich muss sagen ich kannte viele die in einer Wohngruppe waren für kurze zeit, dort wurde dann auch an beiden gearbeitet also Kind und Elternteil :) und alle die dort waren fanden es sehr gut außer die strengen Regeln dort haben sie genervt also ich würde es einfach mal versuchen :)
    Das betreute wohnen sollte allerdings in einen Dorf, in einer anderen Stadt sein weil sonst hat man nicht genügend Abstand das haben mir auch viele erzählt. Versuch es einfach mal verlieren kannst du nichts ! <3

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  5. "Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schau nach vorn und nicht zurück! Tu was du willst und steh dazu, denn dein Leben lebst nur du!"

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    1. Ach Gott wie lieb! ❤️
      Genau das versuche ich!
      Es geht weiter! Immer weiter! Danke!

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    2. Freut mich das er dir gefällt :)

      P.S. ich bin nicht DIE "Anonyme" aber ich hoffe das stört nicht weiter :)

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    3. Nein das stört nicht :D
      Aber gut zu wissen :)
      Trotzdem danke! :*

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