Mittwoch, 24. September 2014

»257«

Sitze im Zug. Fahre in's Nirgendwo. In den Ohren "Alaska" im Herzen - Eiseskälte. Weit entfernt, verstecken hellgraue Wolken die Sonne. Oder die Sonne Versteck sich hinter den Wolken. Die Landschaft zieht langsam an mir vorbei. Noch zwei Haltestellen, dann kann ich aus dem Zug raus. Fühle mich einsam, weil sie mir fehlt. 

Montag, 22. September 2014

»256«

Es ist mitten in der Nacht. Der Wecker neben meinem Kopf wirft mir die Uhrzeit entgegen. 01:42. In 3 Stunden muss ich aufstehen. Und ich freue mich auf die Schule! Ich freue mich auf D., A. und T.! Ich freue mich auf unsere Kippenpausen und ich freue mich darauf das wir in der Mittagspause Sushi essen gehen wollen. Ich hab noch nie Sushi gegessen, also wird das ganz spannend :) 

Gestern habe ich bei Frii geschlafen und wir haben einfach ein bisschen erzählt und gelacht und Fernseh geschaut und einfach etwas gechillt, das war auch sehr toll. Frii vermisse ich in der Schule am meisten. Ich vermisse es mit ihr im Schulgarten zu sitzen und mich zu unterhalten oder mit ihr im Unterricht "heimlich" zu reden. Ich vermisse es sie dauerhaft um mich zu haben, ist das merkwürdig oder so? 

Achso und Sport ist gut gelaufen. Ich bin nicht die einzige die sich schon einmal selbstverletzt hat und ansonnsten war der Sportuntericht auch ganz witzig. 

Am Mittwoch haben wir das ersten mal Ernährung und selbst darauf freue ich mich, irgendwie. 

Ich hoffe euch geht es gut, ihr lieben? 
Fühlt euch umarmt und lieb gehabt! 
Alles Liebe, eure Lee ❤️

Montag, 15. September 2014

»255«

Mir geht es gut. Denke ich! Ich Freunde mich im Moment sehr mit den 4 Menschen an die ich gestern erwähnt habe und es tut mir einfach gut. Kennt ihr das wenn ihr irgendwo hin kommt und euch freut weil ihr wisst, diese Menschen werden den Tag schon ganz gut machen :) So war das heute und ich hab es unglaublich genossen. Mir geht es gut! Mir geht es gut! Mir geht es gut! Ich muss das gerade so oft sagen, weil es einfach so lange her ist, dass ich diesen Satz wirklich so meinte als ich ihn schrieb. Das ist nicht dieses "Es geht mir gut" - aber ich spring gleich vor einen Zug. Oder dieses "Es geht mir gut" - aber eigentlich nicht. Sondern ein "Es geht mir gut" - wirklich. Und ich lächele gerade, während ich diesen Text hier schreibe! Weil ich mich freue. Ich freue mich auf 2 Jahre mit diesen Wundervollen Menschen und ich freue mich einfach darüber das es mir gut geht. Ich freue mich darüber das ich mich mittlerweile seit einer ziemlich langen Zeit nicht mehr geschnitten habe. Ich freue mich das ich heute Mittag, fast einen ganzen - halben Sub bei Subway gegessen habe. (Chicken Teriaky mit Sesam Brot, Salat, Gurken und Honey Mustard)! Und ich habe echt am Ende nicht viel weg geschmissen, aber ich könnte einfach nicht mehr. Essen ist eben doch noch etwas anstrengend wenn man definitiv, absolut nicht kotzen will! Aber ich schaffe das! Ich weiß das! Ich will das schaffen! 

Die erste Schachtel Gaulioses Blau sind aufgeraucht und die nächste wird morgen aufgeknackt. Ja ich rauche wieder mehr! Na und? Mir geht es gut damit und solange niemand zuhause was sagt, ist alles gut.

Nach der Schule bin ich mit ein paar anderen heim gefahren. Mit dem Zug. Und ich hab keine eines mal darüber nachgedacht, wie es wäre darunter zu liegen. Zugfahrten waren früher eher schwierig für mich wegen den Suizidgedanken aber ich hab das im Griff. Das Leben ist schön! Rede ich mir zumindest ein..

Aber die bittere Wahrheit schlägt mir eben doch ab und an ins Gesicht. Mit Mom ist alles im Moment wirklich sehr kompliziert. Ich gehe ihr so gut ich kann aus dem Weg, damit sie mich nicht anpöbelt oder sonnstige (ihr wisst schon) Dinge mit mir anstellt. Denn dafür reicht die neue Kraft dann doch nicht ganz aus. 
Ich will nicht gleich in den ersten Wochen mit blauen Flecken ankommen.. Irgendwie verständlich oder? 

Donnerstag haben wir Sport. Ich bin sehr gespannt. Und verdammt aufgeregt. Ich meine, meine Narben sind verdammt perfekt gut abgeheilt aber eben immer noch da und vereinzelt auch noch rot/rötlich. Entweder ich bin von Anfang an zu allen ehrlich und stell mich da einfach mit dem T-Shirt hin oder ich mache weiter Versteckspiel und lasse die Bombe wann anders platzen - oder nie. Da bin ich mir echt noch unsicher. Wobei ich auf meine lange schnittfrei Zeit eigentlich auch ziemlich stolz bin. Und ich meine die Schnitte sind echt gut verheilt aber eben noch da.. Also wisst ihr wie ich meine? Ich kann mir jetzt nicht einfach den Arm abhacken und meine Vergangenheit war halt schrecklich. WAR! Genau da liegt der Punkt! Die Gegenwart zählt doch oder? Ich weiß noch nicht was ich machen soll oder werde aber irgendwie wird es schon klappen. 

Ich gehe jetzt mal schlafen, muss morgen 5:30 aufstehen. 


We are a Family! And I'm always here for you! All of you! No matter what! 
Fühlt euch umarmt! ❤️

Ganz viel liebe, 
eure Lee ❤️

Sonntag, 14. September 2014

»254«


"Schatz, es tut mir so Leid! Du bist nur der Trostpreis und immer wenn der Mond scheint, denk ich da ist noch Luft nach oben^^!"

Die erste Woche ist vorbei. Unendlich viele eindrücke Prasseln auf mich nieder. Und es geht mir GUT! Die Menschen sind unglaublich! Eigentlich mag ich alle! Unsere Klassenlehrerin ist etwas älter aber sie Scheint auch lieb zu sein. Die dreitägige Stufenfahrt hab ich gut überlebt. Ich habe genug gegessen und mich mit ein paar Leuten angefreundet. Hab zu viel geraucht, weil das ein Glück - so gut wie alle tun :) Und hab eine ganze Nacht am Lagerfeuer verbracht. 

Mit Mom hab ich im Moment Mega Stress aber es geht schon irgendwie. Ich lasse mir von ihr jetzt nicht mein gutes Leben vermiesen. Nicht schon wieder.

Ein ganz liebes Mädchen, A. mag ich besonders :) Sie ist total lieb und hat eine Art an sich die man einfach mögen muss. Auch D. und vor allem T. und noch ein paar andere Mädels mag ich echt gerne, aber mit den drei hatte ich bisher am meisten zu tun. 

Heute Nacht waren wir auf einer Party und haben uns dort getroffen. Habe ein bisschen was getrunken, eine halbe Packung Kippen verraucht und ihnen Frii vorgestellt. Bis um kurz vor 4 saßen wir noch draußen und haben geredet und gelacht und es war einfach schön. 

Ich lebe wieder. Denke ich. Zumindest fühlt es sich so an.. Irgendwie! 




Freitag, 5. September 2014

»253«

Wenn man weiter oben ist, kann man umso tiefer fallen. 

Seine Worte zerschmettern an meiner Eiskalten Fassade. Sitze auf meinem Zimmerboden. Habe ein halbes Körnerbrötchen mit Frischkäse in der Hand, als Dad per FaceTime anruft. Bin kurz davor ihn weg zu drücken, weil ich am essen bin. Gehe aber dann doch ran. Unterhalten uns. Er fragt nach meinem Tag. "Habe viel geschlafen!" Antworte ich. 
"Ich dachte du wolltest in's Studio?" "Ja schon, aber das Abo läuft heute eh aus" versuche ich zu erklären. Kaue vorsichtig weiter und sehe wie er lacht. "Also werden 'wir' jetzt gleich wieder Fett!" 

Meine Gesichtszüge verrutschen auch wenn er das nur so als Spaß mit liebem Unterton gesagt hat und ich eigentlich weiß das er das nicht so meint, bleibt mir der bissen fast im Hals stecken. "Danke!" sage ich und lege auf. Renne den Tränen nah, ins Bad und übergebe mich. 

»Siehst du, wenn du so weiter machst - bist du gleich wieder bei deinem Höchstgewicht!« 
"Aber.. Irgendwas muss ich essen."
»Du musst garnichts!« 
"Aber..."
»Nichts aber. Willst du Fett werden? Willst du das dich nächste Woche in der neuen Schule alle gleich als Fett Kuh abstempelt oder dich am besten gleich wieder damit aufziehen? Willst du das ? Dann bitte, Friss nur so weiter. Los mach ruhig, aber beschwer dich nicht wenn du noch Fetter wirst!«
"..."
»Auf einmal so kleinlaut was? Ich habe dir ein paar Tage zugesehen wie du angefangen hast dich zu verunreinigen aber jetzt ist damit Schluss oder willst du morgen gleich wieder das 10 Fache auf der Waage sehen?«
"Nein!!" 
»Siehst du, also es ist doch alles ganz einfach du isst morgen einfach wieder so wie früher und alles wird wieder gut.«
"Früher habe ich fast nichts gegessen."
»Dann mach das wieder so, war doch ganz einfach und dir ging es doch gut!«
"Naja.. Ich will da aber nicht wieder hin!"
»Warum denn nicht? War es nicht schön zu sehen wie am Ende immer wieder (fast) jeden Tag weniger auf der Waage war? War das nicht gut für dich? Hat dich das nicht festgehalten?« 
"Doch schon.. Aber das ist nicht richtig!!"
»Du weißt warum dich nimand mehr will. Warum Cii sich seit Tagen nicht mehr bei dir meldet. Du weißt genau wieso sie dich nie geliebt hat!«
"Das ist nicht wahr!"
»Du weißt ich hab recht, du willst es nur nicht wahr haben!«
"Lass mich in Ruhe!"
»Wieso denn, wir unterhalten uns doch nur!«
"Geh aus meinem Kopf raus!"
»Ich bin in deinem Kopf. Ich bin du. Du bist ich. Und weil du, ich bist, ist es meine Aufgabe dafür zu Sorgen das dich jeder mögen wird. Das du neue Freunde findest und das du gut in der Schule bist. Es ist meine Aufgabe deinen Kopf frei von allem außer deinem Lernstoff zu halten, damit deine Noten gut sind. Es ist..«
"Sei leise, bitte.."
»..meine Aufgabe dafür zu Sorgen das du schön bist! Wir kriegen das schon hin!«

Am Morgen aufgewacht. Aufgeräumt. Briefe verschickt und um 12 Uhr los zur Thera. 
Weiß nicht über was ich reden soll. Wieder Lügen? Sagen das es mir gut geht. Das alles okay ist? Weiß nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Und das in jeder Hinsicht, schon seit Jahren nicht. Kenne keine Grenzen, weil mir nie jemand welche Aufgestellt hat. Die Sekretärin lächelt freundlich als ich, zwei Stunden später zur Tür herein gestolpert komme. ''Hallo'' spreche ich ihr freundlich zu und lächle. ''Ich gebe ihr bescheid das sie da sind!'' Wie immer nehme ich auf den Selben Stühlen Platz. Ein Großer alter Holzstuhl mit weichem Stoff bezogen. Dunkelgrün. Ich mag dunkelgrün nicht. Händeschütteln. Sie zuckt zusammen, weil meine Hand Eiskalt ist. Wir lachen. Der Herbst bringt jedes Jahr die altbekannten Eiskalten Hände zustande. Ihr habt richtig gehört ich bin mittlerweile vollkommen im Herbst Modus. Laufe mit Strickpulli, Parka und tiefschwarzem Loopschaal umher und bringe das Laub unter meinen Füßen zum rascheln. Setze mich im Raum auf meinen Platz. Sie schaut mich erwartungsvoll an, ich schweige. Gequatsche über die Schule. Über meine Zukunftsangst. Über mich. Über Dad. Über Oma. Selbst über Mom verliere ich ein paar Worte. Als wir eine Kurze Pause machen, weil ich etwas Trinken will fragt sie mich etwas. 


''Du hast abgenommen oder?'' 

Nicht die auch noch, denke ich. ''Ja etwas..'' Auf einmal beginnt sie mich Sachen über mein Gewicht usw. zu fragen und wie viel ich abgenommen habe und wie schnell und durch was und das überfordert mich unheimlich. Zum ersten mal kommen wir meinem eigentlichen Problem verdammt nah. Bekomme angst. Lüge bei manchen Sachen. Sage aber auch die Wahrheit. Es ist eine Mischung aus ''Sie würde mir eh nie glauben wenn ich ihr sagen würde das Essen mein größtes Problem ist.'' und ''Ich bin Fett, niemad glaub das ich auch nur in entferntester Weiße Krank bin. - Nicht auf diese Weiße.'' 

Was dann passiert ist interessant. Sie warnt mich. Sie warnt mich vor etwas, in dem ich schon so tief drinstecke, dass es mir immer wieder den Atem raubt. Irgendwann erzähle ich ihr von einem Tagebucheintrag. 

"Liebes Tagebuch, 
Heute ist Montag und zwar der 22.2.2008.
Mami schaut Skispringen.
Ich habe mich kurz verkrochen. 
Vom 10.2 bis zum 22.2 habr ich 4kg abgenommen.
Aber es isz immernoch zu viel sooooooooon Mist!
Bis demnächst Tagebuch,
deine Lena"

Natürlich wandele ich das ganze ein wenig ab. Man muss ihr ja nicht gleich auf die Nase Binden, das ich damals schon viel zu krank gedacht habe. Erzähle ihr das ich es schade finde, das mich mein Gewicht schon als Kind so sehr eingeschränkt hat. Das die kleine Lena damals eigentlich doch auch nur geliebt werden wollte. Das sie einfach nur einmal akzeptiert werden wollte. Möchte ganz schnell weg aus dieser Situation. Will weg von diesem Thema. Will einfach weg. Stattdessen sitze ich da und bin kurz vor einem Zusammenbruch. Tränen stauen sich auf und ich schaue sie nicht mehr an, als sie auf mich eintextet. Die Worte Prallen an mir ab und erreichen nicht mal meinen Gehörgang. Alles rauscht. Bin weg. Habe mich verloren, irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart. ''Hörst du mich? Hallo, Lena?'' fragt sie mich mehrmals. War wohl etwas zu offensichtlich, das ich ihr nicht mehr folgen kann. ''Wo bist du gerade?''
Also fange ich erneut damit an das ich schreckliche Angst vor der Kommenden  Woche habe und das ich will, das alle mich mögen und das wir uns verstehen. Das sie mich so nehmen wie ich bin und das alles einfach wird. Doch in wirklichkeit bin ich so viel weit weg. Verschollen. Irgendwo im Nirgendwo. Nach einer weiteren Weile gerede und geschweige verabschieden wir uns. Auf dem Weg zum Bus platzt mir fast mein Trommelfell. Aber so muss dass sein. Im Bus fange ich an zu denken und zu weinen und ich will einfach nur weg von diesem Ort. 

Eine Halbe Stunde vergeht in der ich am Bahnhof auf den nächsten Bus warte. Zuhause angekommen schmeiße ich meine Sachen auf den Boden, räumen mein Zimmer teilweise auf und lege mich auf mein Bett. Fast eine Stunde lang schaue ich mir meine Zimmerdecke an. Studiere die feinen Risse, die sie hat und das Licht, dass durch den Rolladen dringt und kleine Lichtpunkte hinterlässt. 

Und jetzt? Haben wir 00:03 und ich bin wach und todmüde. Habe genau 400ml getrunken und 0 Kalorien zu mir genommen und so viel Wasser aus mir raus geheult das ich mich frage, wie es sein kann das immer noch ab und an ein paar Tränen ihren weg aus mir heraus finden. Will einfach nur schlafen. Aber kann nicht. 

Mein Leben ist ein Scheiterhaufen. Irgendwann ist auch das letzte bisschen abgebrannt. Der Rauch verzieht sich und nichts ist mehr übrig. Leben? Was rede ich denn da? Was heißt das denn schon? 
Bin so durcheinander. Kann mal jemand das Chaos in meinem Kopf sortieren? Vergangenheit. Zukunft. Gegenwart. Alles verschmilzt zu einer Tiefschwarzen Mischung aus Angst. Und sie erstickt mich. 


Montag, 1. September 2014

»252«

Wir laufen den steilen Berg hinauf. Direkt auf den Wald zu. Dunkele Wolken färben den Himmel ein aber unser Glück nimmt uns niemand. Mein Herz hüpft. Wir rennen - Frii und ich. Gefolgt von einem Mittelgroßen braunen Wallach in besten alter. Der Sattel ist schwarz und hat kleine Hellbraune Lederstücke eingenäht. Auf den Bügelriehmen steht in Druckbuchstaben Luxor geschrieben. Der liebe ℗ steht still während ich aufsteige und lässt sich brav den Gurt nachziehen. Bügel kürzer stellen, weil meine Beine nicht so lang sind wie Frii's und weiter unterhalten. Im Schritt laufe ich neben ihr her und wir quatschen und ich lächele.

Nachdem Frii für 3 Wochen in Frankreich war, sagen wir und Samstag endlich wieder. Die große Weiße Haustür öffnet sich gerade als ich durch das Arbeitszimmer Fenster Frii's Mami aufgeregt zuwinke und diese somit zum Lächeln bringe. Blicke wieder nach vorne. Da steht sie. Meine liebste Frii mit braungebrannter Haut und dem süßesten Grinsen der Welt im Gesicht. Wir fallen uns um den Hals und ich möchte sie einfach garnicht mehr loslassen. Nach einer Ewigkeit gehen wir rein und ihr kleine Hund springt mich an und will geknuddelt werden. Nachdem der kleine auch begrüßt ist rufe ich einmal durch's Haus "Halllooooooooooo" und von oben kommt ein leises "Hey Lena"  von Frii's Bruder der in seinem Zimmer sitzt und Playstation spielt. Wir unterhalten uns über den Urlaub und all solche Dinge. Was in den letzten Wochen so passiert ist und all das. Später gehen wir kurz zu ihrer Mami und unterhalten uns mit ihr. Zuerst nur über Fußböden, später über wichtigere Dinge. Über unsere Ausbildung und die Wohnung. Über den vermeintlichen Auszug der alten Dame die unsere 2 Zimmer Wohnung belegt. Keiner von ihnen hat die Hoffnung aufgegeben das Frii und ich noch dieses spätestens nächtest Jahr eigenständig in einer Wohnung Leben werden. Freude. Manchmal wünschte ich, ich könnte diesen Menschen einfach erzählen wieso ich so dringend ausziehen möchte. Wieso ich weg will. Aber dann habe ich Angst das mir niemand glaubt. Dieser "Familien" schein den Mom immer spielt wenn irgendwer da ist - trügt zu sehr. Manchmal ein bisschen zu sehr, aber das spielt keine Rolle. Unterhalten uns über Lösungen mit dem Platzproblem. Überlegen wie man in der Küche möglichst viel auf wenig Raum platzieren könnte und unterhalten uns. Lachen. Sind einfach fröhlich. Vielleicht weil wir alle nicht genau wissen wie die Zukunft aussehen wird. Die Ungewissheit macht uns alle so gleich. 

Die Hufe von ℗ klappern, obwohl er ohne Eisen unterwegs ist, auf dem Asphalt. Als Frii ihren Satz zu Ende spricht sieht sie mich an und nickt mit ihrem Kopf nach rechts auf eine große Wiese. Ich lächele und nicke. Dann bin ich weg. Flitze mit meinen ausgelaufenen Nikes, Jeans und einem Fahrradhelm von Frii über eine Wiese Berg auf. Frii lasse ich hinter mir. Das Gefühl schneller als der Wind zu sein fängt mich ein und zieht mich in seinen Bann. Vielleicht ist es auch der liebe ℗, der meine teilweise verwirrenden Kommandos befolgt. Das Pferd ist großartig. Spanier. Temperament aber hat auch deutsches Gemüt. Ist gehorsam, teilweise etwas Überdreht und spürt das ich ihn für diesen Moment liebe. 

Denn in diesem einen Moment wenn du spürst wie du lebst. Gemeinsam. Alleine. Und du fliegst. Und deine Hand in die Luft hebst und Worte in die Luft rufst, die sich im Wind und an Bäumen verfangen und nicht weit kommen, während du immer weiter davon driftest, da bist du Frei und unendlich Glücklich. Nach einer kleinen Volte und ein paar einfachen Bahnfiguren kehren wir zu Frii zurück. Die ihr lächeln kaum unterdrücken kann.

Als ich wieder neben ihr her reite. Verlassen ihren Mund ein paar Worte die mich erschrecken:

"Es ist so schön zu sehen wie du anfängt zu Leben, Lee" 

Ich lächele. Ich lebe wieder. Es ist schwer. Aber ich bin kein Totes Mädchen und keins das es werden wird. Ich bin noch lange nicht gesund. Ich habe meine Probleme. Ich esse immer noch zu wenig und kotze zu viel. Aber ich habe ein Gefühl dafür was richtig ist und was nicht. Und krank sein ist falsch. 

Später macht Frii auf einem Feldweg von weiter vorne ein Video von mir. Und weil ich weiß das sie ein Video macht schleichen sich kontrollgedanken in mein Hirn. Sitz gerade. Nicht zu viel Hohlkreuz aber auch nicht zu wenig. Schultern gerade. Kopf nach vorne. Beine und vor allem Knöchel an der richtigen Stelle. Fersen nach unten. Zügel in beiden Händen, kleinen Finger aus dem Zügelgriff raus. Nicht zu viel mit der Hand machen. Gebiss - druck gering halten. Nicht zu viel mit der Hinterhand machen. Aber auch nicht zu wenig. Rechts oder Links-Galopp. Nicht zu viel schenkeldruck sonnst fetzt er zu viel. Nicht zu wenig sonnst verlieren wir an Tempo. Man könnte meinen wir würden vor einem Dressurtunier stehen und würden von irgendwelchen Preisrichtern beobachtet. Vielleicht versteht ihr jetzt warum ich Springreiten mehr mag? Das ist mir alles viel zu ordentlich, auch wenn man sich die ganzen Fragen vor einem Springen auch stellen kann. Naja nun gut sie nimand das ganze mit meinen Trotz - Kopf - Kontroll - Fehlern auf und lässt mich an manchen Stellen im Nachhinein nur den Kopf schütteln. 

Aber es war trotzdem schön. Danach haben wir etwas später gewechselt und Frii ist etwas geritten. Mehr im Schritt weil sie später noch in die Halle wollte. Kurz vorm Ende durfte ich das letze Stück nochmal kurz drauf und bin im schrit bis kurz vor den Hof geritten. In der Halle hat Frii den lieben ℗ dann fertig ausgepowert und ihn etwas frei laufen lassen. Sprich ohne Sattel und Zügel und sowas. Ich laufe ein bisschen durch die halle währen Frii sich die Videos anschaut die ich von den Beiden gemacht habe. Laufe ein bisschen neben dem Braunen Fell und dem warmen Herz her und sehe im zu wie er fröhlich herumgaloppiert. Laufe am Ende nochmal etwas neben ihm her und dann läuft er mir hinterher. Rechts rum. Links rum. Gerade aus. Nur seitlich nicht aber das ist schon mal richtig gut. Wir freuen uns alle drei und machen den großen Weide fertig. 

Der Tag war so schön und aber auch so anstrengend das ich wieder bei Frii angekommen in der Coutch einschlafe. Später kochen wir noch einen Teller Nudeln mit Tomatensoße für jeden, den ich mit etwas Zeit und ein paar ausseinandersetzungen mit meinem Gehirn geschafft habe. 

Um halb 9 holt Dad mich ab und ich bin so dankbar für diesen Tag und Frii weiß das und sie lächelt nur und meint "wir wiederholen das:)" und ich falle ihr zum Hundertsten mal um den Hals und sage ihr Danke. Danke das es sie gibt und Danke das sie mich zum Glücklichsten Menschen der Welt macht. Danke für ein Stück Leben. Danke für alles. Danke das sie meine beste Freundin ist und zum ersten mal eine wahre! ❤️