Mittwoch, 9. Juli 2014

»234«

Das Dämmerlicht dringt von draußen durch die Fensterscheibe hindurch. Es regnet schon eine ganze Weile.
Das Nasskalte Wetter macht es mir nicht gerade leichter mich gut zu fühlen. Normalerweise mag ich Regen und Nebel und all das. Aber die Einsamkeit macht es nicht besser, dieses Gefühl. Leere. Würde man mir ein Wort ins Gesicht hauchen, hätte ich es wahrscheinlich in Form eines Echos wieder aus mir heraus Katapultiert. Aber keiner Spricht. Niemand ist hier. Sauge die Stille auf. Liebe es nichts tun zu müssen. Daliegen. Schlafen. So geht das den ganzen Vormittag. Habe einfach keine Kraft mehr. Kann nichts tun.
All der Optimismus ist verflogen. Die Hoffnung, sie ist wieder verschwunden. Begraben unter einem Berg voll Angst und bösen Worten. Kriege es nicht aus meinem Kopf. Kriege diese Verdammte Stimme einfach nicht aus meinem Kopf. Würde alles tun, würde alles sein. Wenn es nur aufhören würde. Nur für einen Augenblick. Einmal wirkliche Ruhe. Ohne sich wegen des Nichtstuns schlecht fühlen zu müssen. Ohne Schlechtes Gewissen. Vielleicht geht es mir im Moment so schlecht weil am Freitag die Abschlussfeier ist und ich dort in Kleid und High - Heels antanzen werde. Vielleicht komme ich deshalb so wenig mit mir klar?

Um ehrlich zu sein, weiß ich genau woran es liegt. So stark der eine Teil in mir auch ist, ein größerter Teil ist es noch nicht. Nach dem Streit mit Julia ist mir alles so schrecklich egal geworden. Alles was mich selbst betrifft. Sie nicht, immer noch nicht.

Versuche zu vergessen, weil es mal wieder das einzige ist was ich tun kann. Aber es hilft nicht. Der größere Teil in meinem Gehirn spricht immer wieder ihre Worte aus und quält mich. ''Ich wäre froh wenn du dich damals umgebracht hättest.''  Die Tatsache das sie mir wünscht, das ich tot wäre macht es schwierig weiter zu kämpfen. Weiter kämpfen zu wollen. Ich weiß, darf so nicht denken, aber es ändert nichts an der Tatsache das ich es trotzdem tue.

Am Nachmittag habe ich 2 Tassen Wasser in einen Topf gekippt und Gewürz dazu geworfen.
Das bedeutet bei mir Suppe. Das ist alles so gestört. Wieso bin ich so? Will so nicht sein?
Kann es trotz allem nicht abschalten. Zu schwach. Kann nicht mehr. Aufgegeben - dank dir.

Manchmal habe ich das Gefühl ich bin gar nicht mehr wirklich teil dieser Welt. Worte erreichen mich nur schwer und meine Konzentration genügt nicht einmal um einen Post zu lesen und dazu dann ein Kommentar zu schreiben. Noch bevor ich am Ende eines Satzes ankomme, vergesse ich den Anfang bereits wieder.
Was wahrscheinlich größtenteils daran liegt, dass ich nichts essen kann. Von meinem Kopf aus.

Es geht einfach nicht. Was ist nur los mit mir? Mein Mund fühlt sich so an, als hätte ihn irgendwer zugeschnürt und meine Lippen vernäht. Alles ist so unendlich schwer. Noch zwei Tage Lena, Atmen.
Nur noch zwei Tage.





Kommentare:

  1. Och Lee,
    das macht mich so unendlich traurig zu lesen, dass es dir so schlecht geht. Du solltest sowas nicht denken, schon gar nicht, dass du besser nicht mehr da wärst oder so, nur weil sie das gesagt hat. Sie hat keine Ahnung wie wundervoll du bist und ich bin so wütend, dass sie dich so kaputt gemacht hat. Liebes, ich wünschte, ich könnte für dich da sein. Einfach da sein. Dich in den Arm nehmen und nicht mehr los lassen. Bald bist du bei mir und dann werden wir ein wundervolles Wochenende verbringen und ich hoffe, dass du dann mal etwas wenigstens abschalten kannst. Liebes, wenn was ist, dann bin ich für dich da ja! Einfach schreiben, anrufen, was auch immer. Ich höre dir gerne zu und sage auch gerne einfach mal nichts. Man scheiße, es nervt mich, nicht bei dir sein zu können grade...
    Ich werde an dich denken, wenn du Freitag den Abschluss hast und ich bin mir sicher du siehst wundervoll in deinem Kleid und den tollen Schuhen mit Goldrand aus! :)
    Ich hab dich sehr lieb und fühl dich ganz ganz ganz lieb umarmt okay!! ♥♥

    AntwortenLöschen
  2. Du sprichst mir so aus der Seele.
    Bleib stark <3

    AntwortenLöschen
  3. Kannst du deinen Kopf nicht überzeugen mehr zu essen?
    Bitte mach dich nicht kaputt, du bist so viel wert. Du kannst und darfst essen.

    Ich mach mir Sorgen.
    Die Anonyme

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebste Anonyme ❤️
      Leider nicht nein.. Ich glaube es ist sehr schwer zu verstehen, wenn man selbst keine Essstörung hat. Es heißt nunmal nicht umsonst Störung. Das alles ist so verrückt. Toll und was habe ich davon? Nicht mal ein Kilo.
      Süße um mich nicht Kaputt zu machen ist es schon zu spät.
      Und bitte bitte mach dir keine Sorgen! Ich schaff das schon!
      Danke! Liebe Grüße, deine Lee :)

      Löschen
    2. Quatsch! Es ist nie zu spät, was zu ändern und man muss nicht immer kaputt bleiben.
      Was isst du denn pro Tag so? Kannst du mir erklären, wie es mit Essstörung ist?

      Viele Grüße,
      Die Anonyme

      Löschen
    3. Im Moment, pro Tag? Zu wenig. Meist unter 100kcal. Wird es mehr erbreche ich. Ich weiß nicht ob man eine ES erklären kann, ich denke es ist schwer zu verstehen. Sobald ich mehr esse ist es einfach so als würde ich wie ein Schwamm aufgehen. Trocken und unbefüllt ist er leicht aber sobald er das Wasser aufsaugt ist er schwer und riesig und ich hasse dieses Gefühl. Hasse mich. Das ist wahrscheinlich das größte Problem. Irgendwie fühlt es sich so an als würde der eigene Kopf - also die Kranke Seite gegen den Rest rebellieren! Natürlich hat man Einfluss darauf wie viel Raum man seine Essstörung gibt. Ich gebe ihr zu viel, weil es so Momentan der einzige Weg ist weiter zu machen. Auch wenn es mich kaputt macht. Das Gemeine ist eben durch die Unterfunktion meiner Schilddrüse und die Falsche Medikamenten Dosierung bin ich eben wirklich tatsächlich Fett obwohl ich teilweise Wochenlang nicht viel gegessen habe. Manchmal würde das Gewicht sogar mehr, von 200 - 300 Kalorien! Das ist nicht normal. Ich habe keine Wahrnehmung für meinen Körper, habe immer noch das Gefühl ich bin genau so Fett wie noch vor 2 Monaten obwohl ich mittlerweile 14 Kilo leichter bin. Es ändert sich nichts, Krank sein ist Kopfsache und meiner ist verrückt.. Ich weiß nicht ob das alles irgendwie Sinn macht aber die Essstörung hält mich irgendwie am Leben, am laufen, an weiter machen auch wenn sie mich eigentlich nur noch mehr tötet. Jeden Tag ein Stück weiter. Und ich bin selbst Schuld!

      Klar ist es nie zu spät (außer man ist tot wie M., dann schon!) aber ich glaube nicht das ich es alleine noch einmal da raus schaffe. Und meiner Therapeutin kann ich davon nicht erzählen. Es ist einfach absurd Fett zu sein und gleichzeitig Magersüchtig. Es ist so absurd aber es ist wahr. Und das ist das alle grausamste an der ganzen Sache. Ich könnte schon morgen vielleicht sterben und alle würden denken es wäre ein Herzinfarkt vielleicht würden sie denken mein Herz hätte schlapp gemacht eben weil ich so Fett bin aber die Wahrheit kennt niemand. Außer ihr, hier!

      Liebste Grüße,
      Deine Lee ❤️

      Löschen
    4. Danke für die Erklärung. Wenn du mit den Medikamenten richtig eingestellt bist und gesund isst und dich bewegst, sollte sich dein Gewichtsproblem nicht lösen? Das wäre doch besser als zu hungern. Entspannter und gesünder sowieso.

      Meinst du nicht, du kannst dir helfen lassen? Oder willst du eigentlich nichts ändern, weil du dein Leben so magst wie es ist?

      Liebste Grüße,
      Die Anonyme

      Löschen
  4. Ich schicke dir ganz viel Kraft, dass du ganz bald wieder normal essen kannst.
    Gewicht ist nur eine Zahl und es definiert nicht, wie jemand ist. Ich weiß, wenn man einen Essstörung hat klingt das vielleicht lächerlich, weil es schwer ist das alles noch in geregelte Bahnen zu lenken, aber ich hoffe du bleibst ganz, ganz stark und kämpfst weiter dagegen an! ♥

    AntwortenLöschen
  5. Das was du schilderst kommt mir bekannt vor.
    Ich hoffe dir geht es bald besser. Pass auf dich auf!:)

    AntwortenLöschen