Donnerstag, 5. Juni 2014

»222«

Rennen und stolpern. Hinfallen und aufstehen. Liegenbleiben.Es ist schlimmer geworden, das allein sein.
Eigentlich bin ich nicht alleine, da sind so unendlich viele Menschen die mir wichtig sind. Diesen ich allerdings nicht einmal im entferntesten so viel bedeute wie sie mir. Genau das ist mein Problem.

Am Montag hatte ich eine Sitzung bei Fr.S und zum ersten mal seit 1 1/2 Jahren fühle ich mich von ihr irgendwie verstanden. Nachdem der Schulmorgen grässlich verlaufen war, hatte ich beschlossen mit dem Rad zur Therapie zu fahren. Während ich fahre und fahre und fahre und fahre und die Autos an mir vorbei ziehen, wie Vögel im Herbst in den Süden, lege ich mir unendlich viele Sätze zurecht, die ein Gespräch eröffnen könnten. Als ich dann auf einem kleinen Feld kurz angehalten habe um Bilder zu machen ist mir klar geworden das ich meine Worte nicht einfach planen kann, deshalb lies ich es sein.

Kurz vor meinem Ziel bin ich wie immer zögerlich. Es ist einfach unheimlich verängstigend in den Kreisel hinein zu fahren der die Abzweigung zwischen der Psychiatrischen Klinik, von meinem eigenen Weg trennt.

Als ich ein paar Minute zu früh, die Grüne (verdammt schwere) Metalltür aufschiebe und den Hausflur betrete riecht alles wie immer. Es riecht Modrig und nach Chemie. Steril irgendwie. Aber dieser Geruch nach Verwahrlosung, der drückt sich selbst durch die Wände des warm orangenen Gebäudes.

Die Treppen hinauf und dann an der Glastür Klingeln. Die Sekräterin kommt und öffnet die Tür.
''Hallo liebes'' Ich muss etwas lächeln. ''Frau S. ist gerade noch in einer Sitzung, du wirst noch einen Augenblick geduldig sein müssen.'' teilt sie mir mit. ``Kein Problem`` sage ich und setze mich auf einen der großen Sessel die im Eingangsbereich stehen.

Kurze Zeit später kommt Fr.S dicht gefolgt von einem Mädchen um die Ecke. Dunkelbraune Haare. Braune Augen. Schwarze Jeans - Blaues Oberteil mit weißer Aufschrift. ''Ich komme gleich zu dir ja!'' sagt sie während sie mir zur Begrüßung die Hand drückt und mich freundlich anlächelt, nur um gleich darauf in einem anderen Zimmer zu verschwinden.

''Hey. Auch hier?'' fragt eine leise, freundliche Stimme. Die sich gerade an ihrer Jacke zu schaffen macht um sie vom Kleiderhaken zu nehmen. ''Sieht ganz so aus..'' Irgendwoher kommt sie mir bekannt vor, aber ich weiß nicht woher. Noch bevor ich fertig überlegen kann ertönt ihre Stimme erneut und füllt den Raum mit den Worten ''Bis Bald''! ''Machs gut'' hauche ich in ihre Richtung bevor die Tür ins schloss klinkt.

Fr.S geht mit mir wie immer in den ein und selben Raum.
Mein Platz ist links neben der Tür, ihrer gegenüber. Ich blicke in Richtung Fenster.
''Hallo Lena, wie geht es dir denn?''
Immer die selbe Antwort. Gut was denn auch sonnst?
Wir wissen beide das es mir nicht gut geht aber das gut macht es irgendwie erträglicher.
''Hast du für heute etwas bestimmtes Mitgebracht?''  JA.

Ich bin selbst erstaunt von meiner Antwort und noch erstaunter bin ich darüber das ich die Komplette restliche Zeit mit Positivem gerede über Julii fülle.

''Wissen sie es ist nicht okay, das sie mich so benutzt. Ich glaube, nein ich weiss ich habe ein recht darauf das es mir gut geht und sie hat mir in den letzten Monaten viel zu oft das Gefühl gegeben nichts wert zu sein, aber das Stimmt nicht. Es ist ein unterschied ob ich mir selbst nichts wert bin oder anderen. Vielleicht bin ich mir selbst ja auch nichts Wert, aber ich bin etwas Wert. Ohje das klingt so komisch, entschuldigen sie. Aber es ist einfach nur weil sie mein Leben war, heißt das doch nicht gleich das ich deswegen jetzt mein Leben nicht selbst übernehmen darf. Ich will Leben wissen sie. Ich will Glücklich sein und  dazu brauche ich Abstand - von ihr. Aber so sehr ich auch versuche sie von mir fern zu halten, es klappt einfach nicht. Und ich will dass sie mich in ruhe glücklich werden lässt ohne mir meine Fortschritte (zumindest im Kopf) kaputt zu machen. Ich will keine Fußmatte sein und kein Apfel den man Abnagt und einfach so weg wirft, weil er seinen Zweck erfüllt hat. Es gibt wege um besser zu werden, aber sie ist nicht das was ich immer von ihr dachte. Sie ist keime Stütze, sie ist ein Hinderniss. Eins auf das mann mit 4 Galoppsprüngen zurast nur um zu bemerken das es der Falsche weg war.''

So viel habe ich noch nie mit ihr gesprochen, erst recht nicht an einem Stück und wenn ich jetzt so darüber nachdenke dann ist es Richtig was ich gesagt habe. Julii tut mir einfach nicht gut und ich will sie nicht brauchen, macht das Sinn? Sie ist nicht der Richtige weg um Glücklich zu werden. Sie war es vielleicht mal, aber sie ist es nicht mehr und ich kann mich nicht mein ganzes Leben lang an die Vergangenheit klammern nur weil ich hoffe das es irgendwann einmal wieder so wird wie früher. Ich habe ein Recht darauf mir Abstand von Menschen zu nehmen, die mir nicht gut tun. Ich habe ein Recht auf Leben. Ein recht darauf Glücklich zu werden.








Kommentare:

  1. Ich finde es echt stark, dass deine Therapie heute so erfolgreich war! Ja, du hast verdammt noch mal das Recht darauf, glücklich zu sein und da darf dir keiner im Weg stehen. Und vielleicht hat sie dir früher gut getan, aber wenn das jetzt nicht mehr so ist, dann solltest du versuchen Abstand von ihr zu gewinnen. Denn du kannst nicht glücklich werden, wenn du mit einem Menschen zu tun hast, der dir nicht gut tut. Liebes, ich hoffe wirklich für dich, dass du irgendwann glücklich sien kannst, denn das hast du verdient. Und ja du bist etwas Wert und es ist schon mal sehr gut, dass du das weißt. Auch wenn du das irgendwie noch nicht so wirklich annehmen kannst.
    Liebes, ich bin für dich da und hab dich lieb! ♥
    Fühl dich ganz lieb umarmt ja! ♥

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  2. Es tut gut mit einem Menschen zu reden, der die ganze Sache ganz neutral nimmt. Auch wenn es einem am Anfang vielleicht schwer fällt sich jemandem zu öffnen. Aber das allein ist schon mal ein riiiesen Schritt, auf den du stolz sein kannst. Ich wünsche dir weiterhin gaanz viel Erfolg und Glück in deiner Therapie. Du schaffst das! ♥

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