Montag, 21. April 2014

»205«

Am Donnerstag bin ich mit ein klein wenig Verspätung in xyz gelandet. Wie verrückt suchen meine Augen die Menschenmassen ab. Nichts. Rechts. Nichts. Links. Nichts. Ich drehe mich um. Nicht weit entfernt sehe ich das schöne Dunkelblau ihres Mantels aufscheinen. Wie ein Toter das weiße Licht in den Himmel. Wärme legt sich über mich, die ich in den letzten 49 Tagen wirklich schrecklich vermisst hatte. Wir laufen beide schneller und dann kann ich meine Lia endlich wieder in die Arme nehmen. Ihr Papi steht hinter uns und ich sage flüchtig über ihre Schultern hallo zu ihm. Dann als wir uns wieder los lassen gebe ich ihm die Hand und Lia sagt ganz Freudig: "Das ist Lee :)" Wir laufen die Treppe vom Bahnhof zum Parkplatz und ihr Papi tägt meinen (vollkommen überladenen) Koffer. Irgendwie tut mir das Leid. Vor lauter verpeiltheit sage ich, ich steige hinten ein und öffne die Vordertür. Wir lachen! Am Anfang verstehe ich den Dialekt ihres Papi's nicht so richtig und nicke einfach mal. Leider ist Lia schon an diesem Donnerstag etwas krank und dieser Zustand verschlimmert sich:( Am Mittag kommt J. zu uns. Zuerst habe ich wirklich schreckliche Angst davor, dass ich ihr 1. irgendwelche bösen Wörter an den Kopf werfe oder 2. Das ich mich unmöglich verhalte oder 3. das sie mich nicht mag. Auf der anderen Seite bin ich froh das es J. gibt! Schrecklich froh auch wenn sie Lia wirklich verdammt weh getan hat und dafür mal eine odentliche Meinung zum Sachverhalt verdienen würde. Aber dann als J. da ist finde ich sie furchtbar nett. Und ich bin Froh das Lia sie hat und das sie sich mitlerweile wieder so verstehen. Wisst ihr, jeder macht Fehler. Und ich hoffe sie weiß das Lia wehtun ein großer Fehler war. 

Am Freitag haben wir J.'s Wohnung besucht und haben ein Geschenk für den Geburtstagsabend auf dem Lia und ich eingeladen waren gesucht. Also hat J. schnell mal eben ein tolles Mäppchen fertig genäht. Abends waren wir dann auf besagtem Geburtstag. Es war echt okay. Zwar ziemlich ungewohnt und ich kannte halt niemanden außer Lia aber zuhören ist für den Moment auch ganz okay. Es war trotz des Essens, okay. Nach 3 Stunden sind wir wieder gegangen, weil wir müde waren und weil es Lia glaube ich auch nicht so gut ging.

Am Samstag sind wir morgens zur Apotheke gelaufen weil es Lia wirklich nicht gut ging. Und Später konnte ich sie dazu bewegen doch mal bei einem Arzt vorbei zu schauen. Davor waren wir noch in der Stadt weil wir beschlossen hatten J. ein tolles Duschgelmonster Packet zu schicken. Und ich bin zum ersten mal Roller gefahren und auch wenn ich am Anfang totale Angst hatte war es cool und irgendwann hatte ich das Gefühl ich sollte Lia einfach mal vertrauen und nicht denken das ich, uns gleich auf den Asphalt haue. Wir fahren auch in einen Einkaufsmarkt und zum ersten mal in meinem Leben fühle ich mich nicht alleine verloren in dem ganzen Wirrwarr aus Essen und Kalorien. Man kann es mit einer einsamen Insel vergleichen. Es ist immer schöner irgendwo zusammen zu sein auch wenn es schwer ist. Am Abend haben wir das Duschgelpacket eingepackt und sie hat sich eine tolle Auspackanleitung dazu überlegt. Später kucken wir noch einen Actionfilm obwohl wir beide Ziemlich müde sind. 

Am Sonntag war ein ausruhtag. Wisst ihr es ist schön bei einem Menschen sein zu können, ohne andauernd angestrengt zu versuchen die Luft mit Worte zu füllen, weil man Angst hat es könnte den anderen Nerven. Seit Cii mich damals für dieses eine Jahr verlassen hat, hatte ich einfach aufgehört ich selbst zu sein. Bei jedem. Und es ist schön das ich mich bei Lia nicht verstellen muss. Es ist natürlich auch schön wenn wir reden. Es ist schön wenn wir rummy spielen (auch mit ihrem Papi), es ist schön einfach mal nichts zu tun. Es ist schön sich sicher und geborgen zu fühlen, weil niemand einen angreifen kann. Es ist schön das ich bei ihr sein durfte. Es ist schön das die Sonne scheint und wir spazieren waren. Es ist schön das es Lia gibt und das ich sie finden durfte. Am Abend war ich bereits furchtbar traurig, weil der Tag der Abreise immer näher gerückt ist. Und nachdem wir uns in der Küche mit Tee lange über Medizin und den Präp. Kurs und all das unterhalten hatten und sie mir einen Altas für den Körper gezeigt hatte war es schon furchtbar spät und so nah an Mitternacht. Wir reden noch ein bisschen und dann liegen wir einfach da. Irgendwann lege ich mich neben sie weil ich einfach keinen Millimeter zu weit Weg sein möchte. Sie erzählt viel und es ist schön. Ihre Stimme klingt leise und gleichmäßig und ich werde leider müde. Um halb 1 lasse ich sie schlafen und um 2 Schlafe ich ein. 

Am Morgen schläft sie noch und ich packe meinen Koffer aus um das Kaotische Kaos wieder zuklappbar zu machen. Später sitzen wir in der Küche. Sie hat mir meinen Lieblingstee gemacht war total lieb ist und ich überlege mal wieder viel zu lange was ich essen könnte. Ich weiß das ich irgendwas essen muss, sonnst schaffe ich die Zugfahrt nicht. Sonnst kriege ich meinen Koffer nicht auf die Doofe Ablage über den Sitzen und auch nicht wieder runter. Radieschen und Gurke landen auf meinem Teller. Nach dem Essen legen wir uns im Wohnzimmer auf die Weltallerbequemste Coutch und ich schlafe noch einmal ein. Danach gehen wir ein bisschen Spazieren. Sitzen auf derselben Wiese wie am Tag zuvor und sie ist etwas getrockneter. Keine Ameisen klettern an uns hinauf während wir Grashalme ausreißen und die Sonne aufsaugen. Etwas später stehen wir wieder auf und schaffen es bis zu einem See. Das Wasser glitzert schön von der Sonne und sie erzählt das man dort im Sommer Tretboot fahren kann. Ich erinnere mich an die Wasserskifreizeit in der ich von einem Tretboot geplatscht bin und wie wir im Wasser geplanscht haben. Ja damals - als 'Kinder' noch Kinder waren. Wir laufen weiter und ich scanne die Gegend wie gewohnt mit meinen Augen ab. Alles ist neu und groß und toll und ich kann nicht aufhören mich umzusehen. 

Als wir auf einem (riesengroßen) Festplatz ankommen, beschließen wir hindurch zu laufen. Ich sehe Farben und Menschen und Kinder die Lachen aber mir ist nicht ganz so wohl. Es riecht nach Essen. Nach altem Bratfett und Bratwurst. Nach Gebrannten Mandeln und Zuckerwatte. Nach Crêpes und Tailändischen Nudeln. Nach verpackten Losbudenkuscheltieren und wasserrutschen Wasser. Es riecht nach Schokolade und Fisch und es riecht nach Vergangenheit. Natürlich sieht es auch schön aus. Es ist schön Kinder fröhlich und aufgeregt zu erleben. Es ist schön mit Lia dort zu sein. Es ist egal wo ich bin, es ist schön bei ihr zu sein. Doch als wir den Platz wieder verlassen schnappe ich ersteinmal nach Luft. Sie ist nicht rein, aber sauberer als in der Menschlichen Masse. Wir laufen zu einer S-Bahn Haltestelle und fahren mit dieser zurück, was ich für eine sehr gute Idee halte. Ich bin Müde. Zuhause angekommen spielen wir noch ein bisschen Rummy und mit jeder Sekunde bekomme ich mehr Angst vor dem Abschied, weil ich wieder einmal nicht weiß wie lange er sein wird. Oder doch für immer:( Natürlich bin ich unendlich froh das Lia ein kleines bisschen besser isst aber ich habe Angst das sie das nur gemacht hat weil ich da war oder ich weiß nicht. Sie sieht trotz allem so schlimm aus. Nicht von der Schönheit schlimm aber vom körperlichen her. Selbst wenn sie zugenommen hätte.. Es fällt nicht auf. NIRGENS. Ihr Rücken ist noch genau so knochig wie vor 50 Tagen und ihre Finger sind noch genauso kalt. Ihr Körper sieht immer noch krank aus und ich habe Angst das es so bleiben wird. 

Liebe Lia,
Die Zeit mit dir war unbeschreiblich auch wenn es dir vielleicht nicht so vorkommt. Man schätzt Zeit mit besonderen Menschen wie dir viel mehr wenn man nicht weiß wie viel einem eben genau von dieser Zeit bleibt. Du hast es mir versprochen. Essen ist Leben. Ich hab es ja selbst gesagt. Und ich hoffe du verstehst was ich damit meine. Ich will noch unzählige Male mit dir irgendwo im Gras sitzen und mich unterhalten oder deine Bilderwand in deinem Zimmer begutachten um zu sehen wie immer mehr schöne Momente hinzu kommen. Dein Leben ist wertvoll Liebes! DU BIST WERTVOLL UND WICHTIG! Lebenswichtig für mich. 
Ich will dich nicht verlieren. Möchte dich lachend und glücklich sehen. 
Ich liebe dich! You never walk alone! 

Der Abschied von Lia fiel mir unglaublich schwer. Den ganzen Tag hatte ich Angst vor diesem Moment und dann war er da und alles ging so schrecklich schnell. Ich umarme sie ein letztes mal ganz fest und versuche einfach nicht zu weinen. Auch wenn mir die Tränen ins Gesicht geschrieben stehen. Dann finden wir den Richtigen Wagon und ich steige ein. Das letzte was ich sage ist: Du hast es mir verprochen. Dann mache ich mich auf die Suche nach meinem Sitzplatz. 
Sitz 22. Ganz vorne, Linke Seite. Irgendwann schließen sich die Türen und wir schauen uns durch die trüben Fenster an. Es tut unendlich weh los zu lassen. Als wir aus dem Bahnhof ausfahren kann ich nicht anders und fange an zu weinen. Natürlich ist es blöd über schöne Zeiten zu weinen, aber was wenn sie nie wieder kommen werden? Was wenn wir uns nie mehr sehen? Was wenn alles endet? Diese Angst wird mich nach M. wohl einfach immer und überall hin begleiten. Irgendwann sind meine Augen Rot und der Mann, der so freundlich war mir beim Koffer hoch schieben zu helfen, sieht mich an und danach wieder auf sein Apple Air NetBook - Laptop, was weiß ich. Er löscht Bilder und benennt sie. Der Typ gegenüber telefoniert mit einer Bekannten oder seiner Freundin. Als er auflegt, sieht er mich an und fragt vorsichtig was los sei. »Nichts. Nichts. Es ist nur.. Ich habe etwas vergessen« Das dieses Stück etwas ich selbst bin, sage ich ihm nicht. Ich habe das Lee Stück in mir einfach bei Lia gelassen, damit es sie beschützt und immer bei ihr ist und wenn wir uns wieder sehen habe ich es kurz wieder. Kurze Zeit später tut mir alles weh. Mein Bauch, mein Kopf, mein Rücken, meine Augen. Sogar meine Beine. Als würde man tausend kleine Nadeln in mich pieckesen. Das Vermissen transportiert sich nach außen. Der Zug wird voller und mein Ticket wird kein eines mal abgelocht. Als ich in F.a.M. ankomme steht Dad schon am Gleis. Er drückt mich und sagt das ich schrecklich aussehe. Und so fühle ich mich auch. Leer. Alleine. Kaputt. Und mir ist schlecht. Also gehen wir in eine Bäckerei und kaufen ein Brötchen. Das ich im Auto zur hälfte auf den Boden krümele und als die andere hälfte in mir verschwunden ist wird mir noch schlechter. Die ganze Zeit warte ich darauf das mir die Zerkauten Stücke den Hals hinauf kriechen und an der Scheibe kleben bleiben. Aber sie bleiben dort wo sie sein solleten. Also werfe ich 2 Schmerztabletten und eine gegen die 'Gedanken' ein und schlafe den Rest der Fahrt. Am Ende weckt er mich und ich erzähle noch ein bisschen. 

Und jetzt liege ich hier. 
Bin wieder wach.
Und hab die ganze Zeit,
nur an dich gedacht.

Licht ausgemacht. 
Nicht durchdacht.
Es ist Mitternacht.

Danke für die schöne Zeit!
Danke für jede Sekunde,
die du mir schenkst.
Danke das es dich gibt! <3

Ich vermisse dich Lia :( 



Kommentare:

  1. Liebes, das klingt doch nach einer tollen Zeit, die ihr hattet! Und es ist nicht fair, dass es dir jetzt so schlecht geht, nur weil du Angst hast, dass es das letzte Mal war, dass ihr euch gesehen habt. Du solltest versuchen, die tollen Momente zu genießen und sie in guter Erinnerung behalten, damit du, irgendwann glücklich darauf zurück schaust. Und ich bin mir sicher, dass ihr euch noch ganz oft sehen werdet!
    Alles Liebe und fühl dich gedrückt!!
    Lucy ♥

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  2. Ich bin so froh, dass es dir trotzallem gefallen hat Süße.. dieser Post klingt größtenteils so wunderschön und ich bin so froh, dass du hier warst und wir diese Zeit miteinander verbringen konnten :)
    Wir werden uns wieder sehen! Definitiv. Ich sterbe nicht einfach so Lee, und ich habe auch nicht nur mehr gegessen, weil du da warst, ich esse im Moment wirklich um einiges mehr und habe auch nicht mehr abgenommen :) Zunehmen.. naja.. das ist nochmal viel schwieriger und ich glaube ich bin erstmal ganz froh, wenn das Gewicht bleibt wie es ist.. aber ich kann mit diesem Gewicht überleben Süße und ich gehe ja auch immer wieder zum Arzt und lasse alles kontrollieren. Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Wie gesagt, versprochen ist versprochen :)
    Ich hab dich so lieb. Danke für die wundervolle Zeit <3 und bitte sei nicht so traurig, niemand kann uns die vielen schönen Momente nehmen :)
    'Distance means so little, when somebody means so much'
    :*

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  3. Natürlich bekriegt man sich in einer Art und Weise selbst, wenn man sich nicht akzeptieren kann und sich so annehmen kann, wie mann ist. Und sich so akzeptieren, wie man ist, das ist viel schwerer, als das einfach mal zu lesen und es dann zu tun. Wenn du dein Leben lang vorgehalten bekommen hast, wie schlecht du bist, dass du nichts Wert bist und dass du nichts, rein gar nichts kannst und dass du an allem Schuld hast. Weißt du, das ist nicht immer alles so einfach. Vielleicht will man sich sogar selbst bekriegen, um sich irgendwie selbst akzeptieren können...
    Naja, aber trotzdem danke für deine lieben Worte! ♥

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  4. Hey :) Freut mich wirklich für dich, dass du so eine schöne Zeit mit Lia hattest/haben wirst :)

    Und ich habe mir jetzt auch mal wieder in den Arsch getreten, dir zu schreiben.
    Danke für deine lieben Worte bei dem vorletzten Post. Hat mich richtig aufgeheitert als ich ihn gelesen habe.
    Zu deiner Frage, wer mir komplexe macht, das ist meine Mum. Ich bin durch die ES ziemlich dick geworden und sie ist ein wirklicher kontrollfreak, der dir sofort Vorwürfe macht, wenn man nicht so funktioniert, wie man es soll. Selbst eine Freundin hat schon gemerkt, dass sie einen an der Waffel hat... naja, ich sehe sie erst einmal nicht mehr.

    Wie ist eigentlich das Verhältnis zu deiner Familie so... irgendwie kann ich mich da an kaum was aus deinen Posts erinnern, aber ich vergesse eh vieles.. Musst nicht beantworten, ist mir nur gerade so eingefallen. Und das Thema frittiert mein Hirn schon seit Tagen^^

    Viele Liebe Grüße <3
    :3

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  5. Vielen Dank, Liebes!
    Ich hoffe es, ja...

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