Montag, 24. März 2014

»194«

Am Morgen verschlafen, weil ich nicht bereit war der Welt und dem Leben ins Auge zu blicken. Dann zum Bus gerannt. Eingestiegen. Musik aufgedreht. Einsam. 

In der Schule angekommen treffen warme Umarmungen meinen Körper. Ertrage das nicht. Macht alles spürbar. Wärme macht das Leben real. Genau das will mir auch der Frühlingbeweisen. Zuerst weinen ein paar Regenwolken, kleine tränen und die Sonne lacht mir einige Zeit später in's Gesicht. 

Umsonnst in der Schule. 4 Stunden "frei". 
Den Kopf auf dem Tisch abgelegt mit brüllender Musik in den Ohren, versuche ich die Welt auszuschalten. Abzuschalten. Aber mein Kopf macht es mir nicht so einfach wie ich ich mir das wünsche. Wir gehen alle 20 Minuten früher als wir dürften weil es eh egal ist. 

Am Bahnhof sitzen ein paar Kaffeebechermenschen und freuen sich über ein liebes Lächeln oder über Kleingeld im Becher. Langsam Laufe ich die Straße weiter hoch zu Dm. Einfach weil noch so viel Zeit ist bis der Bus kommt und ich ein bisschen schauen will. 
Stehe vor den Regalen. Da! Das steht.. Um Gottes Willen das kann nicht sein. Das ist unmöglich.. M! Vielleicht spielt mein Kopf mir ja wieder einen Streich für die Ausschalt Aktion am Morgen. Rechts vielleicht 5 Meter entfernt steht ein Mädchen. Mir mit dem Rücken zu gedreht und verreibt Foundation auf ihrem Handrücken. Gleiche Statur wie sie. Gleiche Haare. Gleiche Wellen. Gleiche Erinnerung. Meine Hand sucht nach etwas an das sie sich klammern kann oder krallen wie man es nimmt. Mir wird schwindelig und schlecht und mein Kopf pocht. Nach einer Ewigkeit. Viel zu langen Ewigkeit dreht sie ihren Kopf in meine Richtung und ich sehe ihr Gesicht. Falsche Augenfarbe. Falsche Gesichtszüge. Falsche M! Ich drehe mich um und stolpere aus dem Laden. 

Weg. Weg. Weg. Weg. Weg. 

Das Loch in meiner Brust klafft auf und beginnt pochend mit Blut um sich zu spritzen. Zerreißt mich. Drückt mich zu Boden. Nimmt mir jegliche Kraft. Nimmt mir alles. Statt besser zu werden wird es durch sitzen nur noch schlimmer. Also springe ich wieder auf und renne fast schon zurück zum Bahnhof. Kalte Tränen Kullern aus mir herraus, wandern mein Gesicht hinab und hinterlassen eine unsichtbare Spur auf dem Boden. 

Selbst die Busfahrt schafft es nicht das tränenmeer zu stoppen und so lasse ich den unendlosen Wasserfall einfach raus. 
Weine und weine und weine und höre nicht mehr auf. Zuhause angekommen werfe ich mich in mein Bett und schlafe endlich ein. 

Wieso ist vergessen so schwer? 
Wieso tut vermissen so weh?
Wann hört das alles endlich auf?
Wie kommen ich nur aus diesem Labyrinth raus? 


 

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