Sonntag, 16. Februar 2014

»183«

Die Tür fällt in's Schloss. Alles ist wie immer. Es riecht nach Tomatensuppe (114). Mein Magen dreht sich um. Nicht schon wieder. Sie steht im Flur. "Hallo mein Kind." »Hey« Meine Tasche rutscht von meiner Schulter in meine Ellenbogenbeuge. Dort bleibt sie hängen. Das Gewicht zieht mich kurz nach unten. 
Sie kommt auf mich zu. Langsam wie ein Leopard vor dem Sprung. Langsam legt sie ihre Hand auf meine Wange. Es macht mir Angst. Jede Berührung macht mir Angst. "Na wie war es bei deinem Arschloch von Vater? Hat er dir endlich sein wahres Gesicht gezeigt." Ihre Augen leuchten, doch ich muss ihre Erwartung leider enttäuschen. »Er ist kein Arschloch.« "NATÜRLICH IST ER DAS!" »Ja, zu dir vielleicht.« Ihr Atem trifft mich, es riecht nach Bier. Sie ist zu nah. Geh weg, muss weg. Eng. Alles so Eng. Im Nacken die Tür. Rechts mein Zimmer. Links die Küche. Vor mir sie. Sie kocht. Rasend vor wut. Meine Tasche fliegt gegen meine Terassentür und meine Linke gesichtshälfte knallt gegen die Tür hinter mir. Monotones Gesicht. Alles ist Leer. Nichts zu fühlen da. Meine Knie geben nach und ich schlittere an der Tür runter auf die Fliesen. Sie lächelt. Sie lächelt. Und ich bin tot. Der Leopard hat den Vogel gefressen, weil er seine Flügel zu langsam ausgebreitet hat. "Er ist sehr wohl ein Arschloch!" Etwas tropft in meinem Gesicht. Zuerst denke ich es ist Blut. Doch dann verstehe ich es. Sie hat mir in's Gesicht gespuckt. Erniedrigend. Wertlos. Ein Haufen Dreck. "Er ist ein Arschloch! Du weißt es auch!" Sie lacht und geht in's Wohnzimmer. Dort schließt sie die Tür. Ich schließe mich im Bad ein. Will dieses Gefühl los werden. Will diesen Dreck los werden. Spüre kein Wasser. Keine Wärme. Keine Seife. Keine Sauberkeit. Nichts. Wieso ist sie so? Die ganze Zeit war alles einigermaßen okay. 
Wahrscheinlich hab ich das einfach verdient. Es ist okay. Alles ist okay. 
Weiß seit heute einfach nur nicht mehr wer ich bin und was ich hier eigentlich mache. Aber es ist okay. Ein bisschen. Einen Augenblick überlege ich mir wieder zu Julii abzuhauen und mich auf dem Bachboden im Alten Bett zu verkriechen. Doch dann fällt mir ein, das nichts mehr so ist wie Früher. Die Zeit heilt alle Wunden? Aber vielleicht entstehen einfach viel zu viel neue. Vielleicht hört das alles nie auf weh zu tun. 

»Wie kommen wir aus dem Labyrinth des Leidens?« Vielleicht gibt es keine Antwort, Alaska. Vielleicht doch. Vielleicht hast du sie gefunden. Vielleicht M. Vielleicht werden wir, auf manche Fragen niemals eine Antwort erhalten, weil wir sie nie gestellt habe und keine Zeit mehr dafür finden, um sie zu stellen. 
Und dann ist es zu spät. 

Kommentare:

  1. Danke für deine lieben Worte ♥
    Ich bin so erleichtert, dass ich wenigstens weiß, wie es nach diesem Schuljahr weitergeht...

    Ich hab dich auch lieb ♥ :*

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  2. Und zu deinem Post...
    Süße, du hast es auf keinen Fall verdient, so zu behandelt zu werden. Deine Mutter hat nicht das Recht, dich so zu erniedrigen. Warum tut sie dir das nur an... :( Ich wünschte, ich könnte dir helfen, ich wünschte, ich könnte dich bei mir aufnehmen, in ein weiches, behutsames Nest, wo dir niemand weh tun kann und dich verletzen kann...
    Ich hab dich sehr lieb, du bist so ein starkes Mädchen!
    Ich drücke dich und lasse dir ganz viel Liebe da ♥♥

    P.S. Das Buch ist so toll und ich liebe dieses Zitat »Wie kommen wir aus dem Labyrinth des Leidens?«

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