Samstag, 11. Januar 2014

»167«

Ich weiß noch als kleines Kind habe ich immer geträumt. Immer jede Sekunde die sich verträumen lies, würde verträumt. Dort dachte ich mir Geschichten aus. Verrückte. Verständnislose. Spannende. Grußelige. Oder auch alles zusammen! Manche dieser Geschichten gefielen mir so gut das ich weinen musste wenn sie vorbei waren. Wie mit einem guten Buch oder einem schönen Lied. Irgendwann ist es zu Ende und du weißt es und dann schiebst du die letzten 10 Seiten unendlich lange vor dir her, damit du dir das spektakuläre Ende noch etwas aufheben kannst. Einfach weil du nicht willst das es vorbei ist. Deshalb finde ich das man Bücher mit Zeit lesen muss. Nicht einfach an einem Abend weil es gerade so passt und die Zeit reicht. Man muss über Sätze spekulierten, wortbausteine und den sin dahinter suchen. Wie hat sich der Schreiber Gefühlt, was hat er gedacht, was denke ich, wie geht es jetzt weiter, habe ich schon eine Ahnung. Das alles sind natürlich Fragen! Aber auf manche gibt es keine Antwort und das hat mich früher nie enttäuscht, weil ich genug Fantasie besaß um mir mein eigenes "nach Buch" zu schreiben. Gedanklich. Jede Geschichte ging weiter. Oft auch über Tage und Wochen. Ich höre auf zu träumen wenn die Zeit mir einen Querstrich durch die Rechnung macht und träumte einfach am nächsten Tag, oder bei der nächsten Gelegenheit weiter. 

Mein Leben bestand aus Träumen.
Genau wie Bücher, daraus bestehen. 


Genau so träume ich auch heute. Ich schwebe in der Lücke zwischen Erinnerung und schmerzlicher Vergangenheit. Es kommt mir vor als würde sich ein Riesen großer Abgrund zwischen mir und den wichtigsten Personen meines Lebens auftun und ich schaffe es einfach nicht hinüber zu springen. Egal wie viel Anlauf ich nehme, egal wir weit ich vorher renne. Ich falle nur weiter runter, in dieses schwarze Loch. Dort unten ist es ungemütlich und vor allem der Aufprall, nach dem Fall ist ziemlich schmerzhaft. Aber nach einer Zeit gewöhnt man sich an den Ort. Um mich herum ist Kalter Stein. An ihm tropft etwas Wasser herab, dieses ich mit meiner Hand vorsichtig sammeln und auflecken kann. Dort befindet sich auch eine Kerze. Doch wie bekomme ich sie an? Nach langer Zeit im Dunkeln. Nehme ich die Kerze und reibe sie an den Stein. Nach einer Weile entzünden sich wirklich ein paar Funken. Doch zu meiner Enttäuschung, bricht die Kerze direkt in der Mitte mit einem gerade Bruch auseinander. Ich hatte sie zu viel beansprucht. Zu stark auf sie eingewirkt. Von oben dringen die Stimmen von Julii und Cii in meine Richtung. 

Sie wissen das ich aufgegeben habe und nun sind sie wütend. Sie toben innerlich weil ich herabgestürzt bin ohne es zu versuchen. "ABER ICH HABE ES DOCH VERSUCHT" will ich zurück schreien, doch niemand hört mich. Ich habe doch versucht zu springen, versucht zu ihnen zu gelangen. Doch ich habe es nicht geschafft, versagt. 

Ich wollte immer für die beiden jemand sein, der ich nie war. Der ich nicht bin. Und jetzt bin ich niemand mehr. Und um mich herum ist niemand mehr in dieser Spalte, in diesem alt bekannten Loch. Die Schwärze verschluckt mich. Meine Stimme. Meine Kraft. Meine Silouette. Mein ich. Sie frisst mich auf. Von innen nach außen und von außen nach innen, zur selben Zeit. 

"Ich wollt immer für dich ein viel besseres Ich sein, bloß all diese Demonen fühl'n sich zuhaus." - Casper 

Und es stimmt. Ich wollte wirklich immer für die beiden ein viel besseres ich sein. Immer wieder. Doch jedes mal wenn ich es versuche, versage ich. Die Demonen sind stärker und lieber zu mir. Sie empfangen mich mit offenen Armen und nehmen mich so wie ich bin. Und nicht so wie ich zu sein habe. Ich war nie gut genug für die beiden. Immer war irgend etwas falsch. Ich. Einfach ich war falsch. Ich war das Problem an der ganzen Sache.

Lee ist eine Marionette an ein paar Fäden. Die sie durchtrennt und selbst wieder zusammen geflickt hat, weil sie sich doch noch nicht losreißen wollte.  Ein Skispringer hat mal gesagt "Da Spring ich net. Ich bin doch keine Marionette" mit leichtem Österreicher Akzent (meine ich) Und ich denke mir gerade "Ich sollte springen, weil ich eine Marionette bin, dessen Fäden sonnst nie losreißen werden"  



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