Mittwoch, 11. Dezember 2013

»148«

Noch bevor ich die Wohnungstür aufschließe höre ich ein Krachen. Vielleicht ein Teller oder doch ein Glas. Ich schiebe den Schlüssel in's Schloss und drehe auf. Mom steht in der Küche. Sie hat das Essen auf den Boden geworfen. Ob mit Absicht oder nicht, weiß ich nicht. Sie geht ins Wohnzimmer. "Wischst du das Bitte auf!" »mh« ich nehme die Scherben aus dem Gemüse und packe sie in eine Tüte. Dann nehme ich einen Lappen und wische den Rest auf. Mom kommt wieder rein. "Man Lena, pass doch auf!" »was denn?« ich schaue an mir herab. Oh. In meiner Hand steckt eine Glasscherbe und ich hinterlasse schon wieder Dreck auf ihrem heiligen Boden. "Jetzt kannst du grade nochmal putzen" »ja mache ich« Ich ziehe die Scherbe aus meiner Hand und lege ein Tuch darum. Komisch. Hätte sie nichts gesagt. Hätte ich es nicht gemerkt. In Gedanken war ich einfach so sehr weit weg. Osterferien 2012. Julii und ich liegen auf der Wiese. Ich trage ein Pulli. Es ist warm, viel zu warm für Frühjahr.  Wir liegen neben einander unsere Finger berühren sich. Der Wind flüstert leise ein paar stille Worte. Ich fahre an diesem Abend nicht mehr nach Hause. Auf dem Boden neben ihrem Bett liege ich auf der Matraze. Wir hören alte Lieder. Auch an diesem Tag bin ich vor Mom abgehauen. Eigentlich sollte ich sie nicht Mom nennen. Nicht mal Mutter. Ein Ma wäre schon zu viel. Sie ist einfach irgend eine Frau. Die mich hasst. Auch heute bekomme ich das gesagt. Das ich dumm und tollpatschig bin. Das ich aufpassen soll. Das ich zu faul bin. Das es nicht reicht. Das ich nicht reiche! während sie auf der Couch liegt und schläft, Bügele ich die scheiß Wäsche und räume die Küche fertig auf. Heute ist irgendein Tag. Unter normalen Umständen Würde ich sie anmaulen, aber ich habe immer noch eine Spur vom letzten Streit auf mir. Ich hasse es wenn sie das tut. Und trotzdem macht es mir nichts mehr aus. Nach Tag x könnte sie so viel mehr tun und ich würde nicht mal Schrein oder irgend etwas anderes tun. Vielleicht würde ich wieder Lachen. Vielleicht schweigen. Vielleicht tot sein oder mich so fühlen. Auf jeden Fall ist das einzige was ich beim letzten mal gelernt habe, das zurück schlagen nichts bringt. Nie. Letztes mal hat sie mich gegen die Wand gedrückt und meine Schnitte aufspringen lassen. Wobei das nicht unbedingt beabsichtigt war. Denke ich. Dann hat sie ganz leise ein paar Worte Geflüstert und ich bin in mein Zimmer gerannt. Habe die Rolläden zu gemacht und meine Tür abgeschlossen. Verkrochen unter einer Decke, bin ich entflohen. Der Wirklichkeit und mir selbst, mal wieder ein Stück mehr. In letzter Zeit fühlt es sich so oft so an als wäre ich nicht ich selbst. Als wäre ich ein anderer Mensch, als würden meine Körperteile und mein Körper nicht zu dem Dreckding in mir gehören. Vielleicht glauben viele von euch an eine Seele. Vielleicht hatte ich mal eine. Vielleicht wurde meine zu oft zertrampelt und zerstückelt. Es fühlt sich mich mehr real an, Leben ist so unrealistisch. So unwirklich. So unbedeutend. 

Ich hasse diese Frau. Für all die Jahre. Für all die Worte. Für all die Gewalt. Aber vor allem, für all den Hass. 




Kommentare:

  1. Oh Süße!
    Ich kann mich in wirklich jedem Wort von deinem Text wiederfinden... Und deshalb weiß ich auch nur zu gut, wie es dir geht und wie dudich fühlst...
    Ich hab dich sehr lieb, ich hoffe, dass weißt du. Und fühl dich gaaaaaaaaanz lieb geknuddelt von mir!! <3 <3 <3

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  2. Ich verfolge deinen Blog erst seit kurzem, aber hast du mal über professionelle Hilfe nachgedacht? Das was deine Mutter da betreibt ist ja echt nicht mehr normal und übersteigt so ziemlich alles, was ich je gehört (und selbst miterlebt) hatte. Ich wurde 18 Jahre lang bezüglich meines Vaters angelogen und nachdem diese große Lüge dann endlich draußen war und ich bei der Scheidung von ihrem Ex-Mann immer für sie da war, hat sie angefangen, mich mindestens einmal die Woche so lange anzuschreien und zu beleidigen, bis ich weinend auf meinem Bett lag... Mütter können so grausam sein.
    Ich bin mittlerweile ausgezogen und habe so gut wie keinen Kontakt mehr.
    She never broke me.
    Schicke dir viel Kraft!
    LG,
    Ivy

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  3. Hey,
    weiß nicht, ob du sowas machst, aber habe dich mal getaggt. :)

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  4. ich sende dir ganz viel kraft. fühle dich unbekannterweise einfach mal umarmt von mir... auch wenn es nicht viel helfen mag.
    Mütter können grausam sein.. ich hoffe es geht dir bald besser.
    dein schreibstil finde ich hervorragend!
    ganz liebe grüße,
    magda, die mit den dancing green unicorns

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