Dienstag, 12. November 2013

»136«

Wieder hier. War nie weg. Nicht wirklich. Nicht körperlich. Seelisch schon. Das Wochenende war ganz okay. Anstrengend obwohl ich die ganze Zeit geschlafen habe, aber okay. Gestern in die Schule gegangen. Zwei Stunden Englisch. Mein Kopf platzt. Obwohl Englisch ein's meiner Lieblingsfächer ist. Nach der Pause haben wir Vertretung. Fr.P ist nicht da. Ci spricht seit Tagen das erste mal wieder mit mir. 

Ci: kommst du mal mit? 
ich: Okay..

ein komisches Gefühl umgibt mich. 
Vor der Tür im Forje sitzen Julii und Brunni. Frii kommt uns hinter her. Ich habe eine wage Ahnung was sie von mir wollen. 

Brunni: Lena, das geht so nicht. 
Ich: was geht wie nicht? 
Brunni: Du weißt was wir meinen. 
Ich: nein.
Ci: wir wissen wie's aussieht. 
Ich: wie? was? 
Ci: Dein Arm verdammte scheiße. 
Ich: woher? 
Brunni: wir haben Bilder gesehen.

Ich stehe auf. Sehe Julii an. "Was bist du eigentlich für eine Freundin?" Julii war die einzige die meinen Tumblr kennt. Sie hat gesagt sie schaut sich das nicht mehr an. Ich hab ihr geglaubt. Sie hat die App sogar gelöscht. Ich dachte einfach.. Wahrscheinlich hab ich garnicht gedacht. 
Ich stehe auf und laufe die Treppen runter in Richtung Klo. Erst schließe ich mich ein. Versuche alles zurück zu halten. Lena du darfst jetzt nicht weinen. Du darfst nicht! Ich stehe auf und Spritze mir Wasser in's Gesicht. Trockne mich ab. Schließe die Augen. Atmen. Ruhig. Langsam. Die Tür öffnet sich. Frii kommt rein. Sie stellt sich zu mir ans Waschbecken. Sagt nichts. Und dann kommt der Klick Moment. Ich zucke zusammen. Halte mich am Waschbecken fest. "Ich darf nicht" zu spät. Die erste Träne fällt. Sie will mich in den Arm nehmen. »Nein!« Ich lasse mich an der Heizung fallen und setze mich auf den Boden. Meine Hände Zittern. Die Heizung ist eiskalt. Sie setzt sich zu mir auf den Boden. Ich erzähle ihr. Brocken. Dann als ich mich beruhigt habe gehen wir wieder hoch in den Unterricht. Die anderen sind nicht da. Später kommt Ci nochmal. "Kommt du bitte nochmal mit?" »Nein« "Mann lena es ist wichtig!" »Boah Nagut« Wir laufen den Ganz entlang. Um die Ecke steht Dad. Sie haben ihn angerufen. Haben mich verpetzt. Ich fange an zu weinen. In seinem Arm. Einfach nur weinen. Wir gehen in's Auto und er will reden. Ich sehe aus dem Fenster. Die anderen stehen im Forje und sehen und zu. Ich sage ihm das es mir gut geht. Das ich keine Hilfe brauche. Dann zieht er meinen Pulli weg. "Ja und das ist nichts?" Ich schaue weg. "MANN LENA DU KANNST DIR DAS ALLES NICHT MAL SELBST ANSEHEN!" Er will mit mir zum Arzt. "NEIN!" Nach einer 3/4 Stunde reden möchte er das wir auf's Jugendamt fahren. V. Und Frii bringen mir meine Sachen. Ich will nochmal mit Julii und Ci reden. Wollte sie anschreien. Und dann stehe ich da vor ihnen und wollte einfach nur noch Umarmt werden. Von Ci. Einfach wissen das ich ihr nicht egal bin. Also hab ich's gemacht. Hab sie umarmt. Und Julii. Nur Brunii war noch drinnen, deshalb konnte ich sie nicht umarmen. Dann sind wir zum Jugendamt Gefahren. Die meinten das müssten wir Gerichtlich klären. Also auf in den Kampf für den ich keine Kraft habe. Ich verstehe einfach nichts mehr. Niemanden. Nicht mal mich. Alles ist so merkwürdig. Erst hasst Ci mich und dann will sie mir helfen. Obwohl das niemand kann. Alles ist jetzt so durcheinander gewürfelt. Nicht's ist mehr so klar. Normal. Soweit es normal war. Aber was ist schon Normal. Ich komm hier einfach nicht klar. Niemand weiß was ich will. Und am wenigsten weiß ich es selbst. Will ich wirklich zu Dad? Will ich die Krankheit aufgeben? Will ich kämpfen? 

Ungewiss weiß ich die Antwort. 

Nein, ich kann nicht mehr. 


Lässt mich einfach Schlafen. Solange bis all das vorbei ist. "Weckt mich auf, wenn alles vorbei ist" wenn alles wieder Gut ist. Normal. Richtig. Wenn ich das alles los bin. Wenn alles wieder so ist. Wenn ich wieder so sein darf wie ich bin. Lasst mich einfach ein Nichts sein. Ein totes Mädchen. Ich will kein jemand werden. Niemals. Das ist zu viel. Alles. Das leben wird zu viel. Ich werd mir selbst zu viel. Bin zu Kompliziert. Leben ist zu Kompliziert. Ich komme mit der ganzen Situation nicht klar und am wenigsten mit mir. 


Kommentare:

  1. So wie ich das durch deine Blogeinträge verstanden habe,geht es dir bei deinem Vater grundsätzlich besser als bei deiner Mutter.
    Wegen dem Rest.. hast du schonmal überlegt eine neue Therapie zu beginnen?
    Kraft und Liebe an dich!

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  2. Ach Süße, mir tut das alles so leid.. ich bin froh, wenn sich dein Vater kümmert, aber er darf dich nicht anschreien. Er darf dir auch nicht ohne zu fragen den Ärmel runter ziehen. Das geht einfach nicht, das ist deine Privatsphäre. Bitte sag ihm das, er muss das akzeptieren. Er muss dich akzeptieren, so wie du im Moment bist. Und das gehört im Moment dazu. Du musst gar nichts aufgeben weißt du. Den was ist denn das Verletzen? Es ist ein "ich verketze es wenn es mir so schlecht geht, dass ich es nicht mehr aushalte". Und das Ziel sollte sein, dass es dir nicht mehr so schlecht geht, dass du es nicht mehr aushältst. So dass du nicht mehr den Drag verspürst dich verletzen zu müssen. Sas ist doch erstmal das, was man anstreben sollte. Und wenn es dir dann gut geht, kann man sehen was man tut, damit du das nicht verletzen vllt. auch in schwieirgen Momenten aushältst. Aber um diesen Schritt geht es erstmal nicht. Im Moment musst du gar nichts aufgeben oder verlieren, im Moment geht es um das, was du gewinnen könntest. Ein Leben, das leichter ist, weil du bei einem Menschen lebst, der dich liebt. Ein Leben, in dem du wieder öfter glücklich sein kannst. Ein Leben, dass du leben willst. Gib nicht auf <3
    Deine Mutter muss selbst versuchen klar so kommen. Ohne andere Menschen zu misshandeln. Du bist nicht für sie verantwortlich, egal ob sie ohne dich jemanden hat oder nicht. Manchmal müssen Menschen auch erst alles verlieren, bevor sie sich ändern können.

    Tut mir leid, dass ich schon wieder erst jetzt antworte.. mir geht es gerade ziemlich schlimm. Ich komme einfach gar nicht mehr klar.. Es ist okay bei der Freundin, bei der ich jetzt bin. Sie ist sehr lieb zu mir und ich mag sie wirklich. Aber ich brauche mein Zuhause, ich brauche meine Sicherheit. Ich falle auseinander, wenn ich keinen Ort habe, der mich zusammen hält.. Weißt du, die Erinnerungen. Es sind nicht ein paar. Es sind abertausende Stunden, mit abertausenden Erinnerungen. Ich würde lieber sterben, als nur eine einzige von ihnen nochmal erleben zu müssen. Es gab einige sehr lange Zeiten, in denen ich sterben wollte, nur um sie nicht noch einmal durch denken zu müssen. Diesen Wunsch hatte ich jetzt eine Weile im Griff. Aber die Situation gerade weckt so viel, dass ich nicht weiß, wie lange das noch so sein wird. Ich bin gerade wirklich total am verzweifelt. Es tut so weh. Es tut so unglaublich weh.


    Danke für deine lieben Worte im allgemeinen <3 und ja "Konsequenz zum Gesundwerden" klingt wirklich gut. Bin froh, dass du das verstehst <3

    Weißt du es zerbricht irgendwie auch etwas für mich. Zu oft habe ich mir in der Vergangenheit den Satz gedacht "ein Zuhause, aus dem einen einfach jemand vertreiben kann ist kein Zuhause", wenn ich mal wieder nirgends hin konnte. Und dass er jetzt zu Besuch ist heißt leider nicht, dass er danach nie wieder zu Besuch kommen wird..

    Ich hab dich lieb Süße. Bitte fühl dich jedesmal zurück gedrückt!! Würde das so oft so gerne machen und bin gerade so froh, dich "dabei" zu haben und mit dir schreiben zu können, obwohl ich nicht zuhause bin. Hab dich soooooo so so lieb <3

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