Donnerstag, 7. November 2013

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Ich schwimme im Unwirklichen. Jeden Tag. Immer wieder. Es fühlt sich alles so Unwirklich an. So unrealistisch. Ist das wirklich mein Leben? Diese Frage habe ich heute den ganzen Tag mit mir herum getragen. Und um ehrlich zu sein, finde ich einfach keine Antwort. Ich weiß es nicht. Weiß nicht ob das hier mein Leben ist. Ob es das Leben ist, dass ich haben wollte. Ich weiß es einfach nicht. Finde keine Antwort. Und das macht mich verrückt. Wenn ich Julii oder Ci diese Frage stellen würde, dann würde ich ein "Ja" als Antwort bekommen. Sie leben ihr leben, das leben das sie haben wollen. Aber mein Leben, es fühlt sich so unwirklich an. Mehr wie ein warten. Warten auf irgendwas. Warten auf den nächsten Tag. Aber nicht wie Leben. Es ist ja auch so. Warten. Auf den nächsten Tag. Die nächste Woche. Warten auf ein neues Jahr. Warten auf Geburtstage und Feiertage. Auf Weihnachten und Ostern. Auch wenn ich diese ganzen Feste nicht wirklich mag. Finde es unsinnig. Man sieht sich das ganze Jahr so selten und niemand weiß etwas über den anderen nur an diesen Tagen, da hält die "Familie" ja dann so sehr zusammen. Deshalb wird Oma ja auch nicht mehr eingeladen. Und deshalb habe ich kein Einziges Weihnachten bei Dad verbracht. Seit fast 11 Jahren nicht mehr. Traurig. Früher mochte ich Weihnachten. Und Winter. Und meinen Geburtstag. Noch 54 Tage. Dann habe ich Jahr 15 hinter mich gebracht. 16. komische Zahl. Hört sich nach Ungewissheit an. Nach Jugendlichem Leichtsinn. Nach Abschluss und Ausbildung. Nach Angst. Ja die 16 macht mir Angst. Möchte einfach die gute alte 15 bei mir behalten, jetzt wo sie mit mir so lange durch 'dick' und 'dünn' gegangen ist. Wir haben so viel erlebt. Und 16 ist neu. Möchte nichts neues. Nichts verändern. Und doch ist es etwas, das ich nicht aufhalten kann. Nachdem ich heute in der 7. Stunde eine Stunde mit Fr.P wegen der Prüfung hatte, bin ich erst um 15 h Heim gekommen. Und Mom ist gleich gegangen. Habe so viel zu tun. Zu machen. Muss irgendwas machen. Setze mich an den Wohnzimmer Tisch. Versuche zu lernen. Kriege nichts in mich hinein. Bin verschlossen. Von innen. Alles was draußen ist, bleibt auch dort. Nicht aufnahmefähig. Werde nervös. Prüfung. Deutsch. Margarete Steiff. Teddys. Mathe. Formeln fliegen mir durch den Kopf. Setzen sich einfach nicht fest. Dann entsteht ein Gemisch. Aus Englisch Vokabeln, Französischen Worten aus dem Parfüm und Zahlen. Mein Kopf platzt. Mir wird schwindelig. Drücke die Hände gegen die Ohren will das es aufhört. Brauche Ordnung. Ruhe. Stille. Beginne mein Zimmer auf zu Räumen. Muss irgendwas machen. Laufe durch die Gegend. Mit Musik im Ohr. Dann Drücke ich gegen mein Bett. Will das es sich bewegte, aber das ist unmöglich. Ich schiebe es gegen eine Wand. Die Wand ist stärker als ich. Ich falle. Auf den Boden. Lasse mich fallen. Ziehe mich zusammen. Schluchzte. Wünschte ich könnte weinen. Aber da ist nichts. Die ganze Zeit möchte ich so sehr weinen und bin so oft davor und jetzt, jetzt wo ich es könnte, da geht es nicht? Ich fühle nichts mehr. Muss es ändern. Panisch. So langsam wird alles wieder wie es war. Jeden Tag Schmerz. Ist gut. Macht das Leben erträglich. Ein bisschen. Kurz. Für ein Paar Sekunden.


Das ist Ernie. Er ist einsam. Genau wie ich. Also schaffen wir uns ein paar Freunde. Die das warten besser machen.
Warten auf das große 'Leben'!

Kommentare:

  1. Ich kann auch oft nicht weinen, wenn ich unbedingt das Bedürfnis habe und das ist so ein schreckliches Gefühl... wie...wie ein Gefängnis, und die Tränen sind der Ausgang, aber man kann nicht raus...
    Ich drücke dich ♥

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  2. Hey Süße <3
    Ich kann dich so unglaublich gut verstehen. Würde ich dir aufzählen wollen welche Teile deiner Erzählungen mir so bekannt vor kommen, oder welche ich einfach verstehe, dann müsste ich fast deine ganzen Texte wiederholen. Weißt du, wenn du mich magst, dann hättest du jeden Grund dich auch zu mögen, denn wir scheinen uns so ähnlich zu sein. Manche Gefühle kenne ich weil ich sie in bestimmten Zeiten hatte, die zum Glück wieder vorbei gegangen sind. Das heißt, dass es möglich ist. Es kann besser werden.
    Aber was mir Angst macht, ist das vieles an deiner Situation mich an meine Situation mit 15 erinnert.. Mein Leben bestand nur aus schneiden, aus der Essstörung, den Schuldgefühle und den Depressionen. Es wurde nicht schleichend besser oder so.. Ich bin quasi geflohen, vor mir, vor meinem Leben, vor meinen Ängsten und meiner Krankheit. Hinein in einen ziemlichen Mist. Es war schlimm, es war grauenhaft, es hätte mich fast umgebracht, es hat mich fast zerbrochen, es hat mir alles genommen was ich hatte. Auch mich selbst. Ich wünschte ich hätte das nie erleben müssen.
    Und jetzt habe ich Angst, Angst, dass dir auch so etwas passieren könnte. Denn man würde so viel tun um diesen Zustand zu beenden..

    Ich finde es lieb, dass N dich umarmt hat auch wenn es sich leider nicht nur gut angefühlt hat. Aber ich bin so froh zu wissen, dass du auch mal wieder im wirklichen Leben umarmt wurdest. Gedanklich umarm ich dich ständig :)

    Das mit dem "inneren Blumen pflücken" ist sooo süß gesagt! Du bist so putzig <3 genauso geht es mir bei dir auch :) Hab dich so lieb!
    Es tut wirklich so gut, nicht ganz alleine damit zu sein "These secrets are walls that keep us alone" Dieser Satz ist so wahr, aber gerade habe ich das Gefühl mit jemandem zusammen eingemauert zu sein und das nimmt dem ganzen ein wenig seinen Schrecken :)

    Ich hasse deine Mutter für das, was sie tut. Sie gehört angezeigt und sollte ihre Strafe bekommen.. niemand sollte einen anderen Menschen mishandeln dürfen und genau das tut sie..
    ich hoffe so, dass du dem irgendwann anders entgegen treten kannst. Für deine Rechte und die Wahrung deiner Grenzen. Das ist so wichtig, wenn man gesund werden will.

    Es freut mich, dass dir das positive gefällt. :) Man schreibt immer so viel negatives, weil dass das ist, wobei man Beistand braucht. Aber ich befürchte manchmal gibt man dem Positiven dabei zu wenig Raum. Und mit mehr Raum kann es sich entfalten und mehr werden.

    Danke, ich bin auch sooo erleichtert! Endlich ist das vorbei :) Nie wieder mit dieser Person streiten geschweige denn sie sehen müssen. Das ist toll.. "Raus aus meinem Leben, hier darf nichts sein, was mir nicht gut tut" :) Das klingt vlltt hart aber für mich ist diese Einstellung eine Konsequenz daraus, dass ich beschlossen habe gesund werden so wollen :)

    Danke!!! Das kann ich nicht oft genug sagen. Danke für deine lieben Worte <3
    Du bist wundervoll <3

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  3. Hey du :)
    Das kenn ich auch, dieses Gefühl des Wartens. Alles zieht an einem vorbei, ohne dass man so richtig mitkriegt, was um einen herum so passiert...
    Oh, und ich hatte vor manchen Zahlen auch Angst... Vor der 13, der 16 und ganz besonders vor der 18. Aber... ich lebe noch. :)
    Das Leben geht weiter und wir dürfen nie die Hoffnung verlieren, dass es eines Tages besser wird. Ich wünsche dir, dass dieser Tag bald kommt. <3

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