Dienstag, 5. November 2013

»132«

Der Morgen lässt erfrieren. Nicht nur Herzen und Seelen sondern auch die Überreste. Meine. Bin nicht mehr da. Wie verschluckt. Von einem großen Monster namens Einsamkeit. Und ich liebe dieses Monster. Vergöttere es. Die Stille war schon immer eine gute Freundin. Mit ihr muss man sich schließlich nicht unterhalten. Reden fällt so schwer. So sehr. Spucke nur Eis aus. Kleine, leise Brocken die niemand versteht. In der Schule. Mathe nicht verstanden. Sport in Langärmeliger Abdeckung verbracht und sie angelassen. Niemand wird jemals wieder erfahren wie es in mir aussieht. Niemand  von denen. Von meinen Angeblichen Freunden. In Erdkunde die letzen 30 Minuten über Suizid geredet. Weil gestern ein Mann von dieser Brücke gesprungen ist. Ein Junge. Ein Kind. 21 Jahre. In Anbetracht der heutigen Lebenserwartung bei 70-80 Jahren ein Kind. Unsere Ek Lehrerin ist Bio Lehrerin. Deshalb ist sie immer so, wie soll ich sagen. Besorgt oder keine Ahnung. Sie ist schwer zu beschreiben. Ich stöpsele meine Ohren zu. Von innen. Baue eine Wand auf. Kann die Stimmen nicht abschalten. Nicht die in der Klasse und nicht die in meinem Kopf. Möchte verschwinden. Wünschte ich wäre wirklich unsichtbar. Weg. Verschwunden. Unauffindbar. Wenn sie wüsste was das in mir durcheinander bringt. Jetzt sind wir in Reli endlich fast fertig mit dem Thema und da fängt die Ek Lehrerin an uns mit Dingen voll zu quatschen die sie nie gefühlt hat. Sie hat keine Ahnung wie das ist. Niemand versteht das. Mich. Die Gedanken. 14:50 Schluss. Im Bus Jana getroffen. Ihr geht es wieder gut und darüber bin ich froh. Sie hat mir im Zeltlager erzählt das sie sich ritzt. (Sie war angetrunken und wir saßen alleine auf dem Fußballplatz und haben geraucht.) ich bin einfach froh. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin ob sie ganz "über den Berg ist." Wobei man das wahrscheinlich ja irgendwie nie ist. Verletzen bleibt immer eine Möglichkeit. Ein Ausweg. 'Zuhause' angekommen. Lege Mom die 5 von Chemie auf den Tisch. Hab sie seit Freitag schon. Einfach verdrängt. Weg gepackt. In irgendeine Schublade in mir drin. Versagt. Und das heute nicht nur einmal. Mittagessen. Kartoffeln und Gurkensalat. Sie geht. Und das essen verschwindet. Später erhalte ich eine Nachricht von Ci. Sie meldet und meidet mich Tagelang und meldet sich dann wieder, weil B. anscheinend gerade keine Zeit hat sich ihre Probleme an zu hören. Es geht und die Ausbildung. Sie hat eine Absage bekommen. Ok. Weiß nicht was mich mehr verletzt. Die Tatsache das sie dich nur deshalb meldet oder das sie sich überhaupt meldet nur weil B. keine zeit hat. Bin ein Fußabtreter. Eine Eingangsmatte. Auf der man Notgedrungen seine dreckigen Schuhe abwischt bevor man sie richtig Putzt. Mit etwas besserem. Mit Schuhputzmittel. Und B. Ist das Schuputzmittel. Eins aus der höchsten Liga. Das beste was man haben kann. Laut Ci zumindest. Aber das ist ok. Das alles hatten wir ja schon mal. Und dann lässt B. sie wieder fallen und dann ist Lee ja wieder gut genug. Und ich dumme Kuh hab auchnoch gedacht das sie all das was sie gesagt ernst gemeint hat. Da sie mich mag. Und mich gern hat. Und mich braucht. War immer für sie da. Immer. Und sie hasst mich und kommt jetzt wieder weil ich ihr dann doch noch gut genug bin. Und da tut so weh. Es ist so verletzend. Danach gegessen. Kekse und ein Stück Nussschokolade. Verunreinigt. Dreckig. Voll. Ekelig. Dann wieder leer. Dreck versauert nun in den Abwasserkanälen. Hauptsache nicht in meinem Magen. Nicht in mir drin. Aus hass die Haut ein Paar rote Tränen weinen lassen.Telefoniere noch mit Dad. Einfach so. Weil ich es liebe mich mit ihm zu unterhalten über langweiliges Zeug.
Auch wenn er redet. Und ich brumme. Brumme ja. Und nein. Genau wie bei Julii. Ein paar bewusste Worte und sie redet. Man kann sich zurücklehnen und ihr einfach zuhören ab und zu nicken und gut ist es. Ist einfach mit ihr. War es. Jetzt redet sie nichts mehr. Nicht mit mir. Werde gemieden wie eine Kriminelle. 
Mom kommt nach Hause. Sie ist sauer. Über die 5. Über ihre Arbeit. Über die Kündigung. Über den Urlaub nächste Woche. Schreit rum. Hasst. Dann platsch. Kälte Haut, trifft warme. Meine Wange wird rot. Spüre nichts. Nur Wut. Höre sie immer noch schreien obwohl die Zimmer Tür zu ist. Jetzt habe ich mich vergraben. Unter einer Schicht von Bettdecke, Verstecke ich mich. Vor der Wirklichkeit. Vor den Erinnerungen. Haut weint erneut. Spüre nichts. Bin tot. Sehe Flecken wo keine Sind. Sehe Bierflaschen auf Oberschenkeln und höre ihre Stimme. Schreie leise in mein Kopfkissen. Muss das los werden. Dieses Gefühl. Diese Leere. Dieses Tote. Nichts ist mehr Lebendig. Mom hat den letzten Rest getötet. Sterbe Langsam. Ersticke an einem Klos der sich in meinem Hals anstaut. Der Frei werden will und es nicht kann. Dann endlich. Ein Salziges etwas wird frei. Läuft aus meinen Augen. Lässt mich nach weiteren Schnitten ein bisschen atmen. Löst alles auf. Mich. Das Leben. Lässt alles verschwimmen. Zu einer Klaaren Masse. Etwas das man weg wirft. Etwas unnötiges. Bin wertlos. Bin etwas totes ohne wert geworden. Etwas das man in tiefen Löchern gefangen hält, aus diesen es keinen Ausweg gibt. 


Kommentare:

  1. Danke für deine lieben Worte, jedes Mal wenn ich eins deiner Kommentare lese legt sich ein Lächeln auf meine Lippen, ein ehrliches Lächeln. Weil es mich so berührt so angenommen und verstanden zu werden. Danke, du bist so wundervoll.

    Weißt du, was ich mir denke, wenn ich deinen Post lese? Heute war ein Tag mit 24 Stunden, die meisten Leute sind einfach so hindurch geglitten, wie durch jeden beliebigen Tag. Morgen, Mittag, Abend und schon wundert man sich, dass der Tag so schnell vorbei ging. Und was musst du erleben, an diesem einzigen Tag? Wie oft musst du stark sein, dich entscheiden weiter zu leben, den Schmerz aushalten? Wie oft wird dir weh getan, wie oft fühlst du dich einsam? Es ist kein Vergleich. Du hast heute so viel mehr geschafft, als einfach einen Tag zu überleben. Bitte seh das, bitte sei stolz auf dich. Das Resultat eines Tages sind nicht die Anzahl der Schnitte oder der Kalorien. Es ist die Summe der Kraft, die du gebraucht hast um jede einzelne Situation dieses Tages zu überleben. Und dieser Kraftaufwand war enorm. Die Menschen um dich herum sehen das nicht, sehen nicht was du leistest. Aber du solltest es sehen, solltest wissen wie besonders du bist, wie stark. Du machst das alles toll <3

    Hat dich deine Mutter wirklich geschlagen? Das geht einfach nicht. Sie hat kein Recht das zu tun, es ist falsch. Bitte mach ihr das klar. Bitte lass es nicht auf sich beruhen, nimm es nicht hin. Lass es nicht zu. Es ist ungaublich schwer, aber bitte stell dich dem entgegen. Mach ihr klar, dass es für dich nicht okay ist, dass sie zu weit gegangen ist und dass es deine Forderung ist, dass sie das NIE wieder tut. Ich glaube es kann viel an der Situation ändern, wenn du ihr das einfach sagst. Ihr einfach sagen, dass es nicht okay war und dass du ihr verbietest es je wieder zu tun. Weißt du sie DARF das nicht, das ist Gesetz und das ist auch gut so. Niemand hat das Recht dir weh zu tun, Süße.

    Ci verhält sich so unmöglich.. sie hat es einfach gar nicht verdient, dass du ihr noch zu hörst..

    Vielen Dank, dass du schreibst ich hätte diese Liebe verdient. Ich habe jahrelang um die Liebe meiner Mutter gekämpft, nur um irgendwann aus dem Alptraum aufzuwachen und zu verstehen, dass sie nicht fähg ist Liebe zu empfinden. Zumindest nicht Liebe, wie wir sie definieren würde. Ich habe das Thema für mich abgeschlossen. Ich will keine Liebe mehr von ihr, ich lasse mich nicht mehr von ihr kaputt machen. Sie hat nichts in meinem Leben zu suchen. Übermorgen sehe ich sie vor Gericht wegen Unterhaltsstreitigkeiten und ich hoffe, dass ich sie nie wieder sehen muss wenn dieser Prozess abgeschlossen ist.
    Und umso mehr bin ich froh, meinen Papa zu haben. Es hilft, zumindest ein Elternteil haben zu können, zumindest jetzt.

    Weißt du was mit auffällt, an manchen Stellen deiner Texte stimme ich ganz besonders zu und habe das Gefühl ganz besondefrs zu verstehen, was du meinst. Und meistens kommt kurz nach dieser Textstelle der Satz "macht das Sinn?" Ja es macht Sinn, so viel Sinn.

    Ich hoffe so sehr, dass dein Vater dir hilft. Dass er versteht, für dich da ist, dich unterstützt. Dass er dir zeigt, dass er dich liebt. Dass er dir einfach beisteht ohne zu fordern. Vielleicht würde er verstehen, wenn man es ihm erklären würde. Vielleicht ist es manchmal einfach zu schwierig sich eine Sache in ihrer Ganzheit vorzustellen, wenn man sie nicht erlebt.

    Wenn in der Schule über Probleme gesprochen wird, die man hat, ist das wirklich immer furchtbar. Man weiß nicht, wie man schauen soll, man weiß nicht, was man sagen soll und was nicht, ob man so wirken soll wie als würde man zuhören oder nicht? Denn irgendwie muss man das Geheimnis ja geheim halten..

    Tut mir leid, dass das Kommentar gerade etwas unstrukturiert ist..

    Hab dich so lieb, du bist wundervoll, vergiss das nicht <3

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