Sonntag, 3. November 2013

»130«

Heute Morgen aufgewacht. Geweint. Hatte so einen wunderbaren Traum. Ich war in einer Stadt, da war alles weiß, Rein und Unschuldig. Es hat nach Lotusblüten gerochen (die riechen jetzt einfach so, wie sie riechen auch wenn ich nicht weiss nach was, aber ich mag sie!) und die Luft hat sauber geschmeckt. Keine Abgase. Kein Rauch. Kein Rostiges Blutendes Metall. Nichts. Ich habe vom Himmel geträumt. Irgendwie muss man sich das alles ja vorstellen und meine Vorstellung war immer Wolkig und Sauber. Wie Waschmittel Werbung. Da ist auch immer alles Sauber und manchmal sogar Wolkig. Ja mein Himmel ist wie eine Waschmittel Werbung. Dann aufgewacht. Traurig. In einem Zimmer aufgewacht, das ich nicht mag. Lila und voller hellbrauner Möbel. Möchte weiße Möbel und Wände in der Farbe von essie's "Mint Candy Apple" Nagellack. Ein Zartes, fast schleichendes Mint Grün. Aber nicht wirklich Grün. Wohl eher Blau oder eine Mischung. Mit weißen langen Vorhängen bis zum Boden und einem Bett aus Federn. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie immer. Mein Bett ist alt und Knarrt. Die Wände sind wie gesagt Lila und es fühlt sich unsauber und laut an. Schreiend. Kreischend. Hassend. Die Bilder an den Wänden springen mich an. So viele Menschen die mich mal gemocht haben. Zum einen Julii und Ci. Aber dann auch Seelendieb, Tiff, Frii, Mell und N. Achso die beiden V's und A hängen auch noch da. Mit Ihnen habe ich nichts mehr zu tun. Selten. So selten, dass das Wort selten an sich noch viel zu oft ist. Fühle mich alleine. Trotz all den Personen. Trotz. Dad. Er versucht immer wieder für mich da zu sein, aber es klappt nicht. Weil ich ihn nicht an mich ran lasse. Verständlich. Er hätte mich hier beinah alleine gelassen. Erinnerung. Dezember. Weihnachtsfeier. Unfall. Anruf. Klein Lee. Angst. Schmerz. Auf der Suche nach dem Weg zu ihm. Verloren. Krankenhaus. Uniklinik. Mit Mom hingefahren. Ärzte versuchen Kindgerecht zu erklären. Panik. "Was wenn er stirbt?" »Dann sterbe ich eben« sagte klein Lee im alter von 10 Jahren. Früh bewusst das es nicht geht. Das, das leben so nicht geht. Mit 13 Kaputt. Angefangen zu schneiden. Zu verbrennen. Zu verletzen. Angefangen schmerz zu lieben. Mit 14 angefangen zu rauchen und aufgehört "normal" zu essen. Mit 15 in Therapie. Depressionen, Bulimie, atypische Anorexie und Borderline unterstellt. Nie Glauben geschenkt. Immer »ich bin normal« gesagt und gewusst das es nicht stimmt. Erinnerungen ausschalten. Jetzt sofort. Zurück zu heute. Zu hier und jetzt. Schmerz zerfrisst mich, wie Maden eine Leiche unter der Erde. Vielleicht bin ich ja auch eine Leiche. Nur eine Lebendige? Eine die Umherwandert und stirbt. Langsam an dem Schmerz den ihr unachtsame Menschen zufügen. Unter der Dusche den Platz gefunden, den ich gesucht habe. Sitze in der Ecke und lasse mich abregnen. Weine. Blute. Hasse. Schreie. Schlage. Fühle einfach nichts. Bin tot. Gestorben an der Vergangenheit. Gestorben an ihm und Dad. Gestorben an M und Ci. Gestorben an B und Julii. Gestorben an all den Menschen, doch vor allem gestorben an der Einsamkeit. Einsamkeit die ich gesucht habe, dich ich geliebt habe. Die ich nun zurück habe. Bin in ein kleines Schwarzes Loch gefallen. Kann so viel um Hilfe rufen wie ich will, man hat den Deckel darauf gelegt. Kein Licht, keine Farbe nichts dringt durch die Mauern. Alles ist Kalt. Alles ist tot. »sie stirbt.. letzten endes doch, an ihrer Einsamkeit« 


Kommentare:

  1. Oh ich bin so gerührt von deinen Worten...
    Ein unbekannter verlorengegangener Zwillig, hört sich irgendwie süß an. :)
    Danke dir ♥

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  2. Hey Liebes <3
    Du schreibst wirklich so wunderschön. Man liest aus deinen Texten, aus deinen Gedanken heraus wie besonders du bist. Ich finde deine Vorstellung vom Himmel und den Traum wunderschön. Eine Welt ohne all das Fehlerhafte, das Vergängliche, die hässliche Realität. Ich kann mir diesen Wunsch so gut vorstellen, meine Umgebung in weiß zu tauchen. Weiß und sanfte, helle Farben. Nichts das sticht, das Dunkelheit birgt, das bedrückend wirkt
    Es tut mir unendlich leid, was die mit deinem Papa passieren musste.. ich kann mir gut vorstellen, das einen so etwas nie wieder los lässt.. und 10 ist noch so jung. Aber ich bin froh, dass dein Vater jetzt versucht für dich da zu sein.

    Danke, danke, danke für deine lieben Worte. Es ist so schön, so vieles mit dir gemeinsam zu haben. Bis hin zu dem Alter, in dem unsere Eltern sich getrennt haben. Es tut mir leid, dass deine Mutter auch ein Monster ist. Lebst du bei ihr oder bei deinem Vater, oder wechselt das?
    Ich bin auch so froh, mich normalerweise mit meinem Vater zu verstehen. Als Kind hatte ich gar keine Bindung zu ihm. Ich dachte immer ich nerve ihn nur mit allem was ich sage und dass ich ihn eigentlich gar nicht interessiere. Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe ihn erst vor zwei Jahren wirklich kennen gelernt und dabei habe ich festgestellt, dass ich einen wundervollen Vater habe :) Zumindest jetzt. Und das hilft so sehr, wenn man schon keine Mutter hat.

    Ich habe schon versucht mit ihm zu reden.. Immer wieder, aber es scheint nichts zu bewirken. Ich glaube, dass er sich inzwischen schon Gedanken drüber macht und dass es ihm leid tut, dass ich mich von hier vertrieben fühle. Für ihn ist es denke ich schwierig, weil meine Großeltern im Stockwerk unter uns wohnen und ihren Sohn auch gerne hier hätten. Mein Vater steht da also ziemlich blöd dazwischen, auch wenn es mir dewegen nicht weniger weh tut.
    Danke, dass du an mich glaubst und vielen Dank, dass du das mit dem Reden sagst. Gerade hilft mir der Gedanke, dass ich meinen Laptop mitnehmen werde, egal wo hin ich gehe und ich bin so froh zu wissen, dass ich dir schreiben kann <3 Danke, wirklich.

    Und danke, dass du auch den anderen Text verstehst. Es tut so gut mit seinen Gefühlen nicht alleine zu sein. Und danke danke danke für den Satz mit dem tauschen. Das rührt mich total :) Es tut mir so leid, dass deine "beste" Freundin dir so weh tut. Ich bin allerdings am überlegen ob das Wort "beste" das Problem ist oder das Wort "Freundin" denn wie eine Freundin verhält sie sich gerade leider wirklich nicht. Freunde lassen einem nicht alleine, wenn es einem gerade richtig schlecht geht und vorallem nicht WEIL es einem gerade richtig schlecht geht. Du verlangst so wenig von ihr. Nur ein zwei liebe Worte, nicht verurteilt zu werden, einfach zu wissen, dass sie dich lieb hat. Es wäre so leicht dir das zu geben, aber sie tut es nicht und das ist so traurig. Sie sollte sich vllt mal von The Fray - how to save a life anhören.. Nur um sich für einen kurzen Moment vorzustellen, wie schlimm es wäre sich das im Nachhinein anhören zu müssen.. Trotz allem verstehe ich, dass du sie trotzdem vermisst. Und das tut mir leid, weil das ist vielleicht das schwierigste an der ganzen Sache..
    Bitte fühl dich auch umarmt <3 Ich bin so froh, dich gefunden zu haben! Hab dich so so lieb, bitte vergiss nie, dass du ein unglaublich besonderer Mensch bist, der so viel mehr verdient hätte als all das Leid.

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  3. Hey :)
    Ich wollte dir nur sagen: Du kannst so wunderbar mit Worten umgehen!
    Du schreibst... so krass, so ehrlich, so traurig, so verstörend und doch wunderschön. Ich kann mich in deinen Worten irgendwie wiederfinden. Es tut mir weh und so so leid, was du alles durchmachen musstest...
    Aber schreib auf jeden Fall weiter! Du hast ein riesiges Talent. :)

    Liebe Grüße,
    Lilly

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