Donnerstag, 31. Oktober 2013

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Schule. 9 Stunden. Erdkunde. Englisch. Deutsch. Powi. Und. 8 + 9 Religion. Neue Lehrerin. Selbes Thema. Tot. Ich sitze da und kann einfach nichts aufnehmen. Nichts garnicht's. Und dann fängt sie an zu reden und zu reden und zu reden. Genau wie die alte Lehrerin vorher auch. So als wüsste sie wie sich das anfühlt. Wenn man einfach sterben will. Und das schlimmste ist. Heute ist julii's Cousin gestorben. Er ist gestorben nach 18 Jahren mit dem Kampf gegen Krebs. Und ich meine er hat gekämpft und er WOLLTE LEBEN! Und ich will STERBEN! Und er ist gestorben und ich bin immer noch hier. Das ist doch nicht fair. Wir hätten einfach nur tauschen müssen. Dann wäre er jetzt noch da und ich eben nicht mehr. Wäre besser so. Und das habe ich heute oft genug bestätigt bekommen. Julii und seelendieb (ja wir nennen ihn jetzt einfach so, aber eigentlich ist er ganz lieb) waren die einzigen die mir am Morgen im Bus an diesem Tag das Gefühl gegeben haben, das der Tag an sich doch nicht soo schlimm wird wie ich dachte. Falsch gedacht. Kurz gefaket gelacht. Alles nur Fassade. Wieder daran gedacht, das mich niemand kennt. Niemand. Nicht mal ich selbst. Auf die Heizungen gesetzt. Gewartet. Auf 8 Uhr. Gewartet auf Ci. Dann steht sie da. Und setzt sich zu seelendieb. An Lena's Seite wäre noch Platz für zwei Leute gewesen. Aber nein. Will Ci nicht. Braucht Abstand. Weil ich ja so eine Schwerverbrecherin bin. Fr.T kommt und wir gehen in die Klasse. Jetzt kann Ci mir nicht aus dem weg gehen. Sie sitzt nun mal neben mir. Sie sagt nichts. Ich weiß, das ich was sagen sollte. Ich würge ein "Hallo" hervor. Freundlich. Unschuldig. Friedlich. Vorsichtig. Sie nickt. Und hört Fr.T zu. In der Pause stehen wir zusammen auf dem Hof. Keiner redet. Keiner durchbricht die stille. Und es stört. Ich würde ja etwas sagen, wenn ich könnte, wenn ich wüsste was, oder wie. Aber wir schweigen. Als es klingelt gehen wir rein. "Klo?" sagen wir gleichzeitig. Sie lächelt. zum ersten mal und ich denke auch zum letzten mal für heute. Ich warte vor der Tür auf sie. Dann gehen wir hoch. Fr.P macht mit uns deutsch und danach Powi. Ci ist wieder schlecht. Merkt man. Sieht man. Spüre ich. Ich gehe zu Fr.P und frage sie ob wir raus dürfen, dachte es tut ihr gut. Hat sonnst auch immer geholfen. "woher wusstest du..?" "ich kenne dich, besser als du dich selbst kennst, auch wenn du das nicht so haben willst." Wieder Stille. Sie hat mir nichts mehr zu sagen. Ich meine ich bin selbst Schuld. Hätte einfach ein Geheimnis draus machen sollen. Damit dann die Atombombe platzt wenn sie's nach 1-2 Monaten rausfindet. Wollte sie nicht schon wieder belügen. Nicht wegen der Krankheit, nicht schon wieder. Dann hätte sie mir wahrscheinlich wieder vorgehalten das ich nie mit ihr rede. Ja da wundert sie sich? Egal was ich mache. Es ist alles irgendwie so falsch. Sag ich's ihr, ist es falsch. Sag ich's ihr nicht, ist es auch falsch. Ich weiß einfach nicht was ich noch zu ihr sagen soll, darf, kann, muss. Wahrscheinlich wäre es ihr sogar lieber wenn ich tot wäre, dann müsste sie sich nicht andauernd so aufregen, das ich ne abgefuckte Versagerin bin. Was weiß ich. Im der Mittagspause verschwindet sie mit B. Tat weh, aber ist ok. Sie braucht mich nicht, hab ich kapiert. Message ist angekommen. Dann haben wir Religion. Neue Lehrerin. Mag sie nicht. Redet zu viel über Dinge, die sie aus Lehrbüchern und Ratgebern rausschreibt. Klingt wie eine Mischung aus Bienenschwarm und Hühnerstall. Oder beides. Wie ein Bienenschwarm im Hühnerstall. Und das ganze in meinem Kopf. Ci ist immer noch bei B. Bin wohl jetzt ganz unten durch. Weil ich eine Krankheit habe. Okay. Aber wenn Ci die Grippe hat und nicht gleich am Nächsten Tag Wieder ohne Fieber, Schnupfen und Husten in der Schule erscheint ist das was anderes. Nein ganz genau so ist es. Mit ner Grippe liegt man halt auch mal länger Zuhause im Bett damit man dann wieder Gesund ist. Man kann natürlich auch zu früh wieder arbeiten oder in die Schule gehen, aber dann kommt die Grippe wieder. Und mit Pech dann eben doppelt so schlimm. So ist das. Mit so ziemlich (fast) jeder Krankheit, denke ich. Heute Abend hat mich Mom zu Bodo Bach geschleppt. Alle haben gelacht und mir wahr mehr zum heile zu Mute. Nicht nur weil die Tatsache, das nicht mal noch ein Komiker mich zum lachen bringen kann, sonder viel mehr weil ich alleine bin. So alleine das alles leer ist. In einem Raum voller Leute. Bestimmt 300 Stück. Und Lee fühlt sich alleine. Weil da niemand ist der mich versteht. Ci nicht. Julii nicht. Mom nicht. Niemand. Nicht mal mehr Dad. Den habe ich heute nach der Schule gesehen, er hat uns abgeholt. Als wir Seelendieb und N. abgesetzt hatten, hat er mich vorsichtig gefragt wie's mir geht. Er weiß das ich mit Mom Streit hatte. Das sie mit der fast 2 und der fast beste Arbeit der Klasse nicht zufrieden war. Das ihr dieses "fast" nicht genug ist. Das ich ihr nicht genug bin. Aber dennoch glaubt er mir mein "Gut" mit dem Freundlichen Lächeln ohne zu Zögern. Er vertraut mir. Traurig das ich ihn auch anlüge. Das ich jeden immer anliege. Mich selbst sogar. Egal wie oft ich noch sage, das ich keine Depressionen, keine ES und kein Borderline habe, es bleibt halt eben so. Wird nur immer wieder verdrängt, tief in einer Schublade versteckt nur um irgendwann daraus hervor zu kriechen und mich zu überfallen. Zu ersticken. Um Mir die Luft zu nehmen. Das letzte bisschen zu nehmen was mich hier hält. Der Atem. Die Luft. Der Traum von Freiheit. Ich öffne gerade die Flasche aus Frankreich. Die mit dem Sand und dem Meer, es riecht ein bisschen modrig aber doch immer noch frisch. Und frei. Und nach ein bisschen leben. Es riecht nach einer Zeit, die Freiheit beschreibt. Eine Zeit die für immer in den Gedanken erhalten bleibt. Solange bis die Gedanken sterben. Oder man selbst. Bis alles um einer herum verschwimmt. Zu einem Brei aus leben und tot. Eine Gefühllose Masse die sich soweit ich weiß "das leben" oder so àhnlich nennt.
Doch wer will das schon? 

 

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