Dienstag, 15. Oktober 2013

»117«

Fr.S und ich wir reden. Die sagt ich soll in mich gehen. Eine reise machen. Eine reise an den Anfang, wo wir uns begegnet sind. Ich weiß es noch ganz genau. Ich habe kaum gesprochen. Sie hat geredet. Die hat gefragt. Und ich musste Antworten. Es wurde viel geschwiegen. Dann geht alles ganz schnell.

Ich rede von den Bremer Stadt Musikanten und einem Esel. Von einem Dummen Esel. Ein Esel den niemand braucht. Und sie fragt ob es in mir drin so einen Esel gibt. Ich sage nein. Da gibt es nur Lena. Sie will mehr hören. Ich erzähle ihr von mir. Von meinem inneren Ich. Von der kleinen Lee die nie raus darf. Die immer tief verbuddelt unter Mauern und Stacheldraht Zaun versteckt bleibt und den ganzen Schmerz ertragen muss. Sie fragt was diese Lena sich wünscht. Ich sage einen Esel. Einen Freund der sie nicht verlässt. Und an welchem Ort? Australien. Diese Antwort kommt so schnell das sie mich verblüfft ansieht. Und was ist da noch? Ein Windrat, ein Zaun, Kühe und Schafe, Eine Birke Meer, Blumen, Wasserfälle, eine Badewanne mit..

Nach der Badewanne habe ich geschwiegen. Ich wollte sagen eine Badewanne mit Blut. Gefüllt aus den unzähligen versuchen den Schmerz zu vertreiben. Als hätte es jemand aufgefangen um darin zu baden. Die Badewanne ist so voll, das sie fast überläuft. Es fehlt nur ein einziger Schnitt und sie würde überlaufen. Würde umkippen und den ganzen Schmerz verteilen. Würde da Blut an jeden Fingern kleben lassen, die klein Lena Schmerzen zu gefügt haben. Würde ihnen Zeigen was sie gemacht haben. Doch sie Liesen mich diesen einen Schnitt nicht tun.

Und dann fragt Fr.S mich, was ich bräuchte um der Inneren Lena zu helfen.
''Hilfe'' ist das erste was mir einfällt.
''Von wem?'' fragt sie.
''Von niemandem, ich will keine.''
 ''Aber eben wolltest du sie noch!''
''Ja aber ich verdiene sie nicht.''
''Warum?''
''Weil ich schlecht bin.''
''Und wieso glaubst du das du schlecht bist?''
''Weil sie das sagt!''
''Wer?''
''Meine Mutter!''

Und wir schweigen. Ich darf gehen. Die Badewanne stand für den Selbstmord. Ich war kurz davor. Die Wanne wäre bald umgekippt oder übergelaufen. Und dann wurde sie geleert. Irgendwer hat den Stöpsel raus gemacht, zwar mühsam und mit viel Zeit. Aber die Wanne ist nicht mehr voll. Nur halb. Halb voll und halb leer. Und das Gefühl das dieses halbe nie etwas ganzes sein wird, lässt mich verzweifeln. Ich will nicht irgendwas zwischen tot und leben sein. Ich will tot oder lebendig sein. Aber das geht nicht. Denn Tote Mädchen können nicht leben und nicht sterben, ohne gelebt zu haben. Das alles zerreist mich, in tausend kleine teile. Teile, eines ganzen Kaputten. Ich war nie ganz und werde es auch nie wieder sein.


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