Freitag, 11. Oktober 2013

»113«

Daddy nimmt mich in den Arm. Er spürt das ich nicht mehr lange stehen kann und fängt mich auf. Alles ist schwarz, als wären meine Augen in Schwarzer Farbe ertränkt worden. Als hätte sie jemand mit den unachtsamen Worten der Zeitung beschmutzt. Und doch ist alles lesbar auf mir nieder geschrieben, ich bin eine kleine Zeitung. Eine Lebendige Zeitung. Auch wenn ich heute sehr tot wirke. Der letzte Schultag war unglaublich anstrengend. Dafür das es nur drei Stunden waren. Das hat selbst Fr.P gesagt. Ich rede in letzter zeit viel, wenn sich schon mal die Gelegenheit gibt die gehasst und gleichzeitig Geliebte Stille zu füllen. Doch so sehr ich versuche Worte in den Stillen Raum zu pressen desto leiser wird es. Jedes Wort hallt wieder und das Echo ist so laut das mein Trommelfell zu zerplatzen scheint. Mir fliegen mal wieder tausend Dinge durch den Kopf. So viele Erinnerungen an das was ich noch alles machen muss. Fr.P teilt die Stark Hefte für die Abschlussprüfung Deutsch 2014 aus. Wir sollen in den Ferien bis S.64 machen und uns Merkzettel an die Überbegriffe und das was wir nicht können, machen. ich stecke also 8 kleine Zettelchen in die Seiten und versuche sie größtenteils zu überfliegen. Bei Dad angekommen bin ich mit Oma alleine. Ich setzte mich an den Tisch und Drucke Sachen über die Firmengeschichte von Steiff aus und über Spielsachen. Das kam erst um 14 h wieder von der Arbeit. Ich habe also von 11 - 14 h an meiner Präsentation gearbeitet und es fühlt sich so an als wäre ich immer noch genau so weit wie um 11 Uhr. Und das bin ich eigentlich auch. Ich hab die Texte ausgedrückt aber sie nicht wirklich gelesen. Muss sie mir bei Mom dann durchlesen und Markern. Dann kann ich dort wenigstens irgendwas machen. Als Dad zur Tür rein kommt sitze ich immer noch am Tisch und lerne. Er steht hinter mir ich stehe auf und Drücke ihn. Da spüre ich wie die Schleier mich fangen. Wie sie mich umhüllen um mich sanft in ihren Bann zu zerren. Sie machen mich Blind vor der Welt und taub von all den Geräuschen. Bald flackert das getrübte Tageslicht von Herbst wieder auf und Dad taucht verschwommen vor meinen Augen auf. Ich liege in seinem Bett. Er hat ein Glas Wasser in der Hand, will das ich trinke. Ich tue es. Nach einer Weile setze ich mich hin: »gibst du mir bitte das Buch?«
frage ich ihn vorsichtig. "Du willst schon wieder arbeiten? Lena du brauchst einen Pause so wird da nichts du, du machst dich noch kaputt so!" »Aber Dad ich muss das machen sonnst habe ich nächste Woche nur noch mehr Stress, ich will es hinter mich gebracht haben jetzt wo ich noch zeit habe, Bitte!« Er reicht es mir. Ich habe eine Stunde geschlafen. Es ist kurz nach 15 h. Ich lege mich auch den Bauch und arbeite weiter. Kreuze Dinge an, überlege mir fragen und versuche sie zu beantworten. Löse Aufgaben aus dem Deutschbuch zum Arbeitsheft und schweige dabei vor mich hin. Um 18 h höre ich auf. Meine Nerven sind am Ende und eigentlich wollte Julii kommen um bei mir zu schlafen. Aber sie hat mir abgesagt, für Frii und ihren Freund. Ich fühle mich unbrauchbar und leer. Leerer als Leer. Ich fühlte mich tot. Aber wenn das Sterben ist, dann möchte ich gehen. 
Ich habe eben noch eine Erinnerung's Liste geschrieben damit ich nicht's vergesse. Hoffentlich. Jetzt gerade macht mich das ticken der Uhr an der Wand völlig nervös. Mit jeder Sekunde, Minute und Stunde geht mir wertvolle Zeit verloren. Zeit die ich mit sinnvolleren Dingen, als mit Schlafen verschwenden könnte. Ich bin auf Seite 10. habe zu DM ersten drei Übergegriffen, 27 Fragen geschrieben und sie beantwortet. Dazu im Buch Aufgaben gelöst. Und es ist nichts. Nicht genug. Ich stehe vor dem Nervlichen Ende. Ich kann einfach nicht mehr lernen aber ich muss. Sonnst schaffe ich das nie. Und wieder kreist mir Fr.S Satz durch den Kopf "Lena ich habe das Gefühl das du rein Psychisch nicht in der Lage und Verfassung bist die 10 Klasse zu absolvieren." Das war ein Schlag in die Magengrube, als hätte sie mir damit genau das gesagt was ich dachte. Und zwar das ich es einer Seits nicht Schaffe und anderer Seits nicht schaffen kann weil es zu viel wird. Um genau das Gefühl habe ich jetzt schon wieder, ich finde nie das Mittelmaß. Entweder ich will zu viel oder zu wenig. Meistens will ich einfach zu viel von mir selbst, setze die Latte zu hoch und versuche trotzdem drüber zu springen. Egal ob ich damit ein gebrochenes Bein in Kauf nehme oder nicht. Man fällt nun mal hin und ich war einfach noch nie der Typ der sofort wieder aufgestanden ist. Ich mache es mir dann lieber in meinem kleinen Loch bequem und bleibe dort versteckt vor alles und jedem. Und keiner Erreicht mich dort, weil alles voller Nebel ist. Genau der, der mir am Mittag noch die Sicht genommen und die Gefühle betäubt hat. Genau dieser Nebel, der lässt das Tote Mädchen noch Toter werden. Lässt es erfrieren. Sterben im inneren. Nur um äußerlich weiterhin da zu sein. Wie eine Nussschale ohne Nuss. Die Schale hat zwar ein Loch durch das die muss gefallen ist, aber wenn sie so auf dem Boden liegt fällt es im ersten Moment nicht auf das sie eigentlich so sehr kaputt ist. 



und die Aufgaben werden im Lauf der Woche einfach nicht weniger. In der 2ten Woche fahren Mom und ich in's Steiff Museum nach Dillingen an der Brenz (glaube ich) damit ich ein bisschen Info's  direkt in der Firma sammeln kann. Der Stress ist einfach viel zu groß, für kleine zerbrechliche Mädchen die Schlaf brauchen und nicht schlafen können.

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