Montag, 27. Mai 2013

»58«

Der Schmetterling wurde gefangen. Die Freiheit wurde ihm genommen. Er wurde von etwas eingefangen und kann nichts tun. Ich wurde auch gefangen. Von der Stimme. Sie schreit mich an. Sie schreit und schreit und schreit. Ich renne raus. Immer weiter Richtung Wald. Dann da die Bank. Ich ziehe meinen Pulli aus, dann noch die Strickjacke. Sitze im Top da und lasse den Regen die Gefühle weg waschen. Ich sitze da 5 Minuten. 10 Minuten. Kann nichts fühlen. Kann nicht aufstehen. Kann nur denken. Kann mich der Stimme nur hingeben und ihr zuhören. "Du bist viel zu Fett! Du bist Hässlich! Niemand braucht dich! Niemand liebt dich! Hör auf zu Essen!" Ich stehe auf, drehe mich in Richtung graben und stecke mir den Finger in den Hals. Es klappt nicht. Das Fett ist schon weg. Ich drücke auf meinen Magen. Lasse meine Fäuste darauf einprasseln. Dann erneut den Finger in den Mund. Dann endlich. Der Anfang ist geschafft. Dann immer wieder im
abwechselnden Rhythmus. Auf den Magen drücken und mit dem Finger alles rausholen. Dann weg drehen. Ich versuche wieder zurück zur Bank zu kommen, doch es reicht nicht. Ich sinke auf den Boden. Meine Knie werden Nass. Der Regen wäscht den Dreck weg. Er spült die Narben ab und ich fühle nichts. Ich beginne mit den Hände im Boden herum zu Kratzen. Meine Finger stoßen auf etwas. Ein Stein. Ich ziehe den Stein ein paar mal auf der Bank entlang. Versuche ihn irgendwie schärfer zu machen. Dann ziehe ich das Top hoch und ziehe eine Linie. "NA BIST DU JETZT ZU FRIEDEN? ICH HAB GEMACHT WAS DU WOLLTEST! LASS MICH DOCH BITTE!" Als ob sie mich jemals in ruhe lassen würden. Die Stimmen. Sie gehen nicht weg. Sie kontrollieren mich und ich kann nicht entscheiden wann ich es beende. Ich bin der Schmetterling. Das gefangene Nichts in einer eiskalten Welt.  

1 Kommentar:

  1. Du kannst voll gut schrieben :*
    Kopf hoch alles wird besser <3

    AntwortenLöschen